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Frauen-DHB-Pokal

Beste Werbung für den Frauenhandball

„Das Turnier war beste Werbung für den Frauenhandball – eine tolle Halle, mit vielen Zuschauern und einer tollen Stimmung“, Bundestrainer Heine Jensen fasste das Frauen Final 4 kurz und bündig zusammen. Im Schnitt über 3.000 Zuschauer sahen die vier Begegnungen in der Göppinger EWS Arena, beim Finale waren es 3.500 und nicht nur Karin Weigelt befand: „Die Kulisse war genial, auch die Thüringer Fans waren wahnsinn.“ Am Ende konnte sich der Thüringer HC zum zweiten Mal nach 2011 den Titel sichern.

Dabei musste der THC am Samstag zunächst richtig hart für den Finaleinzug arbeiten. „Göppingen ist eine Macht zu Hause und immer schwer zu spielen“, erkärte Linkshänderin Katrin Engel nach dem 28:22-Erfolg über die Frisch Auf Frauen. „Ein harter Fight, so soll es sein. Wir haben uns am Ende verdient durchgesetzt und sind nun im Finale“, freute sich Nationalspielerin Anja Althaus. „Es war am Ende der erwartete Sieger, aber Göppingen hat gut mitgehalten. Am Ende hat sich auch die Erfahrung durchgesetzt“, urteilte Maik Handschke, der am Trainersymposium zuvor teilgenommen hatte. Der ehemalige Nationalspieler fügte an: „Gerade der Innenblock vom THC hat mir sehr gut gefallen.“ Ein Punkt den auch DHB-Trainerin Zuzana Porvaznikova unterstrich: „Das war die mentale Stärke, ein sehr guter Innenblock und vorne wurde vom THC clever und mit Druck gespielt.“ Die ehemals für Göppingen spielende frühere Nationaltorhüterin Alexandra Meisl lobte: "Ich finde Göppingen hat die erste Halbzeit super gespielt und auch wenn sie am Ende hoch verloren haben, können sie stolz sein.“ Vierzig Minuten waren die "Gastgeberinnen" auf Augenhöhe, dann aber setzte sich doch der Favorit durch.

„Das 2:9 (13.) war das Ergebnis dessen, was zu Anfang passiert ist. Wir sind nicht ins Spiel gekommen, da haben wir in der Abwehr nicht gut gearbeitet. Es hatte den Anschein, als ob wir gar nicht da waren“, musste Buxtehudes Trainer Dirk Leun unterdessen nach dem zweiten Halbfinale konstatieren, das sein Team mit 25:28 gegen Leipzig verlor. „Wir haben am Anfang unser Konzept nicht umsetzen können. Aber wir haben nie aufgegeben und gezeigt, wie man gegen Leipzig Tore machen kann“, so Rückraumspielerin Jana Stapelfeldt mit Blick auf die nach der Anfangsphase ausgeglichene Partie, in der der BSV sich die Chance auf die Wende erarbeitete. „Wir haben angefangen, wie wir das wollten, mit einer stabilen Leistung in der Deckung. Es ist schwer diese Leistung über 60 Minuten zu halten. 45 Minuten können wir heute zufrieden sein, dann haben wir nachgelassen“, so Leipzigs Spielmacherin Maura Visser und ihr Trainer Thomas Ørneborg ärgerte sich trotz des Finaleinzugs nachher: „Unser Problem ist, dass wir in der Schlussphase mal mit 0:6 verlieren. Das ist nicht in Ordnung und von daher war der Sieg auch am Ende etwas glücklich.“ HCL-Manager Kay-Sven Hähner befand: „Am Ende haben wir versucht zu verwalten und das geht auf diesem Niveau nicht. Die ersten 75 Prozent des Spiels waren aber richtig gut. Im Pokal geht es aber auch nicht um die Tordifferenz, sondern nur um das Weiterkommen.“

