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Neue Impulse für den HC Leipzig im Saison-Endspurt

Ein wenig verlegen und überwältigt vom Rummel stand Thomas Oerneborg in der Sporthalle. Der Däne hatte seine erste Übungseinheit als neuer Trainer des HC Leipzig hinter sich gebracht - 98 Tage vor seinem geplanten Amtsantritt.

Beim ambitionierten Handball-Bundesligisten soll der 37-Jährige nun im Saisonendspurt die Durststrecke von fast drei titellosen Jahren beenden.

Doch den Druck, behauptet er zumindest, spürt er nicht. «Es ist offensichtlich, dass Leipzig immer um Titel spielt. Das ist natürlich auch mein Ziel. Deswegen bin ich hier. Auch schon in dieser Saison», erklärt er mit einem bescheiden wirkenden Lächeln vor rund einem Dutzend Medienvertretern.

Erst zum 1. Juli hatte Oerneborg seinen Landsmann Stefan Madsen ablösen sollen. Doch Madsen war nach dem Viertelfinal-Aus im Europacup gegen Rostow (Russland) angezählt. Leipzig suchte eine schnelle Lösung und fand sie im Ad-hoc-Wechsel von Oerneborg.

Dafür hat Manager Kay-Sven Hähner einen eher ungewöhnlichen Deal angehandelt: HC Odense bezahlt Oerneborgs Gehalt bis Saisonschluss, der HC Leipzig finanziert Madsens Einkommen nicht mehr bis Vertragsschluss und übernimmt vom gesparten Geld die Hotelkosten des neuen Trainers. «Zwei Trainer zu bezahlen, geht nicht», sagte Hähner.

Bei den nur acht Spielerinnen im ersten Training hat der Neue einen guten Eindruck hinterlassen. Deutsch spricht er zwar noch nicht, aber sein Englisch haben alle verstanden. «Erfrischend», fand die ehemalige Nationalspielerin Nora Reiche die Einheit. Die Champions-League-Siegerin mit Viborg HK setzt nun auf frischen Wind im Team: «Wir können uns jetzt alle neu beweisen. Es gibt sicher neue Impulse durch den Wechsel.»

Thomas Oerneborg ist der fünfte dänische Trainer beim HC Leipzig seit 2004. Als Nachfolger von Maik Nowak kam Martin Fruelund-Albertsen zum sechsmaligen deutschen Meister. In schöner Regelmäßigkeit folgten im Abstand von immer rund zwei Jahren Morten Arvidsson, der jetzige Bundestrainer Heine Jensen sowie Madsen.

«Wir haben in Dänemark einen guten Ruf», sagte Manager Hähner. Er schätzt die Art der Skandinavier, ihre Aufgaben anzugehen. «Bei ihnen ist das Glas immer halbvoll und nicht halbleer. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht.» Heine Jensen hatte 2009 und 2010 die vorerst letzten beiden Titel mit dem HC Leipzig geholt.

Den dänischen Weg bei der Verpflichtung von Trainern sieht Hähner auch als Schutz für das Produkt Bundesliga. Die bei ihren Clubs erfolgreichen Dirk Leun vom Buxtehuder SV oder Herbert Müller vom Thüringer HC würde er nach eigenem Bekunden dort niemals abwerben wollen. «Es macht keinen Sinn, das Produkt dadurch zu schwächen, indem man andere schwächt», erklärte der Manager.

Nun soll also Oerneborg kurzfristig den HC Leipzig auf Erfolg trimmen. Titelchancen bestehen sowohl in Meisterschaft als auch Pokal. An diesem Mittwoch sitzt er im Bundesliga-Spiel beim FHC Frankfurt/Oder erstmals auf der Bank.