Eine fast perfekte Halbzeit - Champions League: HC Leipzig verliert nach großem Kampf bei Krim - Handball - Handball-W CL - Artikel - Handballwoche
Eine fast perfekte Halbzeit

Champions League: HC Leipzig verliert nach großem Kampf bei Krim

"Hvala HCL", werden sich einige Damen auf slowenischer Seite nach dem Spiel gedacht haben. "Danke HCL." Dafür, dass wir euch am Ende klar mit 32:26 besiegen durften. Noch zur Halbzeit führten Leipzigs Vorzeige-Handballerinnen hochverdient mit drei Toren. Die Sensation lag in der brodelnd-heißen Hallenluft. Doch nach 60 Minuten ging auch das zweite Spiel der Champions-League-Hauptrunde bei Krim Ljubljana verloren.

Dabei hatten die HCL-Frauen wirklich ganz tief in die Trickkiste gegriffen, und das nicht nur auf dem Feld. Einige baten womöglich sogar um Beistand von ganz oben, als sie beim vormittäglichen Stadtrundgang in der St. Nikolaus-Kirche in Ljubljana einen Moment innehielten.

Ihren Sinn für handballerische Spielkultur weckte der kurze Absteher jedenfalls. So sehr, dass Trainer Heine Jensen kurz vor dem Pausenpfiff verschmitzt und fast ein wenig ungläubig lächelte. Katja Kudlacz hatte gerade die 15:11-Führung besorgt, die ideenlosen Gastgeberinnen wirkten geschockt. "Wir haben eine fast perfekte erste Halbzeit gespielt", sagte der Coach.


HCL kontrolliert das Spiel

Nach verschlafenem Beginn steigerten sich seine Schützlinge in allen Belangen. Sie kontrollierten das Tempo der Partie, zwangen die Gastgeberinnen zu vielen Ballverlusten und schlossen die sich ergebenden Konter meist erfolgreich ab. Genau diese Taktik hatte Jensen seinen Spielerinnen schon früher am Tage bei der Teambesprechung eingeimpft und wieder einmal die Außenseiterrolle der Mannschaft betont. "Ich glaube, die unterschätzen uns."

Unterschätzt oder nicht, im ersten Abschnitt brannte der HCL ein wahres Handball-Feuerwerk ab. Niemand ließ sich vom ohrenbetäubenden Lärm der 1.800 Zuschauer in der engen Halle aus dem Konzept bringen. In Unterzahl gelang Anne Ulbricht die erste Führung, kurz darauf parierte Julia Plöger einen Siebenmeter samt Abpraller sensationell. "Wenn wir so konzentriert weiterspielen, dann haben wir auf jeden Fall eine Chance", befand Manager Kay-Sven Hähner nach der ersten halben Stunde.


Unbegreiflicher Einbruch

Was anschließend geschah, wird wohl bis in alle Ewigkeit unbegreiflich bleiben. Da weiß womöglich in der Tat nur der Herrgott eine Antwort. In den ersten zehn Minuten, der zweiten Hälfte kassierten die Leipzigerinnen sieben Tore und trafen selbst nur zweimal. Auf Seiten von Krim zeigte die überragende Andrea Lekic (12 Tore) ihre Extraklasse. Aus heiterem Himmel, um im Sprachbild zu bleiben, kam das 21:27, in Minute 51 also nicht. "Wir haben die Chance zum Sieg förmlich gerochen, aber in der zweiten Halbzeit keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen", befand Spielgestalterin Ania Rösler hinterher.

Doch ein Wort wie aufgeben existiert in HCL-Kreisen bekanntlich nicht, und so kämpfte sich das Team noch einmal auf drei Tore heran, was auch der gegnerischen Übungsleiterin Marta Bon Respekt abrang. "Ich kann Leipzig nur zur heutigen Leistung gratulieren. Das Resultat ist zu hoch ausgefallen."

Heine Jensen seinerseits wusste den Einbruch in Hälfte zwei nicht so recht zu erklären: "An der Athletik liegt es nicht." Muss demzufolge ein psychisches Problem sein, kombiniert mit dem chronischen Erfahrungsmangel auf diesem Niveau. Viel Zeit zur Analyse bleibt andererseits ohnehin nicht. Bereits am Mittwoch geht es im Pokal nach Göppingen. Vorher jedoch brach der HCL-Tross Samstagnacht aus Ljubljana Richtung Heimat auf. "Nasvidenje", wie der Slowene sagt. "Auf Wiedersehen", heißt das etwas grobschlächtig übersetzt. Man wird sich wieder sehen: In Leipzig.