Revolution in den USA geplant
16.07.10 - 10:16
![]() |
Wenig bekannt, wenig erkannt und noch weniger verstanden: Der in Europa so populäre Handball ist in den Vereinigten Staaten von Amerika eine Randsportart mit dem Bekanntheitsniveau von Curling, Dart oder Wasserspringen. In den USA regieren Basketball, Baseball und Football und locken zehntausende Fans Woche für Woche in die Stadien. Der Handball hingegen ist den meisten Amerikaner völlig unbekannt oder wird als ein Sport, ähnlich des in Deutschland bekannten Squash als eine Art Rückschlagspiel angesehen. Das will nun ausgerechnet ein Deutscher ändern. „Handball in den USA ein Schattendasein. Doch wir wollen diese tolle Sportart aus ihren Dornröschenschlaf wecken", sagt Horst-Dieter Esch, der Aufsichtsratsvorsitzende des amerikanischen Handballverbandes.
Zu diesem Zweck hat Esch ein Länderspiel zwischen der deutschen Handball-Nationalmannschaft und Polen (Samstag, 17. Juli, 13 Uhr Ortszeit) organisiert und eine gewaltige Werbemaschinerie in Gang gesetzt. So ist es Esch gelungen, ein Handballspiel erstmals live im US-Fernsehen zu platzieren. Das Spiel Deutschland gegen Polen, das den brachialen Namen „the Battle of Chicago" trägt, wird sowohl in Deutschland als auch in Polen und eben dem lukrativen US-Markt live übertragen. Rund 9.000 Zuschauer werden dazu im UIC-Pavilion, der Arena der Universität des Bundesstaates Illinois, erwartet.
Seit Montag ziehen Deutschland, der Weltmeister von 2007 und Polen, der WM-Dritte von 2009, als Lokomotive einen PR-Zug durch Chicago. Erst am Donnerstag buhlten die Kapitäne der beiden beteiligten Länder, Pascal Hens (Deutschland) und Polens Slawomir Szmal um Anerkennung und Unterstützung ihrer Sportart. Dafür besuchten die Teams extra ein Baseballspiel im traditionsreichen Chicagoer „Wrigley Field", der Heimstätte des Profiteams Chicago Cups. Vor über 60.000 Zuschauern erhielten Hens und Szmal ein Trikot der „Cups" und wiesen auf das Länderspiel am Samstag hin. Ob sich allerdings nur 100 Sportfans deshalb noch entscheiden, das Handballspiel zu besuchen, bezweifelt selbst Initiator Horst-Dieter Esch: „Dennoch ist es ein unglaubliches und einmaliges Forum für uns."
Der 66 Jahre alte Esch, steht dem US-Verband seit knapp zwei Jahren vor. Er hat im Land der begrenzten Handball-Möglichkeiten Strukturen geschaffen, Sponsoren akquiriert und träumt davon, eine eigene Liga und einen geregelten Spielbetrieb aufzubauen. Derzeit spielen rund 2.500 Menschen in den USA regelmäßig Handball, knapp 50 Clubs sind offiziell beim US-Verband, der im Bundesstaat Utah in Salt Lake City sitzt, eingetragen. Über 120 Spielgemeinschaften zählt der Verband. Finanziert wird der amerikanische Handballverband zur Hälfte durch den Unternehmer Esch (er hat eine Modelagentur), dazu gibt das National Olympische Komitee der USA 250.000 Dollar, die gleiche Summe wird durch Sponsoren aufgebracht. Somit summiert sich das Budget des Verbandes auf knapp eine Million Dollar pro Jahr.
Mit tatkräftiger Unterstützung der stärksten Liga der Welt, der deutschen TOYOTA Handball-Bundesliga, die fast 85 Millionen Euro pro Jahr und Saison umsetzt, soll der Handball in den USA nun bekannter werden. „Das Spiel ist wegweisend", sagt Ralf Uhding, der Funktionär der deutschen Handball-Bundesliga, der sowohl im deutschen als auch im amerikanischen Aufsichtsrat sitzt und der zusammen mit Esch ein Jahr lang den „Kampf von Chicago" geplant hat, „wenn das hier ins Laufen kommt, dann ist das die größte sportliche Revolution der letzten Jahre", ergänzt Uhding.
An dieser Revolution will die deutsche Liga, die nicht erst seit den drei Titeln im Europapokal nach der Saison 2009/10 als die beste der Welt gilt, partizipieren und auch verdienen. Die Verantwortlichen in Deutschland hoffen, auf dem amerikanischen Markt ihr Produkt Spitzenhandball zu verkaufen. Neben der Veräußerung von Lizenz- und Fernsehrechten sollen nach Wunsch Uhdings auch neue Sponsoren in den USA akquiriert werden. „Es gibt schon jetzt Anfragen von namhaften großen Firmen, die uns unterstützen wollen", berichtet Uhding und sagt: „Wir haben unheimlich viel erreicht. Das Projekt USA hat sich schon jetzt auf jeden Fall gelohnt." Schon für das kommende Jahr 2011 ist die Wiederholung deshalb eine beschlossene Sache.
- Stenzel fordert neuen Bundestrainer
- Die Besten der Besten in Leipzig
- Schau-Spiel und Talente-Show
- Hens tritt zurück
- Serbe Markicevic kommt
- "Von einer Quote halte ich gar nichts"
- Freispruch für Schwenker und Serdarusic
- Neue Spielgemeinschaft
- Brand bedauert Olympia-Aus
- Freispruch für Schwenker und Serdarusic gefordert



