Osmann-Team mit weißer Weste - Deutsche Frauen qualifizieren sich für die EM in Dänemark und Norwegen - Handball - Handball-W CL - Artikel - Handballwoche
Osmann-Team mit weißer Weste

Deutsche Frauen qualifizieren sich für die EM in Dänemark und Norwegen

Wenn es eines Motivationsschubs bedurft hätte, waren es sicherlich die Ostereier, die die Eltern der Spielerinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft vor der Partie in Dessau überreicht hatten. Mit diesen Eiern im Bauch und dem Wissen, sich vorzeitig für die EM im Dezember in Dänemark und Norwegen qualifizieren zu können, haben Nina Wörz & Co. die Pflichtaufgabe gegen Weißrussland gelöst, ihre weiße Weste in der EM-Qualifikation gewahrt und das Ticket in den hohen Norden bereits vor den beiden abschließenden Spielen Ende Mai in Slowenien und gegen Italien (30. Mai, Freudenstadt) gelöst.


Makellose Bilanz

Vier Spiele, vier Siege - besser geht es nicht, und dies obwohl Topstars wie Grit Jurack, Nadine Krause und Anja Althaus verletzt fehlten. "Wir sind richtig erleichtert, dass es so früh geklappt hat", meinte Kapitänin Nina Wörz nach dem locker herausgespielten 35:24 (15:11)-Erfolg gegen Weißrussland am Sonntag in Dessau. Die jungen Wilden haben ihre erste internationale Bewährungsprobe bestanden, nachdem sie am Mittwoch den Weg zur EM durch einen 30:26 (16:15)-Sieg in Weißrussland gepflastert hatten.

"Jetzt wollen wir auch die beiden noch ausstehenden Partien gewinnen und mit weißer Weste zur EM fahren", ergänzte Linksaußen Nadine Härdter, die am Ostersonntag vor dem Anwurf vor 2076 Zuschauern für ihr 150. Länderspiel ausgezeichnet wurde. Härdter, die zwei Treffer bei ihrem Jubiläum erzielte, sprach von einem "absolut verdienten Erfolg. Wir haben uns im Vergleich zum Hinspiel in Weißrussland am Mittwoch erheblich gesteigert."


Starke Defensive

In Dessau waren es vorrangig die Abwehr und Torfrau Jana Krause vom Buxtehuder SV, die die Weichen auf Sieg stellten. "In unserer Mannschaft wächst richtig etwas zusammen", meinte Krause, die nach 16 abgewehrten Würfen nach 49 Minuten unter dem Applaus der Fans das Feld verließ. Im Angriff offenbarten die deutschen Damen allerdings noch einige Missverständnisse. Erst nach der Pause, als die Offensive auf "volles Tempo" umgeschaltet wurde, setzte sich die Mannschaft von Bundestrainer Rainer Osmann entscheidend ab. Entwicklungspotenzial haben auf jeden Fall "M&M", Franziska Mietzner und Susann Müller, wobei Mietzner aufgrund einer Erkältung in Dessau nicht alles zeigen konnte, was sie drauf hat.


Überzeugendes Comeback

Beste Noten verdiente sich Althaus-Ersatz Anne Müller bei ihrem Comeback im Nationalteam. Zudem bewiesen die Außen Sabrina Neukamp, Isabel Klein, Mandy Hering und Nadine Härdter ihre Stärken beim Gegenstoß. Wenn es in den Positionsangriff geht, müssen allerdings noch mehr Impulse und mehr Druck her, um mit Spitzenteams mithalten zu können. Denn die Weißrussinnen waren nicht der internationale Gradmesser. "Den Erfolg müssen wir relativieren", sagte Osmann.

Aber die Partien im "zweiten Quali-Päckchen" machten deutlich, dass die Mannschaft trotz geringer Erfahrung und jungem Durchschnittsalters konkurrenzfähig ist. Erst recht, wenn Jurack, Krause, Althaus, Melbeck und andere wieder in den Kader zurückkehren. "Wir haben die Ausfälle gut kompensiert. Wir gehen gestärkt aus der Qualifikation hervor", meinte Torfrau Jana Krause. "Es läuft noch nicht alles perfekt, aber das war bei dieser Konstellation auch noch nicht zu erwarten. Wir sind noch in der Entwicklungsphase", ergänzte Nadine Härdter.

Denn Osmann denkt langfristig bis zu Olympia 2012 - aber mit klarer Priorität darauf, bei allen Großereignis bis dahin - EM 2010 und WM 2011 in Brasilien - vorne mit dabei zu sein. Während die Defensive schon eine starke Struktur aufweist, wartet im Angriff noch einige Arbeit, vor allem in Sachen Chancenverwertung.

Am 5. Juni wird in Dänemark die EM-Vorrunde ausgelost -und angesichts der Qualifikations-Ergebnisse und den Platzierungen bei den vergangenen Turnieren - EM-Vierter 2008 und WM-Siebter 2009 - dürften die deutschen Frauen im Topf 1 mit den stärksten Mannschaften sein.