Exklusiv-Interview mit Frauen-Bundestrainer Rainer Osmann - "WM-Medaille eine Illusion" - Handball - Handball-W Nationalmannschaft - Artikel - Handballwoche
Exklusiv-Interview mit Frauen-Bundestrainer Rainer Osmann

"WM-Medaille eine Illusion"

Bundestrainer Rainer Osmann sieht im Spiel gegen die Niederlande viel Positives, aber auch noch Handlungsbedarf. Im Interview nimmt er dazu Stellung.

> Herr Osmann, sind Sie zufrieden mit dem vorletzten WM-Test Ihrer Mannschaft?
Rainer Osmann: Nach zwölf Trainingseinheiten - zum Teil unter voller Belastung - muss ich mit den Leistungen unterm Strich zufrieden sein. Vor allem bin ich froh, dass wir gegen die Niederlande in der zweiten Halbzeit eine deutliche Leistungssteigerung verbuchen konnten. Das stimmt mich für China optimistisch. Auf diese Leistung können wir aufbauen.

> Ihr neuformiertes Team offenbarte aber noch einige Probleme. Wie wollen die bis zum WM-Start abstellen?
Vor allem im Rückraum, aber auch in der Defensive habe ich einige Abstimmungsprobleme erkannt. Und an unserer Chancenverwertung müssen wir auch noch arbeiten. Ich habe alle WM-Spielerinnen gegen die Niederlande eingesetzt, damit sie weiter internationale Erfahrung sammeln und Selbstvertrauen tanken können. Das ist besonders wichtig für unerfahrene Spielerinnen wie Susann Müller oder Franziska Mietzner.

> Sie haben gegen die Niederlande die 5:1-Abwehr erfolgreich getestet. Werden sie die in China häufiger spielen lassen?
Unsere favorisierte Defensiv-Variante wird natürlich die 6:0-Formation bleiben. Die 5:1-Abwehr haben wir jetzt in der WM-Vorbereitung einige Male im Training getestet und gegen die Niederlande sehr gut umgesetzt. Das war auch der Schlüssel zum Erfolg. Nach einer behäbigen ersten Hälfte kam dann wieder die richtige Aggressivität in unser Spiel. Und die eroberten Bälle haben wir dann in leichte Tore umgesetzt. Das war sehr schön anzusehen.

> Haben Sie jetzt Ihre WM-Spiele nach oben korrigiert?
Nein, ich bleibe dabei, unser Ziel kann erst mal nur das Erreichen der Hauptrunde sein. Wir haben eine sehr schwere Vorrundengruppe, in der gleich fünf Teams auf Augenhöhe spielen. Da wird sehr viel von der Tagesform abhängig sein. Ich bin optimistisch, aber das Fordern einer WM-Medaille halte ich für eine Illusion. Wir müssen mit unseren jungen Spielerinnen noch Geduld haben. Und wenn Kritik aufkommen sollte, werde ich mich schützend vor sie stellen.