"Wir müssen abgezockter werden" - Leipzigs Trainer Heine Jensen analysiert die Champions League - Handball - Handball-W CL - Artikel - Handballwoche
"Wir müssen abgezockter werden"

Leipzigs Trainer Heine Jensen analysiert die Champions League

National das Maß aller Dinge, international noch nicht in Reichweite der Top-Teams, aber auf einem guten Weg: Heine Jensen, der Trainer des HC Leipzig, äußert sich im Interview mit HW-Mitarbeiter Björn Pazen über die Chancen auf die Titelverteidigung in Deutschland und die Erkenntnisse aus der Champions-League-Hauptrunde. >Die CL-Hauptrunde ist vorbei, was hat der HC Leipzig in der "Königsklasse" gelernt? Heine Jensen: "Zunächst einmal war es ein Riesenerfolg, in die Hauptrunde einzuziehen, das ist in Deutschland ja nicht alltäglich und war auch für den HCL das erste Mal. Darauf können wir richtig stolz sein. Wir hätten natürlich gerne einige Spiele gewonnen und in einigen Partien waren wir auch nahe dran. Aber wenn wir ehrlich sind, hat uns in den entscheidenden Phasen doch einiges gefehlt." >Die Abwehr stand meistens gut, das Problem lag eher im Angriff, oder? "Ja und nein. Man muss das Gesamtbild sehen. In der Abwehr waren wir näher dran als im Angriff. Wir haben uns viele Chancen herausgearbeitet, diese dann aber nicht genutzt. Es würde mir Bauchschmerzen bereiten, wenn wir keine Chance gehabt hätten. Leider hatten unsere Gegner auch gute Torhüterinnen, so war unsere Chancenverwertung nicht gut genug für dieses Top-Level." >Welche Erkenntnisse für die Zukunft haben Sie gesammelt? "Fehler werden international viel härter bestraft als in der Bundesliga. Und: Manchmal muss man auch Dinge tun, die nicht im Regelbuch stehen, wir müssen abgezockter werden in einigen Situationen, erfahrener und cleverer. Wir werden die Champions League nach der Saison genau analysieren und sehen, wie weit wir von der Konkurrenz weg waren. Aber eins ist klar: Teams wie Larvik oder Viborg haben ein deutlich höheres Durchschnittsalter und deswegen auch mehr Erfahrung. Wenn wir unsere Spielerinnen langfristig halten, erreichen wir auch Kontinuität und Erfahrung." >Der HC Leipzig hat gegen drei der vier Halbfinalisten - Viborg, Györ und Larvik - gespielt. Wer gewinnt 2010 den Titel? "Beide Halbfinals werden sehr offen und ausgeglichen, Viborg hat den Nachteil, dass viele Spielerinnen verletzt oder schwanger sind, vor allem am Kreis. Ich denke, bei diesen Topteams werden Tagesform und die Individualisten darüber entscheiden, wer ins Finale einzieht und den Titel gewinnt." >Zurück zu Ihrem Team: Ist Leipzig auch in dieser Saison wieder der große Titelfavorit in Deutschland? "Ja, wir sind der HC Leipzig und sehen uns als Favorit, aber andere Mannschaften wie Leverkusen oder Oldenburg sind Mitfavoriten. Wir können Meister werden oder aber auch Vierter oder Sechster. Ein schlechter Tag in den Play-offs und es kann vorbei sein. Wir haben Respekt vor allen Gegnern. Das ist der Unterschied zum Beispiel zu Larvik: Die haben in der ganzen Saison nur zwei schwere Spiele gegen Trondheim, wir müssen alles geben, um zum Beispiel in Dortmund zu gewinnen. Die Bundesliga ist viel ausgeglichener besetzt. Aber die große Lust darauf, wieder in der Champions League zu spielen, ist eine große Motivation für uns. Das macht richtig Spaß." >Morgen steht im Pokal das vorweg genommene Endspiel gegen Bayer Leverkusen schon im Viertelfinale an - ist Ihr Team auch dort Favorit? "Es wird eine sehr schwere Aufgabe, aber ich mag die Spiele gegen Bayer. Wir kennen uns sehr gut, keiner kann den anderen überraschen, alle freuen sich auf dieses Topspiel - und es wird bestimmt spannend." >Anne Müller und Louise Lyksborg kommen, Sara Holmgren geht - in wie weit steht Ihr Team für die kommende Saison bereits? "Komplett, wenn nichts passiert, das heißt, wenn ein anderer Verein Kohle auspackt und eine unserer Spielerinnen aus ihrem Vertrag rauskauft. Dann müssen wir noch mal reagieren. National müssen wir uns sicherlich, was den Kader und die Finanzen betrifft, nicht verstecken, aber auch wir in Leipzig haben ein Limit."