Die deutsche Ausnahmehandballerin Grit Jurack im Exklusiv-Interview - „Entspannt im Alter“ - Handball - Handball-W Nationalmannschaft - Artikel - Handballwoche
Die deutsche Ausnahmehandballerin Grit Jurack im Exklusiv-Interview

„Entspannt im Alter“

Was sie motivierte, nach ihrer Babypause ins Nationalteam zurückzukehren, und welchen Wert die letzten Tests vor der EM haben, verrät Grit Jurack.

> Grit Jurack, im September kehrten Sie beim World Cup in Dänemark nach Ihrer Babypause ins deutsche Team zurück. Wo steht dieses zwei Wochen vor der EM?
Grit Jurack: Gute Frage. Unsere ab Donnerstag laufende Vorbereitung ist im Vergleich zu Dänemark und Norwegen, die sich ständig zu Lehrgängen getroffen haben, sehr kurz. Wir müssen die vier Spiele, die wir noch haben, nutzen, um uns zu verbessern. Die Partien sind sehr wichtig. Man hat am Anfang des World-Cups, als wir gegen Ungarn mit 19:22 und Frankreich mit 29:39 verloren haben, gesehen, dass es ohne Training nicht geht. Nachdem wir ein paar Tage zusammen trainiert haben, haben wir im dritten Spiel Dänemark mit 27:19 geschlagen.

Wie war die Rückkehr für Sie?
Schön und unproblematisch. Die Mannschaft war die gleiche wie vorher. Ich habe einfach wieder mit meinen alten Kumpels zusammengespielt. Ich war ja auch nur ein Jahr weg. Das war so, wie wenn jemand nach einer Verletzung zurückkommt. Nur dass meine Auszeit mit der Geburt meines Sohnes Lukas im Februar schöner war.

Was hat sich für Sie dadurch geändert?
Mein Leben ist stressiger geworden. Meine Nächte sind nicht mehr so lang. Nun fängt um sechs Uhr in der Frühe der Tag an. Aber das ist sehr schön. Am Wochenende sind wir zum Beispiel in der Champions League rausgeflogen. Aber als ich nach Hause gekommen bin und mich der Kleine angegrinst hat, war das dann gar nicht mehr so bitter.

Dabei haben Sie sogar 17 Tore gegen Wolgograd geworfen.
Da sehen Sie, was man auch noch mit einem Kind machen kann.

Wer betreut Lukas jetzt?
Meine Mutter ist jetzt hier mit beim Lehrgang in Rotenburg und während der EM ist Lukas dann bei ihr in Leipzig.

Was ist bei der EM möglich?
Alles. Denn wenn ich mir das Potenzial unseres Teams anschaue, ist es lange her, dass ich in so einer guten Nationalmannschaft gespielt habe. Bei uns sind alle Positionen top besetzt. In den letzten Jahren sind wir fast immer bis ins Halbfinale gekommen. Wir können schon ganz vorne mitspielen. Wichtig wird sein, dass wir gut ins Turnier starten und dass es Bundestrainer Rainer Osmann in der Kürze der Zeit gelingt, aus individuell starken Spielern eine gute Mannschaft zu formen.

> Sie wurden 1997 bei der WM im eigenen Land mit dem deutschen Team wie auch 2007 Dritter. Ist die aktuelle Mannschaft genauso stark wie 1997?
Wenn wir unser Potenzial abrufen können, können wir genauso gut sein wie das 97er-Team. Der Unterschied ist, dass wir nun im Schnitt fünf Jahre jünger sind. Damals waren Spielerinnen wie Michaela Erler im reifen Alter von 32 Jahren. Jetzt haben wir viele junge Leute wie Franziska Mietzner und Susann Müller dabei, die schon Schlüsselpositionen einnehmen.

> Sie waren 1997 die Jüngste...
Jetzt bin ich die Älteste.

> Wie hat sich in dieser Zeit Ihre Rolle, nun sind Sie auch Spielführerin, im Team verändert?
Ich versuche meine Erfahrung weiterzugeben und den jüngeren Spielerinnen nicht nur spieltaktisch zu helfen, sondern auch wenn sie nervös sind. Wenn man ein bisschen älter ist, sieht man das Spiel mit anderen Augen. Dann bricht die Welt auch nicht zusammen, wenn man mal drei Bälle verwirft. Das ist die Entspanntheit des Alters.

> Was hat Sie motiviert, nach Ihrer Babypause ins Nationalteam zurückzukehren?
Die Mannschaft und Olympia 2012 in London. Danach höre ich auf. London ist für uns alle das große Ziel. Ich habe immer gesagt, solange die Betreuung von Lukas sichergestellt ist, spiele ich auch für Deutschland. Dann freut sich auch meine Mutti, weil sie mit Lukas zusammen sein kann.

> Was planen Sie nach Ihrem Vertragsende 2012 in Viborg?
Ich habe in Dänemark schon als Deutschlehrerin gearbeitet. Als ausgebildete Diplom-Sportlehrerin mit Schwerpunkt Management kann ich mir auch vorstellen, in diesem Bereich zu arbeiten. Ich habe ja lange genug dafür studiert.