Halbfinale passé: Deutschland verliert gegen Polen

Großer Kampf nicht belohnt

Aus und vorbei: Deutschlands Handballer haben bei der EM in Serbien das Halbfinale verpasst und müssen um Olympia zittern. Im entscheidenden Spiel der Hauptrunde verlor der WM-Elfte in Belgrad gegen Polen mit 32:33 (17:18).

In der Neuauflage des WM-Finales von 2007 versagten den deutschen Spielern die Nerven. Vor rund 2000 Zuschauern in der Arena Belgrad warfen Dominik Klein und Christian Sprenger (je 7) die meisten Tore für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB). Nach dem mutlosen Auftritt ist das Team von Bundestrainer Martin Heuberger nun auf Schützenhilfe für einen Platz in der Olympia-Qualifikation angewiesen.

«Das haben die Jungs nicht verdient, die aufopferungsvoll gekämpft haben. Für diesen Kampf hätten wir mit einem Punkt belohnt werden müssen», sagte Heuberger nach packenden 60 Minuten, in denen seine Mannschaft beim 30:29 in der Schlussphase erstmals in Führung gegangen war, diesen Vorsprung aber nicht halten konnte. Besonders bitter: Am Ende verlor die DHB-Auswahl Spielmacher Michael Haaß mit einer schweren Beinverletzung. «Er hat sich das Sprunggelenk luxiert. Der Arzt hat es wieder eingerenkt», erklärte der Bundestrainer nach dem Begegnung.

Auch die deutschen Spieler ließen frustriert die Köpfe hängen. «Es ist schwer, Worte zu finden», sagte der bitter enttäuschte Holger Glandorf. «Wir haben ein Ziel verpasst, das wir vor Augen hatten. Das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für eine Analyse. Ich bin ganz schön verärgert», sagte Klein, der zwei Minuten vor dem Ende wegen wiederholten Foulspiels die Rote Karte sah.

Zwei Tage nach dem verpassten vorzeitigen Halbfinal-Einzug durch das 26:28 gegen den WM-Zweiten Dänemark wollten die deutschen Handballer ihre zweite Chance auf die Medaillenrunde unbedingt nutzen. «Jetzt gibt es keine Ausrede mehr», sagte Torhüter Silvio Heinevetter, der bislang ein tadelloses Turnier spielte. Auch Heuberger war davon überzeugt, dass seine Spieler auch den riesigen Erwartungen gewachsen sein würden. «Wir haben schon so viel Druck gehabt bei dieser EM, das kann nicht mehr größer werden. Das motiviert die Mannschaft eher als es sie hemmt», meinte er, wurde aber dann vor 2000 Zuschauern eines Besseren belehrt.

In dem Spiel um alles oder nichts agierten die deutschen Spieler auf dem Feld erstaunlich emotionslos. Das am Vortag demonstrativ zur Schau gestellte Selbstbewusstsein war kaum zu sehen. Daher tat sich das Team um Spielmacher Haaß auch reichlich schwer gegen die Polen, die mit sieben Akteuren aufliefen, die in der Bundesliga spielen oder gespielt haben.

Nach einem 2:4 (6.) geriet die DHB-Auswahl erst mit 7:10 (15.) und später mit 10:14 (21.) ins Hintertreffen, weil wieder einmal im Angriff vieles nicht rund lief. Doch bewiesen die deutschen Spieler erneut ihre kämpferischen Qualitäten und arbeiteten sich auf 15:15 (26.) heran, konnten aber nicht in Führung gehen. Vielmehr musste der engagiert vor der Wechselbank hin- und hertigernde Bundestrainer kurz vor Halbzeit noch einen Treffer der Polen und den 17:18-Rückstand zur Pause mit ansehen.

In der zweiten Halbzeit wurde es nicht besser. Zögerlich, verhalten und ängstlich traten die deutschen Spieler auf und produzierten dadurch Fehlwürfe und leichte Ballverluste. Jegliches Selbstvertrauen war entschwunden. Immer, wenn die Chance zum Ausgleich bestand, versagten die Nerven. Die Polen nutzten dies konsequent. Beim 24:28 (45.) war der Rückstand wieder auf vier Tore angewachsen. Danach entdeckten die deutschen Spieler aber ihr Kämpferherz und drehten die Partie fast noch.

 

KOMMENTARE

Sascha, 30.01.12, 08:24 Uhr
LNordhorner: Danke für diese wahren Worte. mehr »
Nordhorner, 30.01.12, 00:29 Uhr
Hallo zusammen, ich habe jetzt alle ca. 35 Kommentare gelesen. Und alle fordern das die Spieler besser sein müssten, die mehr »
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