Wieder eine Achterbahnfahrt - Champions League: Die Aufholjagd des HC Leipzig wird nicht belohnt - Handball - Handball-W CL - Artikel - Handballwoche
Wieder eine Achterbahnfahrt

Champions League: Die Aufholjagd des HC Leipzig wird nicht belohnt

Die HCL-Handballerinnen haben auch das dritte und letzte Heimspiel der Champions-League-Hauptrunde verloren und müssen mit 0:8 Punkten nach vier Partien das Halbfinale endgültig abhaken. Beim 27:31 (14:20) gegen Krim Ljubljana legte der Deutsche Meister mal wieder eine Achterbahnfahrt aufs Parkett. Nach desolater erster Hälfte und großer Aufholjagd hätte der HCL beim 27:27-Zwischenstand fünf Minuten vor Schluss sogar noch gewinnen können.

Was passiert, wenn eine Handball-Mannschaft aus dem Rückraum und von der Kreismitte keine Torgefahr ausstrahlt? Wenn die freien Würfe von Außen eine Beute der gegnerischen Torfrau werden? Wenn der Gegner mit zig Fehlabspielen zum Kontern eingeladen und die eigene Torhüterin im Stich gelassen wird? Dann wird selbst ein Deutscher Meister in eigener Halle vorgeführt.

So geschehen in der ersten Halbzeit, als die erfahrenen Sloweninnen zunächst selbst beim Fehler-Festival munter mitmachten. Doch am Ende einer schwachen ersten Hälfte genügten Ljubljana zehn starke Minuten, um den HCL ein Sechs-Tore-Päckchen mit in die Kabine zu geben. Bei den Gästen trafen bis zur Halbzeit neun Frauen aus dem Spiel heraus, beim Team von Trainer Heine Jensen nur vier, wobei zunächst allein die zehnfache Torschützin Karolina Kudlacz so entschlossen auftrat, wie man es in einem Europacup-Spiel vom gesamten Team erwartet.

Nicht nur die 3086 Zuschauer waren bedient. Auch Heine Jensens Laune schien gründlich verdorben - er ließ mit Susann Müller und Ania Rösler nun zwei Auswahlspielerinnen auf der Bank schmoren. Eine Viertelstunde lang blieb es beim Sechs-Tore-Rückstand. Doch nun machten die Gäste den großen Fehler, die Aufgabe als erledigt zu betrachten. Trainerin Marta Bon schickte die zweite Reihe aufs Parkett. Der nun aufopferungsvoll kämpfende HCL weckte das Publikum und erzielte sechs Treffer in Folge zum Ausgleich. Vor allem die treffsichere Anne Ulbricht zeigte ihr bestes Europacup-Spiel. Parallel dazu vernagelte Katja Schülke ihren Kasten.

So wurde der Untergang vermieden. Dass es dennoch nicht für den ersten Hauptrunden-Sieg reichte, lag vor allem daran, dass die Aufholjagd viel Kraft gekostet hatte und die Würfe am Ende nicht mehr platziert genug kamen. Jensen verzichtete aber darauf, noch einmal frischen Wind von der Bank zu bringen. Andererseits war Ljubljana clever genug, am Ende noch einmal anzuziehen.

Der HCL-Coach stellte wie nach den drei vorherigen Niederlagen fest: "Wir haben gesehen, dass wir nicht weit weg sind von den besten Mannschaften." Manager Kay-Sven Hähner verkündete die bekannte Weisheit: "In so einem Spiel müssen alle an ihr Limit gehen. Einen Ausfall können wir vielleicht verkraften, nicht aber drei oder vier." Warum dem HCL in der ersten Hälfte die (geistige) Frische fehlte, blieb ein Rätsel. Jensen hatte seinem Team extra drei Tage frei gegeben. "Es ist eindeutig eine Frage der Köpfe", so Hähner. Vielleicht hatte tags zuvor der Sieg von Györ gegen Viborg den Leipzigerinnen die Motivation geraubt.

Susann Müller zollte der eingewechselten Anne Ulbricht ein Kompliment ("Respekt, wie sie das gelöst hat") und meinte zur eigenen Leistung: "Keine Ahnung, warum es nicht lief. Ich habe nicht viele Gelegenheiten gesehen zu werfen." Gern hätte sie es nach einer Bedenkzeit besser gemacht, doch dazu kam es nicht: "Ich habe mich ja auch nicht gerade mit Leistung angeboten."

Das faire Spiel fand durch die schwere Ellbogenverletzung der besten Gäste-Werferin Andrea Lekic ein tragisches Ende. Sie schrie vor Schmerzen. "So etwas schockt jeden Sportler", sagte Leipzigs Torfrau Katja Schülke, die kein Foul erkannt hatte: "Sie ist an der Abwehr hängen geblieben." Doch nicht nur wegen dieses Ausfalls lautet ihr Tipp fürs Halbfinale: "Györ und Larvik kommen weiter."