Bad Wildungen durch dilettantische Führung fast insolvent - 320.000 Euro mehr Kosten als geplant - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Bad Wildungen durch dilettantische Führung fast insolvent

320.000 Euro mehr Kosten als geplant

Mit einem zehnprozentigen Gehaltsverzicht haben die HSG-Spielerinnen den Erstligastandort Bad Wildungen gerettet. „Wenn sie diesem nicht zugestimmt hätten, wären wir umgegangen“, sagt Dirk Ex. Weil der seit August amtierende Geschäftsführer festgestellt hatte, dass der bei der Liga eingereichte Etatplan von 550.000 Euro bei Kosten von 870.000 Euro bis Saisonende weit überzogen ist, war die 50.000-Euro-Einparmaßnahme nötig, der sich das Trainerteam und Marketingmann Sören Wennerlund anschließen sollen, während der Honorarvertrag mit Konditionstrainer Jörn Perlwitz gekündigt und aus dem 25 Stunden- der Halblinken Sabine Heusdens auf der Geschäftstelle ein Minijob wurde und die dritte Kreisläuferin Sabine Kirmse wegen mangelnder sportlicher Perspektiven zu Drittligist Fritzlar ging.  Weitere rigorose Sparmaßnahmen sollen folgen. Zudem will Ex die geplanten Einnahmen auf 650.000 Euro erhöhen, so dass er derzeit von einem Etatloch vom 170.000 Euro ausgeht. „Unsere Liquidität ist aber gesichert“, sagt er und auch Ligaboss Berndt Dugall sieht den Spielbetrieb der HSG „nicht gefährdet“, obwohl deren  „Kosten im oberen Bereich der Liga“ liegen.

Weil Sportchef Markus Berchten neun Neuzugänge verpflichtete, von denen nur Tessa Cocx in der Stammsieben steht, liefen die Kosten aus dem Ruder. Die Einkaufstour des Schweizer und weitere teure Vertragsverlängerungen hatten die Ex-Vorgänger Rüdiger Heß und Alexander Eysert sowie Gesellschafterin Katharina Merck abgesegnet, wobei die langjährige Hauptsponsorin nun offenbar nicht mehr bereit ist, die Etatlücke zu schließen, nachdem sie in der Vergangenheit bei Finanzproblemen stets eingesprungen war. „Ich habe bereits am 16. Juni in einem ausführlichen Gespräch mit Katharina Merck, bei dem Markus Berchten wieder einmal nicht da sein konnte, darauf hingewiesen, dass es nicht gut gehen kann, wenn der Sportliche Leiter weiter so wie Hoffenheim im Fußball einkauft“, sagt Heß. Auch weil seine „mehrfachen Warnungen“ nicht erhört worden seien, habe er nach nicht einmal fünf Monaten seine Geschäftsführertätigkeit beendet. Dagegen schiebt ihm Berchten die Schuld für die Finanzprobleme in die Schuhe.  „Meine Aufgabe ist die Spielersuche. Es ist nicht meine Aufgabe, die Kosten zusammenzurechnen, sondern das Budget ist Sache des Geschäftsführers“, sagt der Sportchef, dem Ex künftig genauer auf die Finger schauen will. „Es kann nicht sein, dass wir Spielerinnen bezahlen, die  nur trainieren können“, sagt Ex in Hinblick auf die montenegrinische Mittelspielerin Jovana Jovovic (Alicante), der bisher die Spielberechtigung fehlt. Das war auch bei Veselinka Trenoska (Skopje) der Fall. Mittlerweile wurde der Torfrau wegen „eines verweigerten Fitnesstests“ am 12. September, so Ex und Berchten unisono, gekündigt. Die Keeperin wehrt sich jedoch vehement gegen diese Darstellung und wirft den Vipers Vertragsbruch vor. „Ex sagte mir, dass sie kein Geld haben, um mich zu bezahlen“, sagt die Mazedonierin, deren Einjahreskontrakt inklusive Auto und Wohnung mit 60.000 Euro dotiert sein soll. Die 26-Jährige, die mit Mann und dem zweijährigen Sohn nach Deutschland kommen wollte, wird nun wohl vor das Arbeitsgericht ziehen.

Nachdem Merck und Berchten im November 2011 von den langjährigen Machern Hans-Werner Derx und Michael Grieneisen das damalige Zweitligateam übernommen haben, ist ihnen die wirtschaftliche Führung des Aufsteigers über den Kopf gewachsen, womit sie die gleichen Fehler gemacht haben, die sie ihren Vorgängern vorgeworfen hatten und erneut ein riesiger Imageschaden für die HSG entstanden ist. „Hier sind Vertragswerke gestaltet worden, die den Spielerinnen eine große Sicherheit bieten“, sagt Ex und gibt auch zu, dass das größtenteils von Merck gesponserte Nachwuchsleistungszentrum ebenfalls „defizitär“ ist.