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Barcelonas Sternstunde

Es war das 17. Duell zwischen den beiden Rekordmeistern der stärksten Handball-Ligen in der Welt. Es gehörte wohl zu denjenigen, die man in Kiel am liebsten schnell vergessen würde, bedeutete das 33:36 (15:19) für den Titelverteidiger doch das "Aus" im Viertelfinale der Champions League. Und dann zählte beim siegreichen FC Barcelona ausgerechnet der Akteur zu den unbestrittenen Matchwinnern, der an der Ostsee die wenigsten Sympathien genießt: Siarhei Rutenka.

Der Weißrusse musste sich bei jeder Aktion ein gellendes Pfeifkonzert anhören. "Ich habe nicht verstanden, was ich so Schlechtes gemacht habe", wunderte er sich. "Aber damit muss man leben. In einer Demokratie kann jeder seine Meinung äußern." Und gestärt haben die Pfiffe Siarhei Rutenka gewiss nicht, eher angespornt. Schon in der Anfangsphase traf er fast nach Belieben gegen die "Zebras", die in der Deckung zunächst Lücken am Kreis aufwiesen. Nach dem 7:11 (15.) nahm THW-Trainer Alfred Gislason eine Kurskorrektur vor, ließ mit einer offensiven Abwehr operieren. Kurzzeitig witterten die Kieler Morgenluft. Christian Zeitz lochte einen Gegenstoß zum 10:11 (19.) ein.

Im Angriff leistete sich der THW nun zu viele Patzer. Barcelona konterte eiskalt, führte beim12:18 (26.) mit satten sechs Toren. Es war teilweise, wie verhext. Momir Ilic scheiterte von der Siebenmeter-Linie am überragenden Danijel Saric, ergatterte sich aber den Ball, um ihn dann an den Außenpfosten zu setzen. Alfred Gislason wechselte viel in seiner Offensive. Sicherlich vermisste er Daniel Narcisse, der sich im Abschluss-Training eine Zerrung an der rechten Wade zugezogen hatte.

Barcelona spielte zeitweise einfach genial. 16:24 (36.) - es roch nach einer Demütigung für den Titelverteidiger. Alfred Gislason nahm seine Auszeit, die Sparkassen-Arena blies zur "Attacke". Die THW-Anfeuerungsrufe schwollen noch einmal an, und das Pfeifkonzert dehnte sich kurzfristig auf die gesamte Barca-Mannschaft aus. Der eingewechselte Andreas Palicka sorgte mit einigen Paraden für ein Strohfeuer. Barcelona wankte einige Minuten. Mehr aber auch nicht. "Wenn man mit einem Tor verliert, kann man sagen, dass man Pech hatte oder dumm war", meinte THW-Rückraumchef Filip Jicha. "Aber wenn es so deutlich war, muss man zugeben, dass der Gegner einfach besser war." Dagegen ärgerte sich Alfred Gislason über die dänischen Schiedsrichter. "Ich bin von deren Leistung sehr enttäuscht",sagte er. "Ich will hier jetzt keinen Mourinho machen, aber ich fand es schon nicht ganz unparteiisch."

Siarhei Rutenka störte das nicht und netzte kurz vor Schluss zum achten Mal ein. Am Ende verstummten sogar die Pfiffe gegen ihn, auch auf den Rängen dominierte in den letzten Minuten die Enttäuschung. Dann lag sich der 29-Jährige mit seinen Mannschaftskollegen jubelnd in den Armen. Er hatte es der Sparkassen-Arena gezeigt. Und er hatte sogar einen Matchwinner auserkoren. Nicht sich selbst, sondern seinen Torwart Danijel Saric. "Er hat den Unterschied gemacht."