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Die neue Philosophie in der Frauen-Nationalmannschaft

Gemeinsam stark

Der neue Mann bei den Frauen ist fest davon überzeugt, dass die deutschen Handballerinnen bei der Weltmeisterschaft im Dezember in Brasilien eine gute Rolle spielen können. „Wir gehören zu den acht besten Mannschaften der Welt, und wenn wir unsere Leistung bringen, brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken2, sagt Heine Jensen. Der 34-jährige Däne, der sich am liebsten duzen lässt und mit seiner lässigen dänischen Lebensart auf Augenhöhe mit seinen nur unwesentlich jüngeren Spielerinnen ist, legt die sportliche Messlatte hoch. Muss er auch, denn nur, wenn sein Team am Ende der WM zu den sieben besten europäischen Mannschaften gehört, darf es an einem der drei olympischen Qualifikationsturniere für London 2012 teilnehmen. Olympia würde das zuletzt ein wenig ramponierte Image des deutschen Frauenhandballs nach Platz 13 bei der Europameisterschaft endlich wieder aufpolieren, das weiß auch Jensen: „Olympia wäre extrem wichtig, aber uns muss jederzeit bewusst sein, dass wir vor einer schweren Aufgabe stehen und nur zusammen erfolgreich sein können.“

Zusammen - eines der Schlagwörter in der Philosophie von Heine Jensen. Für eine erfolgreiche WM setzt der ehemalige Trainer des HC Leipzig auf Teamgeist statt auf Namen. Daran werden sich künftig wohl auch etablierte Kräfte wie Rekordnationalspielerin Grit Jurack gewöhnen müssen. „Es geht nicht um einzelne Personen, sondern um die Mannschaft. Das Beste für alle zu geben, ist das Ziel, und da ist es egal, ob jemand auf der Tribüne sitzt, ob er zehn oder 60 Minuten spielt. Hauptsache, er hilft der Mannschaft“, sagt Jensen. Ein halbes Jahr vor der WM will er in Sachen Personal noch einiges ausprobieren und den Kader breiter aufstellen. Das Gerüst der Auswahl bildet die Mannschaft, die in den beiden Qualifikationsspielen gegen Ungarn die WM-Teilnahme sicherstellte, dahinter werden weitere Spielerinnen ihre Chance erhalten. Ob es Änderungen im Trainerteam geben wird, ist derzeit noch offen. Jensen hatte in der WM-Qualifikation Unterstützung aus der Bundesliga von Renate Wolf (Leverkusen), Dietmar Schmidt (Frankfurter HC) und Dirk Leun (Buxtehuder SV) erhalten, und auf die Meinung der Liga will er auch in Zukunft nicht verzichten: „Was für die Mannschaft gilt, gilt auch für die Liga und ihre Trainer. Wir alle müssen zusammenarbeiten, nur dann können wir etwas erreichen.“

Jensen wird neben einem guten Trainerteam vor allem einen homogenen Kader brauchen, denn bei der Auslosung der WM-Gruppen waren die Deutschen nicht gerade vom Glück begünstigt. Mindestens Platz vier muss Deutschland in der Gruppenphase gegen Norwegen, Montenegro, Angola, Island und China erreichen, um die Olympiahoffnung am Leben zu erhalten. Heine Jensen liebt Herausforderungen, und deshalb nimmt er auch diese Aufgabe gerne an: „Das ist sicher eine sehr starke Gruppe, aber wir haben mit der Quali gegen Ungarn den ersten Schritt gemacht und wollen nun den nächsten machen, egal, gegen wen.“ Jensen ist von seiner Mannschaft überzeugt, die wie er sagt „nicht nur eine tolle Truppe ist, sondern auch die Lust hat, etwas zu erreichen“. Gemeinsam, versteht sich.