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EM-Qualifikation: Bundestrainer Rainer Osmann kritisiert die Leistungsschwankungen im Team

DHB-Team sucht nach der Konstanz

Die deutschen Frauen haben einen großen Schritt Richtung Europameisterschaft gemacht und gleichzeitig die Gelegenheit genutzt, sich für die WM im Dezember (5. - 20.12.) in China einzuspielen.

Durch die beiden letztlich ungefährdeten Siege gegen Slowenien in Wetzlar und im italienischen Lignano Sabbiadoro hat Deutschland in der Gruppe 4 der Qualifikation für die EURO 2010 in Dänemark und Norwegen mit 4:0 Punkten die Führung übernommen. Slowenien als mutmaßlich stärkster Gruppengegner setzte sich am Samstag mit 30:21 gegen Weißrussland durch.

Nächster Gegner ist Dänemark

Die Qualifikation geht erst im neuen Jahr weiter: Partien gegen Weißrussland am 31. März/1. April und 3./4. April sowie in Slowenien (26./27. Mai) und gegen Italien (29./30. Mai) stehen dann noch an, die beiden Gruppenersten lösen ihr EM-Ticket. Das nächste Länderspiel bestreitet die DHB-Auswahl am 22. November in Schwerin gegen Rekord-Olympiasieger Dänemark.

Das Fazit des Bundestrainers fiel bei aller Zufriedenheit zwiespältig aus. "Wir haben unsere Aufgabe souverän erfüllt. Wir verfügen aber noch über genügend Reserven", sagte Rainer Osmann nach dem 33:19 in Lignano Sabbiadoro vor nur rund 150 Zuschauern. "Der Sieg hätte deutlicher ausfallen können, letztendlich war er aber glasklar." Was ihm in der Gesamtschau der beiden Partien ein wenig Kopfschmerzen bereitet sind die vielen eklatanten Leitungsschwankungen während der Spiele. Minutenlange Aussetzer, wie in der ersten Spielhälfte gegen die Sloweninnen, sind gegen solche zweitklassigen Gegner zu korrigieren. Im Ernstfall, sprich bei den Titelkämpfen in China, kann die fehlende Konstanz fatale Auswirkungen haben.


Mit Krause beweglicher

"Die Mannschaft ist im Umbruch. Da gehören holprige Spiele dazu. Zudem hat man gesehen, dass uns die Absage von Nadine Krause sehr getroffen hat. Mit ihr wären wir im Rückraum wesentlich beweglicher", machte der Coach in Wetzlar das Fehlen der Weltklassespielerin für das allzu statische Angriffsspiel im ersten Abschnitt verantwortlich, das den Gästen sogar eine zwischenzeitliche Führung ermöglichte. Zudem sah er die Ausgangsposition dafür veranwortlich, dass seine Mannschaft erst spät an die starken Vorstellungen beim World Cup in Dänemark anknüpfte. "Während wir beim World-Cup unbefangen aufspielen konnten, waren wir in Wetzlar Favorit. Da hat sich gezeigt, dass in Drucksituationen bestimmte Sachen bei uns noch nicht gefestigt sind", sagte Osmann, der sich aber auch darüber freut, dass seine Spielerinnen trotz ihrer schwachen Anfangsphase und einigen unverständlichen Schiedsrichterentscheidungen "nie gehadert haben".

Eine andere Ursache hatte Linksaußin Nadine Härdter für diese Schwächephase gefunden. "Wir waren am Anfang zu nervös und haben das Feuer vermissen lassen", erklärte sie. "In der zweiten Halbzeit haben wir dann mit mehr Tempo agiert." Auch Mittelspielerin Nina Wörz zog ein insgesamt zufriedenes Fazit: "Wir haben in Wetzlar in der zweiten Halbzeit gezeigt, was wir können, und haben Slowenien mit einer starken Abwehr und Tempohandball überrollt."


Brasilien schlägt Norwegen

Mehr Sorgen als die Leistung des eigenen Teams bereitet Osmann der Blick auf die Konkurrenz bei der WM. "Wie ausgeglichen unsere Gruppe ist, haben wir an diesem Wochenende erfahren. Dass Brasilien gegen Olympiasieger Norwegen gewinnt, sagt doch alles über die Stärke unserer Gegner aus, oder? Wir müssen in China bereit sein, unser absolutes Optimum abzurufen. Und dazu müssen wir die verbleibende Zeit der Vorbereitung so gut wie möglich nutzen." Wobei der 59-Jährige sogar schon über China hinausplant. "Unser Ziel ist die WM 2011 in Brasilien, wo wir uns für Olympia qualifizieren wollen", sagte Osmann.