Fehler der Vergangenheit - Schlusslicht Celle droht die Insolvenz - 100.000 Euro-Lücke klafft im Etat - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Fehler der Vergangenheit

Schlusslicht Celle droht die Insolvenz - 100.000 Euro-Lücke klafft im Etat

Über dem SVG Celle sind dunkle Wolken aufgezogen. Schlimm genug, dass das Team nach fünf Spielen mit nur einem Punkt das Tabellenende der Bundesliga ziert. Weitaus bedrohlicher ist die wirtschaftliche Situation: Der SVG steht nur ganz knapp vor einer Insolvenz. Wenn bis zum 16. November nicht eine 100.000 Euro-Lücke im Etat geschlossen werden kann, bleibt nur noch der Gang zum Amtsgericht. Der dringlichste Grund: Die SVG Celle Handball GmbH muss Sozialabgaben entrichten, kann aber aufgrund der derzeit fehlenden Liquidität den Forderungen nicht nachkommen. Um das drohende Unheil abzuwenden, wurden beim niedersächsische Club verschiedenste Maßnahmen eingeleitet.

Auf rund 50.000 Euro beziffert der Geschäftsführer der GmbH, Bernd Bühmann, die Summe, die dem SVG bis zum Jahresende fehlt. Zwar ist der Bundesligist in den vergangenen Wochen und Monaten stets seinen finanziellen Verpflichtungen nachgekommen. Doch jetzt ist die Kasse leer. "Wir haben bis Januar keine Sponsorengelder mehr zu erwarten", erklärt Bühmann. Auch aus dem Spielbetrieb sind derzeit keine Gelder zu generieren. Das nächste Heimspiel des SVG Celle (gegen den Buxtehuder SV) steht erst im Januar an.

"Die Fehler wurden nicht jetzt gemacht, sondern bereits in der vergangenen Saison", so der Celler Geschäftsführer über die Gründe, wie es zu der misslichen Lage kommen konnte. Er habe sich damals auf die falschen Ratgeber verlassen. Auf deren Anraten hin sei ein Kader zusammengestellt worden, der zum einen viel zu groß, vor allem aber - und das ist der entscheidende Punkt - auch viel zu teuer war. "Man hat mir damals gesagt, dass man die wirtschaftliche Grundlage dafür schon schaffen werde", so Bühmann. Sie wurde es allerdings nicht.


Reicht die Zeit?

Im Frühjahr diesen Jahres, also noch in der Saison 2014/15, war die finanzielle Situation derart bedrohlich, dass sich Bühmann gezwungen sah, bei größeren Sponsoren anzufragen, ob sie nicht ihre Zahlung für die darauf folgende Saison vorziehen könnten. Sie taten es. Das Problem ist nur: Das damals gezahlte Geld fehlt im Etat der laufenden Saison. Zur neuen Spielzeit wurden die Ausgaben insbesondere für Gehälter zwar um 90.000 Euro gesenkt, trotzdem konnte der kleinste Etat aller Erstligisten nicht gedeckt werden. Dennoch ist Bühmann überzeugt davon, für die Zukunft auf dem richtigen Weg zu sein. Allerdings macht er dabei eine entscheidende Einschränkung: Es müssen die kommenden zwei Monate finanziell überstanden werden.

Verschiedenste Maßnahmen sollen dabei helfen. So verzichtet "das Team um das Team" - also Geschäftsführung, Bürokräfte, Trainer, Physiotherapeuten und Aushilfen - derzeit auf seine Bezüge. Zudem werden Gespräche mit den Spielerinnen geführt, um deren Einkünfte um 20 Prozent abzusenken. Darüber hinaus wird mit Hochdruck an weiteren Konzepten gearbeitet, um zusätzliche Gelder einzuwerben. Dazu wurde die Celler Politik über die schwierige Situation des SVG in Kenntnis gesetzt und um Hilfe gebeten, um Celles sportliches Aushängeschild vor dem Absturz zu retten.

Darüber hinaus gab es Gespräche mit Banken. Zudem wurde eine Aktion "Rette den SVG Celle" ins Leben gerufen, bei der Privatpersonen und Firmen auf einem extra eingerichtet Konto Gelder einzahlen können, um dem Celler Bundesligisten finanziell unter die Arme zu greifen. Die Männer-Bundesligisten des Magdeburg und der TSV Hannover-Burgdorf zeigten Solidarität und erklärten sich bereit, ein Benefizspiel in Celle zu bestreiten.

Sollten all diese Maßnahmen nicht fruchten, geht es für die Cellerinnen in die Insolvenz. Der erste Absteiger aus der Bundesliga stünde damit bereits fest. Der SVG müsste einen Neuanfang in der 3. Liga starten - wenn es denn dazu überhaupt kommt.