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Rekordmeister THW arbeitet noch an den Folgen des Umbruchs

Baustelle Kiel: Ist ein neues System nötig?

Rekordmeister THW Kiel ist immer noch eine Baustelle. Es geht voran, aber es knirscht Sand im Getriebe. Auch der 35:32-Erfolg im Auftaktspiel der Champions League gegen den spanischen Vertreter Reale Ademar Leon konnte Fans und Kritiker nicht überzeugen.

"Wir sind sehr holprig gestartet. Allerdings wissen wir selber, was wir noch zu ändern haben und wie wir weiter kämpfen müssen", sagte Linksaußen Dominik Klein. Die Einschätzung des Nationalspielers gilt für den bisherigen Saisonverlauf. Mehrfach zeigten die Kieler eine erstaunlich schwache erste Halbzeit, ehe sie im zweiten Durchgang die Zügel anzogen.

Hierarchie ist abhanden gekommen

Fakt ist, der THW hat den Aderlass der vergangenen Saison noch nicht verkraftet. Der Abschied der Ausnahme-Handballer Stefan Lövgren, Nikola Karabatic und Vid Kavticnik hat größere Lücken gerissen, als sie der Verein zu stopfen in der Lage ist. Es mangelt an Kreativität und Rhythmus, es fehlt der Kommandogeber auf dem Feld. Ohne die "Alpha-Tiere" Lövgren und Karabatic scheint die Hierarchie im Team abhanden gekommen zu sein.

"Ich bin überhaupt nicht beunruhigt. Es ist das Normalste auf der Welt. Es ist ein normaler Prozess, die Neuzugänge zu integrieren", erwiderte Trainer Alfred Gislason, der jedoch eingestand: "In den nächsten Spielen müssen wir aber besser spielen." Gislason wirbt um Geduld. Die Neuen Momir Ilic, Christian Sprenger, Aron Palmarsson und Daniel Narcisse sind herausragende Individualisten, doch noch bilden sie mit ihren Nebenleuten kein Ensemble. Bislang gewinnt der Rekordmeister seine Spiele über Einzelaktionen - vor allem im Rückraum.

Rollkommando statt Spielwitz

"Alfred wird versuchen müssen, ein anderes Spiel zu entwickeln", riet der als Beobachter nach Kiel gereiste Lövgren dem THW-Trainer nach dem Champions-League-Auftritt gegen Leon. Soll heißen: Abkehr von dem Modell des Regie führenden Mittelmannes, das Lövgren und Karabatic einst bis zur Perfektion beherrschten, hin zur geballten Wucht des Rückraums. Gewissermaßen Schwert statt Florett, Rollkommando statt Spielwitz.

Derzeit wechseln sich noch Börge Lund und Filip Jicha im mittleren THW-Rückraum ab. In der Perspektive soll Narcisse diese Position übernehmen. Der Franzose, geadelt als Handball-Ästhet und Sprungwunder, braucht jedoch die längste Zeit der Eingewöhnung. Er kam erst zum Saisonstart, hat die gesamte Vorbereitung beim THW verpasst. "Er ist eine super Verstärkung", schwört Gislason dennoch.

Wie sehr der Umbruch den THW erfasst hat und gelegentlich zu Orientierungsschwächen führt, beschrieb Dominik Klein: "Erst mal müssen wir die Verantwortlichen des THW Kiel auffordern, dass Ilic mit einem l geschrieben wird und nicht wie auf dem Trikot mit zwei. Trotzdem kann man sehen, dass er weiß, in welcher Mannschaft er spielt."