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Spitze rückt zusammen, Thüringer HC dreht Spitzenspiel

Die Handball Bundesliga Frauen ist wieder eng zusammen gerückt. Der HC Leipzig behält trotz der Niederlage gegen den Thüringer HC die Tabellenführung, hat allerdings auch schon ein Spiel mehr absolviert, als der nach Minuszählern punktgleiche Meister mit der besseren Tordifferenz. Beeindruckend die Kulisse beim Spitzenspiel: 4.398 Zuschauer waren in der Arena Leipzig. In Schlagdistanz zum Spitzenduo bleibt die TuS Metzingen, die ihrerseits nur ein knappes Polster auf die nächsten Verfolger hat. Im Abstiegskampf hingegen gibt es weiterhin einen Dreikampf zwischen Göppingen, Celle und Rosengarten-Buchholz.

THC-Coach Herbert Müller musste tief in die Taktik-Trickkiste greifen, bereits nach neun Minuten ohne eigenen Treffer und einem 0:5-Rückstand zur ersten Auszeit rufen und spielte fortan dauerhaft mit einer zusätzlichen Feldspielerin. "Wir wussten, dass Leipzig in diesem Jahr einen viel stärkeren Kader hat als wir, und wir wollten was Besonderes machen. Und das ist uns gelungen", sagte Müller, der anfügte: "Wir haben schlecht begonnen, in der Abwehr schlecht gestanden. Im Angriff haben wir gar nicht getroffen. Dann haben wir uns gesteigert, vor allem in der zweiten Halbzeit waren wir sehr stark und haben die Partie verdient gewonnen."

Die Sicht bei den Hausherren war entgegengesetzt: "Wir haben im Angriff und in der Abwehr stark begonnen. Dann haben wir zu früh das Tempo rausgenommen und den THC herankommen lassen. Die Entscheidung fiel durch unsere schlechte Antizipation gegen das Überzahlspiel - da hatten wir speziell gegen Iveta Luzumova zu schwache Abwehrmittel", bilanzierte Leipzgs Coach Norman Rentsch die 30:34-Niederlage, die - vor der beeindruckenden Kulisse von 4.398 Zuschauern - erst in den letzten zwei Minuten deutlicher wurde.

"Es waren zu viele Gegentore. Die Absprache in der Abwehr und die Übergabe müssen besser werden", ärgerte sich unterdessen Metzingens Maren Weigel trotz des 36:33-Erfolgs über die Bad Wildungen Vipers. Die Tussies bleiben durch den Sieg in Schlagdistanz zum Spitzenduo, haben derzeit nur zwei Zähler Rückstand. "Die letzten 15 Minuten waren sehr zerfahren", analysierte Ina Großmann, denn die ersten 45 Minuten hatte Metzingen deutlich dominiert und mit 32:24 klar in Führung gelegen. "Man darf sich keinen Patzer erlauben. Die Niederlage gegen Dortmund Ende Dezember muss unser einziger Ausrutscher bleiben", forderte Spielmacherin Anna Loerper, die wie am Wochenende bekannt wurde, genauso wie Weigel auch in der kommenden Saison im Ermstal spielen wird.

Angeführt von einer furios aufspielenden Angie Geschke (10 Tore) siegte der VfL Oldenburg gegen den noch sieglosen SVG Celle mit 28:20 und bleibt mit einem Zähler Rückstand auf Metzingen Vierter. "Wir sind zufrieden. Wichtig waren die zwei Punkte", so Geschke nach der Partie. Die Gäste hielten nur bis zur 20. Minute (9:7) mit, "dann haben wir aber zu viele Fehler gemacht", befand SVG-Trainer Martin Kahle: "Doch Oldenburg ist ohnehin nicht unsere Kragenweite und hat verdient gewonnen."

Punktgleich mit dem VfL Oldenburg ist weiterhin die SG BBM Bietigheim, die mit 25:19 gegen Schlusslicht Rosengarten-Buchholz gewann. Die Enztäler dominierten die Partie von Beginn an und führten schnell mit 10:4. Die Gäste kämpften sich bis zur Pause noch einmal heran und verkürzten kurz nach dem Seitenwechsel auf drei Tore. Spätestens mit den drei Toren in Folge zum 17:11 (42.) war jedoch eine Vorentscheidung gefallen.

Mit 17:9 Zählern auf Rang sechs liegt Borussia Dortmund, der BVB bezwang am Wochenende die HSG Blomberg-Lippe mit 23:20. "In der zweiten Hälfte haben wir unsere Aufgabe gelöst", sagte BVB-Trainerin Ildiko Barna. "Die Borussia hatte sicher heute ein Plus bei den Torfrauen", bilanzierte HSG-Coach Andre Fuhr, dessen Team vor der Partie noch mit der Brasilianerin Samara da Silva Vieira verstärkt wurde. "Samara verfügt trotz ihres jungen Alters über bereits viel Erfahrung. Sie soll uns mit ihrer körperlichen Präsenz neue Stabilität und Möglichkeiten verschaffen", so Fuhr. "In der Abwehr steht sie im Zentrum, im Angriff verfügt sie über Allroundfähigkeiten und kann sicher für überraschende Momente sorgen. Da sie bereits seit vier Wochen bei uns im Training ist, glauben wir fest daran, dass sie auch charakterlich zu uns passt und uns verstärkt."

Einen Zähler hinter Dortmund rangiert der Buxtehuder SV, der am Ende die Füchse Berlin denkbar knapp mit 31:30 bezwang. "Wir wollten hier eigentlich heute gewinnen, was auch möglich gewesen wäre. So müssen wir jetzt leider ohne Punkte nach Hause fahren", befand Berlins Trainer Lars Melzer. " Wir haben im ersten Durchgang nicht die Einstellung gefunden, es fehlte die Abstimmung und Aggressivität in der Abwehr. So kam Berlin zu vielen leichten Toren aus dem Rückraum", analysierte BSV-Coach Dirk Leun: "Im zweiten Durchgang haben wir das, was wir uns in der Halbzeit vorgenommen haben, zumindest eine Viertelstunde umgesetzt. Dann kam erneut eine Schwächephase, die uns am Ende fast um den Sieg gebracht hätte. Ich bin in dieser Saison froh über jeden Sieg, den wir – egal wie – landen."

Auf Rang acht vorgearbeitet hat sich Bayer Leverkusen durch das 34:19 über Frisch Auf Göppingen. "Wir haben in erster Linie endlich wieder richtig gut gespielt", bilanzierte Elfen-Trainerin Renate Wolf nach dem deutlichen Sieg und stellte fest: "Alle haben sich eingebracht, auch Michaela Janouskova hat auf Rechtsaußen endlich mal gezeigt, was sie kann." Göppingen half auch das Comeback der ehemaligen Nationalkeeperin Alexandra Meisl nicht, die Württembergerinnen bleiben bei ihren vier Pluspunkten und damit einem dünnen Polster von zwei Zählern auf Celle und Rosengarten-Buchholz, die auf den Abstiegsplätzen bleiben.