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Frauen-WM in Deutschland

Bundestrainer Biegler: Bin sehr, sehr entspannt

Am Freitag starten die deutschen Handball-Frauen mit dem Auftaktspiel gegen Kamerun in die Heim-Weltmeisterschaft. Bundestrainer Michael Biegler spricht im Interview der Deutschen Presse-Agentur über seine Ziele und Hoffnungen.

Herr Biegler, am Freitag wird es mit dem WM-Auftaktspiel gegen Kamerun ernst. Verspüren Sie Nervosität?

Michael Biegler: Ich bin sehr, sehr entspannt. Für mich ist es nicht das erste Großturnier. Ich empfinde keine Drucksituation, auch wenn wir alle das beste herausholen wollen. Es bringt ja auch nichts, wenn die Ladies ein «nervöses Hemd» um sich haben. Ich muss ihnen während der WM eine große Hilfe sein, und das kann ich nur in einem unaufgeregten Zustand.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Heim-WM?

Ziel muss es sein, als große Handball-Nation möglichst bis zum Schluss dabei zu sein. Wir wollen alle das Erlebnis Hamburg genießen. Aber da kommen neun bis elf Teams infrage, die alle die Qualität haben, das Halbfinale zu erreichen. Es ist ein großes Ziel. Die Mannschaft möchte es auch erreichen, aber ganz einfach wird das nicht.

Worauf wird es besonders ankommen, um erfolgreich zu sein?

Uns ist vor allem wichtig, dass die Mannschaft ein hohes kämpferisches Niveau und tolles Rückzugsverhalten hat sowie abwehrstark ist. Sie muss bereit dazu sein, die Leute zu begeistern. Der Heimvorteil kann ein Faustpfand sein. Aber man muss so eine Halle auch abholen, das ist ganz entscheidend. Dafür muss man einige Dinge auf den Platz bringen.

Haben Sie Zweifel?

Ich habe gar keine Bauchschmerzen. Ich bin gespannt darauf, wie die Mannschaft die Spiele bestreitet. Wir müssen über das gesamte Turnier eine hohe Konstanz abrufen. Ich würde mir wünschen, dass die Mannschaft den neuen Weg bei der WM dokumentiert. Wir müssen uns nicht verstecken hinter anderen Nationen, auch wenn wir nicht wie sie agieren können. Wir haben nicht den Typ Spielerinnen wie die Skandinavierinnen, was die Technik angeht, oder wie die Französinnen, was die Dynamik betrifft. Aber ich sehe kein Problem, dass wir nicht erfolgreich sein können.

Und wenn es doch schief geht?

Dass die WM eine Katastrophe wird, kann ich mir nicht vorstellen. Dafür ist die Mannschaft mittlerweile zu gefestigt. Aber natürlich muss die Öffentlichkeit eine WM erfolgsorientiert wahrnehmen. Das soll man am Cheftrainer festmachen. Den Ladies steht es gut zu Gesicht, weiter aufgabenorientiert zu arbeiten, damit die 20 Monate nicht umsonst waren. Sie haben bisher einen tollen Job gemacht und ich möchte, dass der weitergeht. Dafür ist zu viel Gutes entstanden. Aber man muss der Mannschaft mehr Zeit geben. Ich sehe die Entwicklung über die WM hinaus.

Nach dem Turnier übernehmen Sie den Männer-Bundesligisten SC DHfK Leipzig. Was bleibt von der ersten Zusammenarbeit mit einer Frauenmannschaft in ihrer bald 33-jährigen Trainerkarriere?

Ich möchte diese tolle Erfahrung überhaupt nicht missen und bin froh, dass ich sie machen durfte. Diese Zeit wird immer ein fester Bestandteil in meinem Handball-Leben bleiben. Ich lobe zu Recht die Einsatzbereitschaft, die Energiebereitstellung. Das haben die Ladies toll gelebt. Ich werde den Bereich intensiv weiterverfolgen und den Kontakt halten.

Was wäre für Sie ein perfekter Abschied?

Wenn die Ladies eine sehr erfolgreiche WM spielen, sich aber auch wohlfühlen und sie genießen können. Und dann wünsche ich mir, dass die WM nachhaltig wirkt für den Frauen-Handball. Darüber würde ich mich sehr freuen.