"Das ist so was von blöd" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
 

"Das ist so was von blöd"

Leere Blicke bei einigen Spielerinnen, bei manchen flossen Tränen. Leipzig musste in der Champions League einen Rückschlag hinnehmen. Der zuvor zweimal siegreiche Deutsche Meister verlor gegen das bislang sieglose Hypo Niederösterreich - verpasste damit, sich einen beruhigenden Vorsprung auf dem Weg in die Zwischenrunde zu erarbeiten. "Wir haben sinnbildlich einen Siebenmeter ohne Torwart nicht verwerten können", sagte Manager Kay-Sven Hähner. Trainer Heine Jensen urteilte so hart wie treffend: "Unser Auftreten hatte mit Champions League nichts zu tun, das hatte nicht mal mit Bundesliga zu tun." Derweil kauerte Gabriela Rotis, überragende Spielerin des Tages, auf der Hypo-Bank und wunderte sich über die vergangenen 60 Minuten: "Wir dachten, wir müssten mehr kämpfen." Mit ihrer Einschätzung - "Ich glaube, Leipzig hat uns nicht ernst genug genommen" - bohrte die 29-Jährige tief in die Wunden des HCL.

Natürlich wurden derlei Mutmaßungen prompt abgewehrt. "In der Champions League wird jeder Gegner ernst genommen", stellte Natalie Augsburg fest, die junge Luisa Schulze - für die verletzte Anne Müller (Oberschenkel) im Team - bestätigte: "Wir haben die nicht unterschätzt." Wer genauer hinhörte, fand jedoch Belege für Rotis' Vermutung. "Wir waren mental nicht präsent", zürnte Jensen. "Mit der Euphorie im Umfeld sind einige nicht klar gekommen." Und Augsburg räumte ein: "Hypo wollte den Sieg zu 1.000 Prozent, wir vielleicht nur zu 999. Für die war es die letzte Chance."

Die erste Viertelstunde blieb noch im Rahmen, doch da waren die Defizite bei den Leipzigerinnen schon sichtbar: Totalausfall des Rückraums (Kudlacz, Rösler, Erikson), viele Abspielfehler, eine überforderte zentrale Deckung (Haugen, Schulze), eine miese Siebenmeter-Bilanz. Die Wienerinnen, durch den Ausfall dreier Nationalspielerinnen (Torfrau Pedersen/Norwegen, Kreisläuferin Piedade/Brasilien, Rückraum-Star Lima/ Frankreich) arg geschwächt, spielten allenfalls solide, bestraften aber die HCL-Fehler konsequent und hatten eine Rotis im Team, die "unglaublich abgezockt" (Rösler) die Lücken bei den Gastgeberinnen sah und nutzte. Jensen war lange nach Spielschluss noch stocksauer: "Wir haben die gute Ausgangslage verspielt, das ist so was von blöd."