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Beste WM-Torschützin

Mietzner spielt auf Top-Niveau

Zweimal Acht macht Eins: Mit ihren jeweils acht Treffern gegen Olympiasieger Norwegen und Geheimfavorit Montenegro ist Franziska Mietzner nach zwei Spielen bei der WM in Brasilien an die Spitze der Torschützenliste gestürmt.

Mit gerade einmal 22 Jahren ist die Rückraumspielerin vom FHC Frankfurt/Oder auf internationalem Top-Niveau angekommen. «Ich bin immer noch sehr jung und versuche, die Mannschaft mit dem zu unterstützen, was ich am besten kann. Und das ist eben, die einfachen Tore aus dem Rückraum zu machen», sagte die Torjägerin, die zudem vom Siebenmeterpunkt fehlerfrei ist.

Beim 31:28-Auftakt-Coup gegen Norwegen absolvierte die Studentin in Santos ihr 50. Länderspiel. An ihrem Jubiläumseinsatz aber hatte sie mehr auszusetzen als bei der ärgerlichen 24:25-Niederlage. «Ich habe nicht geguckt, wo die Torhüterin hingeht. Gegen Montenegro war es okay, aber es geht besser. Da ist auf jeden Fall noch Potenzial nach oben da», urteilte die Rechtshänderin.

Für die nächsten Gegner China an diesem Dienstag und Island am Mittwoch muss dies wie eine Drohung klingen. Auf die Chinesinnen traf die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) zuletzt bei der WM vor acht Jahren (30:28). Gegen Island gab es in neun Duellen noch keine Niederlage.

Die 1,92 Meter große Spielerin hat sich seit ihrem WM-Debüt vor zwei Jahren in China weiter entwickelt. «Bei der ersten WM war ich noch relativ unbekannt und habe so eine Art Kükenrolle gehabt», erzählt sie. Inzwischen sei sie bekannter und ihre damalige Unbekümmertheit ist ein Stück weit abhandengekommen. «Jetzt habe ich das Problem, dass ich zu viel überlege und nicht einfach das mache, was ich am besten kann», gab sie zu.

Handball ist Franziska Mietzner quasi in die Wiege gelegt worden. Ihre Mutter Katrin war mit der DDR-Auswahl Weltmeisterin 1978 und ist nach Spitzenreiterin Grit Jurack (1579) mit 1095 Treffern aus 260 Länderspielen immer noch die Nummer zwei der DHB-Torschützenliste. «Darauf achte ich eigentlich gar nicht und ich mache mir auch keinen Druck. Ich nehme das eher als Vorbild», sagte die Nationalspielerin, deren Vater Jochen Ruder-Europameister war.

Die Jagd nach den Bestmarken ist ihr nicht wichtig. Daher grummelt die 22-Jährige auch nicht, wenn sie trotz guter Aktionen wie gegen Montenegro mit vier Treffern aus vier Versuchen ausgewechselt wird. «Es schafft keine Spielerin, jedes Spiel 40 bis 50 Minuten zu spielen. Das ist zu viel für den Körper», erklärte sie.

Ebenso dosiert wie mit den Kräften will sie auch mit ihrer Karriereplanung umgehen. Bis 2013 ist sie noch in Frankfurt/Oder unter Vertrag, wo sie im siebten Semester BWL studiert. «Ich kann vielleicht Handball spielen, bis ich Mitte 30 bin. Aber dann habe ich immer noch nicht mein Geld verdient, bis ich ins Rentenalter komme. Ich bin jetzt 22, wenn ich 25 oder 26 bin habe ich mein Studium abgeschlossen und kann mich immer noch voll auf den Handball konzentrieren», stellte sie klar.

So lange kommt auch ein Wechsel ins Ausland nicht infrage. «Für die nächsten zwei Jahre habe ich das nicht im Blickpunkt», sagte Franziska Mietzner und begründet dies neben dem Studium mit dem Wohlfühlfaktor zu Hause: «Ich haben zu meinen Eltern ein sehr, sehr gutes Verhältnis. Jetzt im Moment würde es mir sehr schwerfallen, wenn ich weit von ihnen weg wohnen würde.»