"Ich will ein Team mit Perspektive" - Das Exklusiv-Interview mit Frauen-Bundestrainer Rainer Osmann - Handball - Handball-W CL - Artikel - Handballwoche
"Ich will ein Team mit Perspektive"

Das Exklusiv-Interview mit Frauen-Bundestrainer Rainer Osmann

Bundestrainer Rainer Osmann hat mit seinem Nationalteam in den nächsten beiden Jahren Großes vor. Im folgenden Exklusiv-Interview verrät er seine Ziele. > Herr Osmann, Sie reisen gerade durch die Republik und schauen sich möglichst viele Play-off-Spiele an. Was sind Ihre ersten Eindrücke?

Rainer Osmann: "Ich bin gerade erst zurück von der Reise nach Buxtehude. Dort habe ich ein sehr intensives, spannendes und kampfbetontes Spiel zwischen dem BSV und Blomberg gesehen. Ich bin derzeit viel unterwegs, um mir ein Bild von den aktuellen Nationalspielerinnen und den Spielerinnen mit Perspektive zu verschaffen. Interessant ist für mich, wie sie mit dem besonderen Druck von Play-off-Spielen klar kommen."

> Wie sehen Ihre nächsten Ziele aus?

"Nach der vorzeitig geschafften EM-Qualifikation will ich nun den Kreis für die Nationalmannschaft erweitern. Ich denke so an insgesamt 28 bis 30 Spielerinnen. Mein vorrangiges Ziel ist es, einen breiten Kader zu haben und Stabilität ins A-Team zu bekommen. Das Grundgerüst des Teams hat sich ja schon bei der Weltmeisterschaft in China und der EM-Qualifikation herauskristallisiert. Jetzt gilt es, mit der richtigen Mischung zu ergänzen - immer mit der Blickrichtung auf 2012. Wir wollen nämlich ein Team aufbauen, dass bei den Olympischen Spielen in London eine gute Rolle spielen kann."

> Welche Rolle spielt bei Ihren Überlegungen das aktuelle Juniorinnen-Nationalteam?

"Ich habe eine gewisse Erwartung an das Team. Es sollte die anstehende WM-Qualifikation in den Niederlanden schaffen und dann auch bei der anschließenden WM in Südkorea eine gute Rolle spielen. Ich denke da so an eine Platzierung wie bei der letzten EM, wo das Team im Halbfinale stand. Spielerinnen wie zum Beispiel Julia Wenzl, Marlene Zapf, Kim Naidzinavicius, Nele Kurzke, Penda Bönighausen oder Anika Leppert haben sicher auch das Potenzial für höhere Aufgaben. Man muss aber ihre Entwicklung abwarten und natürlich Geduld aufbringen."

> Sie planen auch, das B-Team fortzusetzen, wie es Heiner Brand erst kürzlich auch bei den Männern gemacht hat. Was versprechen Sie sich davon?

"Ein B-Team erweitert meine Auswahl. Weitere Spielerinnen wären im Boot und könnten sich auf internationaler Bühne präsentieren. Zusammen mit Andreas Schwabe und Kathrin Blacha arbeite ich intensiv daran, eine Nationalmannschaft mit Perspektive aufzubauen."

> Haben Sie sich gefreut, dass Grit Jurack wieder für Viborg im Einsatz ist?

"Ja sicher, so schnell habe ich mit ihrem Comeback nicht unbedingt gerechnet. Ich werde jetzt auch die Gespräche mit ihr fortsetzen und abklären, wie die Chancen stehen, dass sie wieder für das Nationalteam auflaufen kann. Ich werde auch mit Steffi Melbeck, Anne Müller und Nadine Krause reden und klären, wie es mit ihnen weiter geht. Von Nadine Krause weiß ich, dass sie immer noch an ihrer Schulterverletzung laboriert und derzeit einen neuen Verein sucht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie bald wieder in der Bundesliga spielt."

> Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Bundesliga?

"Nach wie vor sehr gut. Es herrscht ein reger Austausch. Bei der nächsten Bundesligatrainer-Tagung im Juni werden wir dazu wieder in der großen Runde die Möglichkeit haben. Ich werde auf dieser Tagung zwei Dinge ansprechen. Zu einem könnte ich für das Nationalteam noch weitere Termine gebrauchen. Ich denke dabei auch an Kurzlehrgänge mit nur einem Teil der Mannschaft. Denn ansonsten sind von Ende Mai bis September keine Lehrgänge möglich. Ich habe zwar einen Sommerlehrgang abgeschrieben, doch es muss auch andere Möglichkeiten geben. Ferner möchte ich gemeinsam mit der Bundesliga Strukturen für die nächsten beiden Jahre aufbauen. Ich möchte, dass wir gemeinsame Ziele formulieren und Bedingungen schaffen, diese Ziele auch zu realisieren.%__Einzug_%"