Zweiter Teil der Auszeit mit Leverkusens Trainerin Renate Wolf - Wettbewerbsverzerrung ist Tür und Tor geöffnet - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Zweiter Teil der Auszeit mit Leverkusens Trainerin Renate Wolf

Wettbewerbsverzerrung ist Tür und Tor geöffnet

> Und Ihr Vorschlag wäre?
„Schaue ich auf die letzte Saison, in der wir souverän Erster wurden in der Punkterunde und dann am Ende Zweiter sind, weil wir das entscheidende Spiel gegen Leipzig verlieren, könnte ich fordern: Wer am Ende der Punktrunde oben steht, soll Meister sein. Es ist aber schon so, dass wir in den Play-Offs interessante Spiele mit großen Kulissen hatten. Das gestehe ich gerne ein. Und es hat sich gelohnt, könnte man sagen, da eine traditionelle Punkterunde zu früh zu Ende wäre – womit wir wieder bei der Aufstockung der Liga wären, um  mehr Spiele zu haben. Dann aber kämen aus der zweiten Liga noch mehr Vereine, die leistungstechnisch und wirtschaftlich kaum bis gar nicht in der ersten Liga spielen können und von vornherein als eine Art Punktelieferant feststehen. Das wäre auch keine Lösung.“

> Also doch Play-Offs?
„Wenn die Umstände adäquat und nicht wie jetzt sind. Wenn acht von zwölf Teams in den Play-Offs um den Titel spielen, ist das Ausrichtung am Mittelmaß, Beschäftigungstherapie. Nur, um mit mehreren länger zu spielen, kann ich nicht das Niveau absenken. Eine Play-Off-Runde der ersten vier Teams bietet sich an. Wir haben ja auch damit Erfahrungen gemacht. Das waren richtig gute und spannende Spiele. Ich will, dass das Niveau hochgehalten wird, wenn es um die Meisterschaft geht. Also gehören dort nur gute Teams hin.“

> Sie sprachen die späte Rückkehr der DHB-Spielerinnen vor dem Leipzig-Termin an. Ärgert Sie, dass Ihre Nationalspielerinnen zu oft weg sind?
„Fakt ist, dass wir, die Vereine, für die Wirtschaftlichkeit sorgen und die Spielerinnen bezahlen. Verband und Vereine müssen daher  kooperieren, ganz klar. Auch unsere Unterstützung der Nationalmannschaft muss selbstverständlich sein, keine Frage. Dieses Team ist das Aushängeschild. Aber: Es darf keine Einbahnstraße sein. Es muss ein Geben und Nehmen sein. Wenn der DHB unsere Spielerinnen nach einem DHB-Einsatz nicht schnellstmöglich, sondern offenbar so kostengünstig wie möglich zurückschickt – und in Folge dessen einen Tag zu spät –, ist das inakzeptabel. So geschehen, übrigens nicht zum ersten Mal, vor unserem Spiel gegen Leipzig. Nach dem ersten Mal habe ich den DHB gefragt, ob dies nun üblich werde, dass man sich so einen zusätzlichen Tag erschleicht, und darum gebeten, dass das die Ausnahme bleibt. Horst Bredemeier beteuerte, dass es wirklich die Ausnahme sei. Inzwischen passierte es wieder. Unsere Spielerinnen kamen sonntags nach der EURO-Woche aus Italien nicht mehr weg, der Mannschaftsarzt aber schon. Der musste ja montags in seiner Praxis sein. Es wäre also möglich gewesen ...“

> Klingt nach dem üblichen Interessenskonflikt zwischen Nationalmannschaft und Liga ...
„Sowohl Bundestrainer Rainer Osmann als auch wir Vereine sind natürlich erfolgsabhängig, klar Aber wenn wir über Kommunikation sprechen, dann muss sie beiderseitig sein. Auch, wenn es beispielsweise um Sinn  oder Unsinn von Laktattests in der jetzigen Phase der Saison geht. Ich fordere mehr Transparenz seitens des Verbandes. Warum beispielsweise hat die medizinische Abteilung des DHB sich nicht mit uns ausgetauscht, als unsere Penda Bönighausen sich bei den Juniorinnen am Fuß verletzt hat? Stattdessen lässt man sie Voltaren schlucken und weitermachen, sie kommt kaputt zurück zur Vorbereitung – und in Leverkusen fällt sie uns wochenlang aus, weil wir die Verletzung auskurieren müssen. Ich stelle wirklich gern junge Spielerinnen ab zum DHB, das ist überhaupt keine Frage, ich kooperiere auch gern mit den Kollegen dort, aber ich akzeptiere nicht, dass dort dann der kurzfristige Erfolg auf Kosten der Spielerin und unseres Vereins gesucht wird. Ich habe das auch klar angesprochen und hoffe, dass so etwas nicht mehr geschieht.“

> Rainer Osmann bemängelt das athletische Niveau im deutschen Frauenhandball im internationalen Vergleich. Stimmen Sie zu?
„Ja, da hat Rainer teilweise recht. Es gibt mitunter Defizite. Aber man muss differenzieren, denn das Problem liegt auch an den Strukturen hier in Deutschland. Daran, dass die Spielerinnen professionell trainieren müssten, um international nach oben zu kommen, dass aber die Rahmenbedingungen dafür oft nicht vorhanden sind. Es ist im Frauenhandball hierzulande – anders als im Männerbereich – meistens nicht möglich, regelmäßig zweimal täglich zu trainieren und somit Rainers Anspruch gerecht zu werden. Das ist nicht vereinbar mit Schule, Ausbildung, Uni oder Beruf. Diese Zeit haben sie gar nicht – schon gar nicht dann, wenn sie auch noch in der Nationalmannschaft spielen. Dann ist das eine Dreifach-Belastung und insofern eine Überlastung.“

Im dritten Teil der Auszeit spricht Renate über die veralteten Denkstrukturen in Deutschland und warum nackte Haut keine Lösung ist.

KOMMENTARE

Kayo, 09.01.15, 11:27 Uhr
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Latoya, 06.01.15, 08:15 Uhr
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