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WM-Trophäe fürs Scheitern

Verkehrte Welt

Am Ende gab's sogar noch einen Pokal fürs Scheitern. Für die deutschen Handballerinnen war der sogenannte Präsidenten-Cup für Platz 17 die letzte Demütigung einer völlig verkorksten WM.

Als Spielführerin Isabel Klein in Sao Paulo nach dem wertlosen 33:25 gegen Tunesien den Pott aus den Händen von Weltverbands-Präsident Hassan Moustafa entgegennahm, stand die bittere Analyse längst fest. «Diese Trophäe haben wir uns selbst eingebrockt», stellte Klein schonungslos fest, «individuell und als Kollektiv hat uns einfach die Qualität gefehlt.» Einen Ehrenplatz wird der Cup im Trophäenschrank des Deutschen Handballbundes (DHB) sicher nicht bekommen.

Der Erfolg über Tunesien in der Verliererrunde besiegelte die historische Pleite der Handballerinnen, die nun vor einem kompletten Neubeginn stehen. «Ich habe volles Vertrauen in den Trainer - und ich denke, ich spreche dabei auch für das gesamte DHB-Präsidium», sagte DHB-Präsident Ulrich Strombach in Sao Paulo der Nachrichtenagentur dpa und betonte: «Vor der WM war die Verpflichtung Jensens von allen Seiten begrüßt worden, jetzt müssen Liga und Verband auch dahinter stehen.»

Bundestrainer Heine Jensen, der noch vor Ort mit zahlreichen internen Aussprachen begann, kam zu der Erkenntnis «kaum weiter zu sein als beim 13. Platz bei der Europameisterschaft im Vorjahr». Aber der Blick geht nach vorne. Ende März stehen die entscheidenden Qualifikationsspiele gegen Ungarn auf dem Weg zur EM 2012 in den Niederlanden an - und das gleiche Team, das die Qualifikation für Olympia deutlich verpasste, soll nun Wiedergutmachung betreiben. Weder Jensen noch der DHB-Präsident gehen in Sachen Personal von großen Umbrüchen aus: «Vielleicht wird die eine oder andere ältere Spielerin aufhören, aber im Kern ist das die Mannschaft, mit der wir uns für die EM qualifizieren wollen», sagte Jensen.

Der Däne will nach seinem ersten großen Turnier langfristig auf Olympia 2016 hinarbeiten und nach rund sechsmonatiger Amtszeit nun «ein Fundament für die Zukunft schaffen». Unisono wiesen Jensen und Strombach darauf hin, dass Liga und Nationalmannschaft voneinander abhängig seien, und «es nichts bringt, jetzt aufeinander zu schießen». Oft hörte man aber in Brasilien, dass den deutschen Spielerinnen aufgrund der schwachen Liga die Wettkampfhärte fehle. «Wir müssen auch in den Vereinen härter arbeiten, wenn wir weiterkommen wollen», sagte Spielführerin Klein vom Vizemeister Buxtehuder SV, der in der Champions League mit sechs Niederlagen in sechs Spielen international ähnlich viel Lehrgeld bezahlte wie der Double-Gewinner Thüringer HC.

Mit zwei Erfolgen gegen Ungarn Ende März wäre Deutschland schon für die EM qualifiziert - und Klein ist überzeugt, dass es in den Niederlanden wieder bergauf gehen würde. Gleiches hörte man allerdings auch nach Rang 13 bei der EM 2010 in Norwegen.