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Norddeutsche "Elefantenrunde"

Zweifel am Zweikampf

Es sind noch drei Tage bis zum ersten Bundesliga-Spiel. Das Innere der
Kieler Sparkassen-Arena ist am Donnerstagmittag menschenleer. Im dritten
Stock, im Raum "Schweden", dreht sich aber bereits alles um Handball.
Die Vereinigung Schleswig-Holsteinischer Sportjournalisten hat Manager
und Trainer der drei norddeutschen Top-Klubs eingeladen - quasi die
Elefantenrunde des deutschen Vereinshandballs. Der HSV Hamburg, der THW
Kiel und die SG Flensburg-Handewitt haben die Meisterschaft seit 2004
praktisch unter sich ausgemacht. Wenn nichts Überraschendes passiert,
geht auch der nächste Titel an die Ostsee oder an die Elbe. "Kiel und
Hamburg sind nicht allein in der Bundesliga", hegt HSV-Coach Per Carlén
Zweifel am klassischen Zweikampf. Sein Kieler Kollege Alfred Gislason
wird konkreter: "Es gibt noch andere Teams, die sich einmischen können:
die Löwen, die Füchse und die Flensburger."

Die Letztgenannten sitzen mit am Tisch, sind derzeit aber eindeutig nur
die Nummer drei im Norden. Das zeigte sich in den letzten Jahren auf dem
Spielfeld, beim Etat - aber auch bei der Zahl der verkauften
Dauerkarten. Während in Kiel das Haus immer mit 10000 Zuschauern voll
ist und sich die Hanseaten freuen, mit 6100 Saison-Tickets einen Rekord
aufgestellt und die "Position hinter dem Fußball gestärkt" (O-Ton
Geschäftsführer Christoph Wendt) zu haben, spricht SG-Geschäftsführer
Dierk Schmäschke von "gefühlten" 4300 Dauerkarten. "Wenn man diese Zahl
in Relation zum Einzugsbereich setzt", merkt sein gleichberechtigter
SG-Kollege Holger Kaiser an, "sind wir ganz weit oben."

Der Club von der Grenze zu Dänemark hat zuletzt wie die anderen
Bundesligisten Besuch vom neuen Bundestrainer Martin Heuberger erhalten.
Der DHB-Coach hat in Flensburg mit Spielern und Verein gesprochen sowie
das Umfeld besichtigt. "Er geht die Probleme sehr lösungsorientiert an",
meint Holger Kaiser und betont: "Die deutsche Nationalmannschaft muss
Erfolg haben." Sie sei das Zugpferd für den deutschen Handball. Die
Unterstützung der Bundesligisten ist logisch. Das findet auch Alfred
Gislason und schmunzelt: "Wir hätten auch Heiner Brand gerne geholfen,
aber er war ja nie in Kiel."

Die illustre Runde macht sich Gedanken über die Liga, deren
Medienpräsenz und Erscheinungsform. "Wir brauchen mehr Gesichter unter
den Spielern", fordert Klaus Elwardt. "So wie Stefan Kretzschmar eines
war." Natürlich war der randvolle internationale Terminkalender ein
Thema. Ein Lösungsansatz: eines von fünf Großturnieren in vier Jahren
streichen. Ein weiterer: die Spielerkader vergrößern, um die Belastung
mehr zu verteilen. Aber gibt das Budget der Clubs eine größere
Spielerdecke überhaupt her? Holger Kaiser: "Die Spielergehälter sind der
Hebel. Dort herrscht noch ein Wunschkonzert hoch zehn."

Eine aktuelle Frage kitzelt in den Fingern: Am Rande des Super Cups
sickerte durch, dass beim THW Kiel sieben Spielerverträge zum Ende der
Saison auslaufen würden. Das klingt viel, ist laut Klaus Elwardt aber
nicht als dramatisch zu bewerten. Der Manager nimmt Stellung zu Henrik
Lundström ("kehrt nach Schweden zurück"), Marcus Ahlm ("dazu möchte ich
im Moment nichts sagen"), Andreas Palicka ("gibt es eine Option"),
Daniel Kubes ("ebenfalls eine Option"), Tobias Reichmann ("entscheidet
sich im Dezember") und Christian Sprenger ("dazu äußern wir uns nächste
Woche"). Das letzte Statement klingt nach Vertragsverlängerung.

KOMMENTARE

Avari, 04.08.15, 11:54 Uhr
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Dortha, 01.08.15, 05:11 Uhr
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