Frauen-WM: Jüngste Spielerin fühlt sich wohl im Team - Alle staunen über Nesthäkchen Mietzner - Handball - Handball-W WM - Artikel - Handballwoche
Frauen-WM: Jüngste Spielerin fühlt sich wohl im Team

Alle staunen über Nesthäkchen Mietzner

Auf dem Spielfeld staunen die Gegner, beim Stadtbummel in Wuxi die Chinesen: Franziska Mietzner zieht die Blicke auf sich. Mit ihrer Körpergröße von 1,92 Meter ist sie für die Gastgeber der Handball-WM eine Attraktion, für die Kontrahenten hingegen die personifizierte Torgefahr.

14 Treffer hat die erst 20 Jahre junge Rückraumspielerin in den ersten drei Turnierspielen für die deutsche Mannschaft markiert. Als Nesthäkchen des Teams ist sie aber nicht nur für Tore verantwortlich, sondern auch dafür, dass immer ausreichend Kleister, der als Haftmittel für Hände und Ball dient, mit dabei ist. Und sie ist Adressat für Frotzeleien. "Manchmal kommen ein paar Spitzen wie 'die Jüngste und die Größte'. Aber ich fühle mich wohl in der Mannschaft", berichtete sie.

Mit 20 Jahren Schlüsselfigur

Nach drei anstrengenden WM-Partien stand der Sport einen Tag lang im Hintergrund. Vielmehr zog die Mannschaft am ersten Ruhetag durch die 4,5 Millionen Einwohner zählende Stadt Wuxi. Verschnaufen bei Geschäftsbummel und Kulturprogramm. "Ich merke die Belastung für den Körper. Der freie Tag tut gut, um neue Kraft zu sammeln", sagte Franziska Mietzner.

In China bestreitet das Talent vom Frankfurter HC sein erstes großes Turnier bei den Frauen, nachdem es bis zum WM-Beginn gerade zwölf Länderspiele absolviert hatte. Und bei ihrem WM-Debüt spielt sie auf der so genannten Königsposition eine entscheidende Rolle. Immerhin vertritt sie dort die ehemalige Welthandballerin Nadine Krause, die wegen einer Schulteroperation fehlt. "'Mietzi' ist trotz ihres jungen Alters eine Schlüsselfigur und ein super Plus für die Mannschaft. Aber man darf keine Wunder von ihr erwarten", meinte Anja Althaus.

Am Wurfverhalten feilen

Die Kreisläuferin vom Champions-League-Sieger Viborg HK ist Franziska Mietzners Partnerin im Zentrum der Abwehr. "Es ist nicht normal, dass man so eine Riesenfrau in der Abwehr neben sich hat. Das hilft ungemein", bekannte die 27-Jährige. Und auch Bundestrainer Rainer Osmann ist vollauf überzeugt von der Frankfurterin, die er noch für einen Rohdiamanten hält. "Sie ist jetzt auf einem guten Weg in unserer 6:0-Deckung, durch ihre körperlichen Vorzüge entsprechenden Halt zu geben. Gemeinsam mit ihrem Club müssen wir ihre athletische Weiterentwicklung forcieren. Es ist wichtig für ihre Perspektive, am Wurfverhalten zu feilen", urteilte er.

Das sportliche Talent hat Franziska Mietzner mit in die Wiege gelegt bekommen. Ihre Mutter Katrin war unter ihrem Mädchennamen Krüger 1978 Weltmeisterin und 1980 in Moskau Olympia-Dritte. In der Statistik des Deutschen Handballbundes (DHB) rangiert die heute 50-Jährige mit 1095 Treffern noch immer auf Platz zwei der Torschützenliste hinter Grit Jurack (Viborg/1532). So ist es auch kein Wunder, dass sie vor dem Fernseher mit ihrer Tochter mitfiebert und auch Ratschläge übers Telefon parat hat. "Manchmal versucht sie, mir Tipps zu geben. Sie freut sich und hat gratuliert", berichtete die Tochter. Nur Vater Jochen, einst Ruderer, ergreife die Flucht, wenn sie aufläuft: "Papa ist da extremer - er ist ganz aufgeregt und muss bei den Fernsehübertragungen immer aus dem Zimmer gehen."

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