Exklusiv-Interview mit Bundestrainer Rainer Osmann - "Lassen uns auf keine Pokerspielchen ein" - Handball - Handball-W WM - Artikel - Handballwoche
Exklusiv-Interview mit Bundestrainer Rainer Osmann

"Lassen uns auf keine Pokerspielchen ein"

Bei der Frauen-WM in China geht es für die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch und Donnerstag um den Einzug in die Hauptrunde. HANDBALLWOCHE-Redakteur Burchard Forth sprach am spielfreien Dienstag mit Bun destrainer Rainer Osmann.

>Herr Osmann, Sie müssen eigentlich zufrieden sein. Ihre Mannschaft hat sich bei der WM in China bisher sehr gut präsentiert. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?
„Ich bin relativ zufrieden. Persönlich hängt mir die knappe Niederlage gegen Dänemark noch ein wenig nach. Anderseits haben wir den Kongo erwartungsgemäß sicher geschlagen. Und gegen Brasilien hat mein Team über 50 Minuten eine sehr konzentrierte Leistung geboten. Wir haben Brasilien ganz klar beherrscht – auch von der taktischen Seite her. Über die letzten neun Minuten des Spiels müssen wir aber noch reden. Wenn wir in den nächsten Spielen unser Level halten können, werden wir unser Ziel Hauptrunde erreichen können.“

>Wollen Sie jetzt taktieren und es gegen Frankreich auf ein Endspiel um den Einzug in die Hauptrunde ankommen lassen?
„Nein, wir wollen schon gegen Schweden die Entscheidung suchen. Wir wollen jedes Spiel gewinnen und lassen uns auf keine Poker-Spielchen ein.“

>Die Spiele in Wuxi finden fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Hätte da die IHF im Vorfeld andere Maßnahmen ergreifen müssen?
„In China eine WM auszutragen, war sicher eine richtige Entscheidung. Dass sich in der schönen und großen Halle von Wuxi kaum Zuschauer einfinden, ist natürlich frustrierend und nicht hilfreich für den Handball. Meine Spielerinnen müssen deshalb immer ihre Eigenmotivation in Bewegung halten  Aber das ist ihnen in den bisherigen Spielen immer wieder gut gelungen.“

>Wie sieht die Stimmung im Team aus? Einige Spielerinnen sollen intern mehr Spielanteile gefordert haben.
„Im Tor zum Beispiel habe ich das Glück, auf drei Torhüterinnen mit Topniveau zurückgreifen kann. Es ist gut, dass die Spielerinnen dieses Anspruchsdenken haben. Aber man muss auch sehen, dass Clara Woltering bislang eine gute WM gespielt hat. Da gab es bis jetzt keinen Grund, zu wechseln oder zu taktieren. Aber die anderen beiden werden ihre Chance auch noch bekommen.“

>Welche Spielerin hat sie bisher am meisten positiv überrascht?
„Ich habe eine gewisse Erwartungshaltung an die Mannschaft. Susann Müller gibt von der spielerischen Seite bisher sehr gute Impulse. Sie bestätigt eigentlich das, was ich mir von ihr erhofft habe. Insgesamt ist meine Mannschat auf einem guten Wege. Auch die älteren Spielerinnen wie Nina Wörz oder Anja Altaus haben bisher alles gut im Griff. Ich muss hier unser medizinischen Abteilung ein großes Kompliment zollen, aber auch Anja Althaus persönlich. Sie hat trotz ihrer Sprunggelenksverletzung gegen Brasilien 60 Minuten gespielt. Das war höchst ehrenwert.“

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