Wetzlars Neu-Trainer strebt Veränderungen auf und abseits des Handballfeldes an
17.04.12 - 00:10
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Kai Wandschneider atmete durch, umarmte Georgios Chalkidis und reckte die Fäuste in die Luft. Im letzten Augenblick hatte Steffen Fäth am vergangenen Dienstag seinem neuen Trainer die Heimpremiere gerettet, in dem er zwei Sekunden vor dem Ende das 20:19 gegen Hannover und damit nach sechs Niederlagen in Folge zwei wichtige Zähler im Abstiegskampf sichergestellt hatte. "Das war ein typisches Abstiegsduell. Ich war sehr erleichtert, dass wir es umbiegen konnten, muss aber zugeben, dass ich überrascht gewesen bin, dass wir im Kopf noch nicht weiter sind. Im Training klappt das besser", sagte Wandschneider, in der die HSG bereits mit 13:17 (36.) zurückgelegen hatte, dann aber von Keeper Nikolai Weber Rückendeckung erhielt. "Er hat gezeigt, dass er zu Recht Kapitän ist", lobte Wandschneider seinen Torhüter, dessen Paraden seine Vorderleuten neuen Mut gaben. Diese Euphorie führte zum Anschluss durch Daniel Valo (16:17/41.), dann zum Ausgleich durch Fäth (19:19/58.) und zum Siegtreffer.
Wandschneider hatte Verständnis dafür, dass auf dem Feld noch nicht alles so funktioniert hatte. "Ich habe Szenen gesehen, in denen deutlich wurde, dass der Druck sehr groß war. Angst fressen Seele auf", sagte der Ex-Dormagener, dessen Team enorm verkrampft aufgetreten war.
Neues und komplexes Training
Die Kleinigkeiten, die Wandschneider seit seinem Amtsantritt mit seinem Team erarbeitet hatte und den Ausschlag zum Guten gaben, waren erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Der Spielzug "Bravo" zum Beispiel, der den Rückraumschützen Raum bringt, das Überzahlkonzept "Max", das gleich zum 14:17 (37.) von Peter Jungwirth führte, oder die Variante, mit einem siebten Feldspieler zu agieren, die Chalkidis zwei Treffer ermöglichte und den Rest der Mannschaft aufweckte. "Es haben einige Dinge gegriffen, die wir entwickelt haben", freute sich Wandschneider, wohl wissend, dass es ihm helfen wird, wenn seine Maßnahmen direkt funktionieren. Das stärkt ihm den Rücken und schafft Vertrauen in seine Ansagen. Daher hatte er sich sehr gefreut, als Fäth (26.) einen von ihm in einer Auszeit angeordneten Spielzug zum 9:10 verwertete.
Die Rückmeldungen aus dem Team sind überzeugend. "Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Das Training ist komplex. Man muss den Kopf einschalten. Das ist eine neue Herausforderung", sagte Lars Friedrich.
Verändert haben sich aber nicht nur Spielzüge, auch die Art und Weise wie Wandschneider wechselt, ist neu. "Ich versuche, alle zu beteiligen und nach ihren Stärken aufzustellen. Ich wechsele nicht nach Sympathie sondern nach Leistung", erklärt der Coach. Davon profitierte zuletzt vor allem Fäth.
Auch im Hintergrund hat der Coach bereits an Stellschrauben gedreht. Auf der Busfahrt zu Auswärtsspielen werden keine Videos mehr laufen, im Abschlusstraining müssen die Spieler einheitliche Kleidung tragen. "Das hilft beim Fokussieren", so Wandschneider, der sich auch darüber gewundert hat, dass HSG-Spieler keine Dienste übernehmen wie Wasserwart oder Ballwart. "Das werden wir ändern, denn das stärkt den Zusammenhalt." Mit Genugtuung habe der Coach nach dem Mannheim-Spiel aber beobachtet, dass trotzdem alle beim Ausladen des Busses angepackt hätten. Optimierungspotenzial gibt es dennoch genug. Nur in einem Fall, da gab es nichts zu meckern: "Im letzten Angriff haben wir Steffen Fäth zwei Sekunden vor Schluss in Wurfposition gebracht. Das kann selbst Kiel nicht besser machen."
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