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Frauen-WM: Deutschland hinterlässt glänzenden Eindruck zum Abschied

Nächstes Ziel: EM 2010

Der letzte Eindruck war glänzend. Einen Tag vor der Abreise von der WM in China belohnten sich die deutschen Handballerinnen für ihren siebten Platz mit einem Ausflug in die Hochglanz-Metropole Shanghai. Während sich seine Spielerinnen im Schatten der spiegelnden Wolkenkratzer-Fassaden den letzten Turnier-Tag versüßten, bilanzierte Bundestrainer Rainer Osmann in Suzhou die Lern-WM für sein junges Team.

"Der siebte Platz stellt den realen Stand dar. Der Abstand zur Spitze mit Norwegen oder Russland ist gegeben. Aber es ist normal für eine Mannschaft, die sich in der Umbruchphase befindet, dass nicht alles aufgeht", urteilte der Thüringer. Wie seine Frauen geht auch der Bundestrainer mit einem guten Gefühl aus der Bewährungsprobe in China. Der überzeugende 35:25-Sieg gegen die im Vorfeld als heiße Medaillenanwärter gehandelten Rumäninnen versöhnte auch ein wenig für die Debakel gegen Frankreich (15:29) und Titelverteidiger Russland (22:34), die wie Olympiasieger Norwegen und der EM-Zweite Spanien das Halbfinale erreicht hatten. "Ich will nicht alles rosarot malen, aber wir haben sechs von neun Spielen gewonnen", sagte Osmann.

"Qualität zu wechselhaft"

Anlass zur kritischen Nachbetrachtung fand der 59-Jährige, der die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) im April übernommen hatte und in China sein WM-Debüt gab, trotzdem zur Genüge. "Schwankungen im Tempospiel nach vorn", monierte er und zählte weiter auf: "Wir laufen viele Angriffe, aber die Qualität ist zu wechselhaft. Wir überziehen manchmal das Risiko. Wir müssen Spieldisziplin lernen." Eine detaillierte Auswertung soll im Februar folgen. Dann will der Bundestrainer auf einer Deutschland-Tour auch mit jeder Spielerin ein Einzelgespräch führen.

Dabei soll es auch um Perspektiven gehen. Denn Osmann rechnet damit, dass von Mitte nächsten Jahres an auch seine Leistungsträger Grit Jurack und Nadine Krause ins Team zurückkehren. Rekord-Nationalspielerin Jurack fehlte in China wegen ihrer Schwangerschaft, die ehemalige Welthandballerin Krause kuriert eine Schulteroperation aus. "Grit hat gesagt, sie hat das vor. Bei Nadine muss man abwarten, wie der Heilungsprozess vonstatten geht", sagte der Bundestrainer, der jedoch nicht vor Mai 2010 mit den beiden Leistungsträgerinnen rechnet.

Lernprozess für viele Neulinge

So muss er in der Ausscheidung für die EM im kommenden Jahr in Dänemark und Norwegen (7. bis 19. Dezember) wieder den Spielerinnen vertrauen, die sich in China weitgehend bewährt haben. "Die Neulinge haben sich sehr gut integriert. Es gibt keinen Grund, alles auf den Kopf zu stellen. Es war ein Lernprozess für viele Neulinge. Das muss fortgesetzt werden", sagte der ehemalige Bundesliga-Trainer des ThSV Eisenach. Ende März/Anfang April stehen die EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland sowie Ende Mai zwei Partien gegen Slowenien und Italien an. "Die Stunde der Wahrheit schlägt im März. Wenn wir in Weißrussland gewinnen, sind wir so gut wie sicher durch", skizzierte Osmann die Zukunft.