Am Sonntag standen sich so Göppingen und Buxtehude im Spiel um den dritten Platz gegenüber, vor bereits deutlich über 3.000 Zuschauern. „Ich denke, dass wir deutlich konzentrierter als gestern gestartet sind. Wir haben im Angriff das umgesetzt, was wir besprochen haben, haben unsere Chancen gut herausgearbeitet“, zeigte sich Dirk Leun nach dem 30:25-Erfolg zufrieden. „Wir sind stolz auf alle unsere Fans, die die so lange Reise auf sich genommen hatten. Wir wollten sie und uns unbedingt mit einem Sieg belohnen“, so Torhüterin Antje Lenz, die mit 22 Paraden eine herausragende Leistung zeigte. „Gestern war ich enttäuscht, obwohl wir einen Topgegner hatten. Heute hatten wir auch einen Topgegner und wir haben gesehen, dass wir gegen diese noch viel zu lernen haben“, meinte Göppingens Trainer Aleksandar Knezevic, der vor allem mit dem Überzahlspiel haderte: „Der einzige Schwachpunkt war in der Situation 6 gegen 4, als wir die Chance hatten zwei Tore zu machen.“ Für ihn war es aber ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung der Mannschaft, bereits das Erreichen der Endrunde sei die Erfüllung eines Traums gewesen.

„Die Deutlichkeit hat mich schon sehr überrascht“, staunte Herbert Müller nach dem Endspiel über die Leistung seines Teams. „Ich finde, es war eine Handballdemonstration“, so der Trainer des Thüringer HC nach dem 30:22-Endspielsieg über den HC Leipzig. „Wenn man auf das gesamte Spiel schaut, hat außer Anne Hubinger keine Spielerin von uns auch nur annähernd ihr Niveau gefunden und getroffen. Wir wollten wesentlich aggressiver ins Spiel starten, das ist uns nicht gelungen“, analysierte HCL-Torfrau Katja Schülke. „Wir haben als Mannschaft deutlich gewonnen. Wir haben super in der Abwehr gestanden und dann unser schnelles Spiel aufgezogen“, erklärte unterdessen THC-Torhüterin Maike März, die nach zwei starken Partien den Titel als beste Torhüterin des Turniers einheimste. Auch die anderen Ehrungen nahm der Deutsche Meister mit: Nadja Nadgornaja konnte die meisten Treffer setzen, Spielmacherin Kerstin Wohlbold wurde zur wertvollsten Spielerin gewählt. „Man kann schon sagen, dass es überraschend deutlich war. Wir wollten einfach mehr, das war der Knackpunkt“, so Katrin Engel.

Für Frisch Auf Göppingen ist nun die Saison bereits beendet, die anderen drei Mannschaften müssen hingegen den Fokus auf die anstehenden Halbfinals richten. „Am Mittwoch geht es weiter und da müssen wir zeigen, dass wir ein Team sind und damit umgehen können“, so HCL-Torhüterin Katja Schülke. „Im Halbfinale um die Meisterschaft geht es jetzt wieder bei null los“, so BSV-Spielmacherin Randy Bülau, die zwischen zwei Duellen gegen den HCL meinte: „Wir haben uns mit unserer Chancenverwertung selbst geschlagen, das müssen wir in der Meisterschaft besser machen.“

„Wir sind inzwischen gewohnt ganz schnell abzuschalten. Wir jagen von einer Veranstaltung zum anderen. Natürlich ist so ein Titel etwas ganz besonderes. Aber natürlich wollen wir die Deutsche Meisterschaft, das ist die Belohnung für eine ganze Saison“, so THC-Trainer Herbert Müller. „Das zeichnet uns als Mannschaft aus. Der Pokalsieg ist ein schöner Titel, aber die Saison ist noch nicht vorbei“, meinte auch Nationalspielerin Nadja Nadgornaja: „Natürlich haben wir Kräfte gelassen, aber es sind im Halbfinale zwei Spiele, um das Duell zu entscheiden. Es findet immer noch ein Rückspiel statt, in dem man auch Dinge korrigieren kann.“ Und nicht nur Anja Althaus stellte fest: „Wenn wir unser Ding machen, dann muss uns erst mal jemand aufhalten.“ Zunächst aber gab Herbert Müller seinem Team die Partyerlaubnis: „Heute sollen die Mädels feiern, dass sich die Achsen am Bus biegen.“