Die harte Schule für eine Torhüterin - Die weitgereiste Mandy Burrekers fühlt sich pudelwohl in Frankfurt - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Die harte Schule für eine Torhüterin

Die weitgereiste Mandy Burrekers fühlt sich pudelwohl in Frankfurt

Mandy Burrekers kam in ihrer jungen Karriere schon viel herum in der großen Welt, doch noch nirgends gefiel es ihr so gut wie in Frankfurt an der Oder. Die EM-Qualifikation gegen Litauen am Mittwoch und Sonntag konnte Mandy Burrekers ganz anders genießen als ihre jüngsten Länderspiele zuvor. "Gegen Deutschland war das ein komisches Gefühl", erinnert sie sich an das knappe 22:24 von der WM-Vorbereitung im Herbst. Gleich den ersten Wurf von Mietzi habe ich gehalten. Scheiße, hab´ ich da gedacht", kommentiert sie ihre überragende Leistung. Nach der Partie fand die 22-Jährige sogar tröstende Worte für ihre sonstige Teamgefährtin beim Frankfurter HC und nahm beim Bankett fast auf der falschen Tischseite Platz. "Ich gehöre doch zu Mietzi und Tine", zog es Mandy Burrekers auf die Stuhlreihe neben Franziska Mietzner und Christine Beier.

Das zeigt, dass sich die trotz ihrer Jugend weitgereiste Holländerin pudelwohl fühlt an der Oder. "Frankfurt ist das Beste, was mir bisher passiert ist", schwärmt Mandy beim Vergleich ihrer bisherigen Visiten zwischen den Pfosten. Vom Amsterdamer Verein De Volewijckers wechselte sie 17-jährig zur TSG Ketsch in die Bundesliga. "Damals mussten meine Eltern das noch genehmigen. Ich war ja noch nicht volljährig", erinnert sie sich an die Zeit nach gerade bestandenem Abitur und eben erst begonnenem Studium. In Süddeutschland stand die Sozialpädagogikstudentin drei Jahre zwischen den Pfosten, perfektionierte dabei ihr Schul-Deutsch. Dann spielte sie ein Jahr für Gjerpen IF und lernte dabei sehr gut Norwegisch. "Ich mag Sprachen", sagt sie und hält es für selbstverständlich, perfekt Englisch zu sprechen.


Einen Job gefunden

Das hilft ihr auch in Frankfurt. Hier würde sie gern länger als die vertraglich zugesicherten zwei Jahre bleiben. Deswegen hat sie neben ihrem Fernstudium und dem Sport einen Job gesucht. Und bei der Wasserwirtschaft gefunden.


Handball ist nicht alles

Handball bedeutet für Mandy Burrekers viel, aber bei weitem nicht alles. "Ich muss daran denken, was ich danach mache", begründet sie das Studium, das sie fast ausschließlich übers Internet betreibt. Seit der Zeit in Ketsch hat sie auch klare Vorstellungen von ihrer späteren Tätigkeit nach ihrer Handballkarriere. "Ich habe in Ketsch in einer Kinderstation ausgeholfen. Da gab es gemischte Gruppen. Gesunde Kinder und behinderte. An deren Schicksal merkt man eigentlich erst, wie gut es einem geht", sinniert die junge Frau. "Von diesen Kinder konnten manche nicht laufen. Und was sie trotzdem für einen Spaß am Leben hatten - das war beeindruckend. Ich war stolz, dabei helfen zu können", hat Mandy Beruf und Berufung entdeckt.

Für so eine Arbeit muss man auch hart im Nehmen sein. Das hat sich die Holländerin durch den Sport längst angeeignet und sozusagen auf der Straße gelernt. "Viele Jahre habe ich mit meinem Bruder auf der Straße Fußball gespielt. Alle Jungen größer. Ich das kleine Mädchen. Und die hatten alle keine Lust, ins Tor zu gehen. Also ich. Und dann haben die geballert, was das Zeug hält. Bei so einer Schule hast du nie mehr Angst im Tor", kann Mandy heute darüber lachen.

So ist sie auf dem Weg zur Nummer 1 im Kasten des FHC. Auf dem Feld, beim Fußball, ist Mandy schon die Königin. Kein Wunder: Vater Joost war ein hervorragender Fußballer. Und die Künste am Ball haben der Tochter in Frankfurt in Anlehnung an ihren Landsmann bei Bayern München den Spitznamen "Bommel" eingebracht. Sich so einen Namen im Handball zu machen, ist Mandy Burrekers gerade dabei.