Frauen-WM: Premiere in Südamerika - Brasilien ist der Geheimtipp - Handball - Handball-W Nationalmannschaft - Artikel - Handballwoche
Frauen-WM: Premiere in Südamerika

Brasilien ist der Geheimtipp

Premiere für den Handball: Der Anpfiff zum Eröffnungsspiel der 20. Frauen-WM zwischen Gastgeber Brasilien und Kuba ist zugleich Auftakt für das erste WM-Spiel dieser Sportart in Südamerika. Erst zum dritten Mal nach Südkorea 1990 und China 2009 findet das Championat außerhalb Europas statt.

An vier Standorten im Großraum Sao Paolo (Sao Paolo, Santos, Barueri, San Bernardo) spielen 24 Teams bis zum 18. Dezember um Medaillen und Meriten. «Für die Entwicklung dieses Sports ist es elementar», so Weltverbands-Präsident Hassan Moustafa, «dass wir Handball als Weltereignis begreifen und nicht nur in Europa spielen.»

Die Brasilianer tun sich bislang schwer, die Position des Ägypters zu teilen. In dem 192-Millionen-Einwohnerland, in dem sich fast ausnahmslos alles um Fußball dreht, ist Frauen-Handball ein Randereignis. In Sao Paolo, dem Spielort des Gastgebers, wird mit fünf ausverkauften Vorrundenspieltagen gerechnet. In den anderen Orten indes werden große Hallen leerbleiben. Allenfalls in Santos, wo Norwegen und Deutschland mit ihren traditionell zahlreichen Anhängern die Vorrunde spielen und am Samstag im direkten Duell in die Vorrunde einsteigen, könnte etwas Atmosphäre aufkommen.

Dabei werden die norwegischen Fans in der Überzahl sein. Sie dürfen mit ihrem Team auch weit größere Erwartungen verknüpfen. Um sich an die Erfolge deutscher Auswahlteams zu erinnern, bedarf es eines langen Gedächtnisses. Nach den drei Erfolgen der DDR-Auswahl in den Jahren 1971, 1975 und 1978 liegt der bedeutendste Auftritt einer deutschen Nationalmannschaft mittlerweile 18 Jahre zurück. Unter der Führung von Olympiasieger Lothar Doering gewann die gesamtdeutsche Auswahl 1993 bei der WM in Norwegen überraschend den Titel. Zwei Bronzemedaillen 1997 in Deutschland und 2007 in Frankreich waren in der Folge die bemerkenswertesten Resultate.

Auch diesmal werden wohl andere um die Medaillen spielen, während es für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) vorrangig um ein Ticket für ein Olympia-Qualifikationsturnier geht. Allen voran Titelverteidiger und Rekordweltmeister Russland (sieben Titel) sowie Norwegen sind die Topfavoriten.

Gastgeber Brasilien genießt den Ruf eines Geheimtipps. Fast alle Spielerinnen der Selecao sind bei europäischen Topclubs unter Vertrag, acht allein beim Champions-League-Rekordsieger Hypo Niederösterreich. Trainiert wird das Team vom Dänen Morten Soubaek. Er hat es verstanden, südamerikanische Spielfreude und skandinavische Schnelligkeit miteinander zu verbinden.

Der mediale Erfolg der gesamten WM wird davon abhängen, wie die Brasilianerinnen sich schlagen werden. Je länger sie im Turnier sind, umso größer die Aufmerksamkeit bei ihren Landsleuten. Das gilt auch für die DHB-Auswahl. «Ein frühes Aus», sagte Bundestrainer Heine Jensen, «nimmt uns die Chance, Werbung in eigener Sache zu machen.» Die Gefahr ist groß, weil die IHF einen neuen Modus durchgesetzt hat. Nach einer Vorrunde folgt mit dem Achtelfinale gleich die K.o-Runde.