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Aron Palmarsson der neue Publikumsliebling

>In der 49. Minute kam Aron Palmarsson wieder aufs Feld, und euphorischer Jubel brandete auf in der Sparkassen-Arena. Der Isländer, erst 19 Jahre jung, verkörperte die Hoffnung auf eine Wende, auf Besserung im maladen Positionsspiel des THW. Es reichte zwar nicht zum Sieg. "Ich bin richtig sauer über diese Niederlage", sagte Palmarsson mit missmutiger Miene nach der Partie. Aber die Art und Weise, wie er nach der Pause aufgetreten war, hatte die Zehntausend förmlich hingerissen: Ein neuer Publikumsliebling war geboren worden. "Er hat überragend gespielt", urteilte Trainer Alfred Gislason.

Das anspruchsvolle Kieler Publikum ist die hohe Handballkunst gewöhnt, speziell auf der Spielmacherposition, die zuletzt Stefan Lövgren und Nikola Karabatic, jeder auf seine Weise, aber doch immer hochkarätig ausfüllten. Palmarsson demonstrierte in wenigen Minuten, dass sein Potenzial so groß ist, irgendwann selbst eine große Figur der THW-Geschichte zu werden. Sieben Tore, eins schöner als das andere, setzte Palmarsson und hielt den THW so überhaupt erst im Spiel. Aber es war nicht nur diese Torgefahr.

Es sieht immer ein wenig lässig und arrogant aus, wenn Palmarsson in die Bewegung kommt, aber es ist oft spektakulär effektiv. Er setzt Sprungwürfe an, die kaum zu lesen sind. Genauso unberechenbar und ansatzlos sind die Hüftwürfe. Hinzu kommt eine Übersicht, die famos zu nennen ist dafür, dass Palmarsson über kaum Erfahrung verfügt. Er ist im Moment der einzige Rückraumspieler beim THW, der den Kreisläufer findet. Gegen Barcelona profitierte zudem auch Christian Sprenger von präzisen Zuspielen: Wie Palmarsson in der 44. Minute den Rechtsaußen bediente, das erinnerte an die Fähigkeiten eines Markus Baur beim Tempogegenstoß.


Vergleich mit Stefansson

Gislason, der den Teenager im Sommer von Hafnarfjördur an die Förde lotste, sieht in ihm den kommenden Superstar; Palmarsson werde irgendwann noch besser sein als Olafur Stefansson, die große isländische Handballikone, prophezeit der erfahrene Trainer. Dass es bis dahin auch Dellen geben wird in der Karriere, ist logisch. Gegen Barcelona leistete sich Palmarsson in der Schlussphase einen technischen Fehler und einen überhasteten Hüftwurf, der weit über das Tor strich. Das waren fast tragische Momente angesichts der Super-Performance, die der Isländer zuvor aufs Parkett gezaubert hatte. Diese Fehler wird er womöglich irgendwann vergessen haben. Aber nicht diese Hingabe der Zuschauer, deren Gunst er in vollen Zügen genoss. "Das Publikum hat mich getragen", sagte Palmarsson, bevor er in die Kabine verschwand. "Es ist so großartig, vor diesen Fans Handball zu spielen."
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