Die fetten Jahre sind vorbei - Borussia Dortmund steht vor einer schwierigen Erstliga-Saison - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Die fetten Jahre sind vorbei

Borussia Dortmund steht vor einer schwierigen Erstliga-Saison

Gar nicht so einfach in einer Stadt, in der fast jeder Euro aus der Wirtschaft den Fußballprofis zufließt, damit diese nicht Not leiden müssen. Die Sanierung der maroden Finanzen sei abgeschlossen, sagte Watzke seit kurzem bei jeder Gelegenheit, aber an eine Unterstützung seitens der - nun sanierten - Kommanditgesellschaft auf Aktien brauchen die Damen keinen Gedanken verschwenden.

Hätten nicht in letzter Sekunde noch ein paar regionale Unternehmen und Energieversorger einen Werbepool gebildet, würden die Handballerinnen, die 1999 deutscher Vizemeister, 1997 EHF-Cup-Finalist und 2003 Challenge-Cup-Sieger wurden, demnächst gegen SpVg. Katten venne oder TuS Niedereimer in der Provinz spielen. Ohne ein paar Krümel der im Fußball versickerten Millionen abzubekommen, blieb auch bei ihnen der Erfolg aus. Die Konsequenz: Abstieg 2007 und 2009, der erst dadurch nicht zur Realität wurde, weil es anderen noch dreckiger ging.

Die Weichen waren schon Richtung zweite Liga gestellt. Willemijn Karsten weg, Miranda Robben weg, Svenja Spriestersbach weg, selbst Eigengewächs Friederike Lütz weg und Manuela Fiedel im Ruhestand. Dass Therese Brorsson in ihre Heimat zurückging, war nachvollziehbar. Dass Carin Larsen ihr folgte, sorgte für (finanzielle) Erleichterung. Ihre Verpflichtung kann nur auf einer peinlichen Verwechslung beruhen - sie wurde noch nicht einmal in Testspielen eingesetzt. Inge Roelofs blieb, ebenfalls die neue spielende Co-Trainerin Zuzana Porvaznikova, Gesine Paulus, Annika Busch, Julia Kunze, Marieke Köhler und Tessa Cocx (die ausgerechnet ein Angebot des 1. FC Nürnberg vorliegen hatte). Ein gutes Gerüst für einen Neuanfang in der zweiten Liga. Dass es die erste sein würde, ergab sich erst viel später. Zu spät. Und mittlerweile fragen sich viele, ob der BVB gut beraten war, das Angebot anzunehmen.

Die Neuzugänge entsprachen den Planungen für das "Unterhaus": Hellen Trodler, die früher mal in Ketsch und zuletzt in Graz im Tor stand, wurde ebenso verpflichtet wie Karina Schäfer (Rückraum Mitte/Blomberg), Anne Springstub (Recklinghausen), Heimkehrerin Steffi Glathe und Stella Kramer (Rechtsaußen/Beyeröhde). Auch mit Lisa Nettersheim und Steffi Bergmann war sich der BVB weitgehend einig, doch zogen beide ihre Zusagen zurück.

Jetzt soll noch eine "richtig Gute" kommen. Eine, die die jungen führt und aufbaut und selbst fünf, sechs Tore macht. Mindestens. Eine wie früher Lidia Draganescu. Und kosten sollte sie nicht viel. Denn mit richtig guten, aber teuren Spielerinnen hat der Sportliche Leiter Jochen Busch in letzter Zeit oft verhandelt. Sie sagten freundlich beim BVB ab und in Trier oder Göppingen zu. So ist das heute auch in einer Randsportart wie Frauenhandball: ein paar haben immer die Taschen voll. Bis sie selbst Opfer werden.

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