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Frauen-Bundestrainer Rainer Osmann im Interview

„Ganz vorne sind wir nicht dabei“

> Herr Osmann, wo steht Ihr Team vor der am 7. Dezember beginnenden Europameisterschaft in Norwegen?

Rainer Osmann: „Schwer zu beantworten. In Norwegen und Dänemark ist vieles möglich. Meine Hauptaufgabe wird es sein, dass wir in der kurzen Vorbereitungszeit, die wir ab dem 24. November haben, die Mannschaft in den verbleibenden vier Länderspielen einspielen. Dies ist das Hauptthema, auch weil mit der Rückkehr von Grit Jurack nach ihrer Babypause gegenüber dem letzten Jahr eine ganz neue Konstellation entstanden ist. Zum anderen habe ich mich zwar innerlich schon für 15 Spielerinnen fest entschlossen, aber ich bin mir über den endgültigen 16er Kader noch nicht schlüssig, so dass ich für die vier Spiele 18 Spielerinnen berufen habe.“

> Wie beurteilen Sie die Vorrundengruppe mit Schweden, Holland und der Ukraine?

„Die hat es in sich und ist ausgewogen. Vor allem das erste Spiel gegen die ganz starken Schwedinnen wird richtungsweisend sein. Auch Holland hat einen richtigen Schritt nach vorne gemacht. Sie bereiten sich auf ihre Heim-EM 2012 vor und gehen zumindest nach außen hin locker an ihre Aufgabe heran. Sie sind nicht ungefährlich, weil fast alle Spielerinnen in der Bundesliga aktiv sind, wo sie dazulernen. Das wird ein besonderes Spiel. Aber wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir richtig gut durch die Vorrunde kommen.“

> Um ohne Minuspunkt, in die Hauptrunde zu gehen?

„Genau, denn dort warten Norwegen und Frankreich, an die ich keine guten Erinnerungen habe, und Ungarn. Ich habe Vertrauen in unsere Truppe, dass wir uns steigern werden.“

> Bei der WM 2009, Ihrem ersten Turnier als Bundestrainer, gab es einen klaren Sieg gegen Schweden und am Ende Rang sieben. Waren Sie zufrieden?

„ Mit der personellen Situation ohne Jurack und Nadine Krause war dies das erwartete Ergebnis. Mit Nadine besteht auch jetzt wegen ihren Verletzungen Einvernehmen, sie nicht mitzunehmen. Sie hat leider nach längerer Verletzungspause in der Bundesliga noch nicht wieder ihr altes Leistungsniveau erreicht und wäre derzeit für uns keine Hilfe. Das hat Nadine im Gespräch mit mir genauso gesehen. Bei der WM wäre auch der fünfte Platz drin gewesen. In diesen Bereichen bewegen wir uns. Unter den ersten acht ist alles möglich. Man kann aber auch wie die Schwedinnen, die bei der WM nur Dreizehnter wurden, abrutschen. Ganz vorne sind wir nicht dabei, aber ich bin der Auffassung, dass man die ganz Großen wie Russland und Frankreich immer wieder schlagen kann. Dazu müssen aber alle Spielerinnen 100 Prozent abrufen.“

> Wer außer Jurack soll die Mannschaft führen?

„Verantwortung muss die ganze Mannschaft übernehmen. Ich habe im vergangenen Jahr einen Umbruch eingeleitet und will nicht mehr, dass sechs Spielerinnen die Last tragen. Selbst Grit Jurack muss den Nachweis erbringen, dass es richtig war, sie zurückzuholen, was ich denke. Wir haben hoffnungsvolle Leute wie Susi Müller und Franziska Mietzner, die jung sind, aber von denen ich gegenüber der WM eine Leistungssteigerung sehen will.“

> Wenn Ihr Team am 27. November in Bad Wildungen und am 28. November in Rotenburg an der Fulda gegen Österreich spielt, beginnt der letzte Teil der EM-Vorbereitung. Was können die Zuschauer von der Begegnung gegen den WM-Zehnten erwarten?

„In den Spielen wollen wir die Stammformation und Alternativen dazu finden. Österreich ist zu diesem Zeitpunkt genau der richtige Gegner, der uns alles abverlangen wird. Sie haben eine starke Stammsechs und eine brillante Truppe. Sie sind mit Pech in der EM-Qualifikation gescheitert. Das wird jeweils ein Prestigeduell, auch weil sie mit Herbert Müller vom Thüringer HC einen deutschen Trainer haben. Die Spiele werde eine Nagelprobe für uns.“