Große Vorschau auf den 8. Spieltag In der Champions League - Das Wochenende der Entscheidungen - Handball - Handball-M CL - Artikel - Handballwoche
Große Vorschau auf den 8. Spieltag In der Champions League

Das Wochenende der Entscheidungen

36 der 120 Gruppenpiele stehen noch aus – und fünf der 24 Mannschaften haben sich erst für das Achtelfinale der Männer-Champions-League qualifiziert. Mit dem achten Spieltag der Gruppenphase beginnen nun die drei Wochen der Entscheidung. Die HANDBALLWOCHE analysiert vor dem Neustart alle vier Gruppen, in denen aus deutscher Sicht bislang nur der HSV Hamburg das Ticket für die nächste Runde gebucht hat. Allen drei übrigen HBL-Vertretern aus Kiel, Mannheim und Flensburg genügt am Wochenende aber schon je ein Punkt zum Achtelfinal-Einzug. Und am Sonntag wartet auf ale Fans der große Handball-Nachmittag auf Eurosport: Denn die Partien der Hamburger, Löwen und Flensburger werden am Stück und hintereinander übertragen.

Neben Hamburg haben sich Veszprem (Ungarn), Montpellier (Frankreich), Ciudad Real (Spanien) und Medvedi Chekhov (Russland) schon für die Runde der letzten 16 qualifiziert. An diesem Wochenende können bis zu acht weitere Teilnehmer dazukommen. Aber nicht nur ein Platz unter den ersten Vier in den Gruppen ist entscheidend, sondern auch die Platzierung. Die Gruppensieger treffen im Achtelfinale auf die Viertplatzierten, die Zweiten auf die Dritten - und die Gruppensieger können vor dem Final4 in Köln Ende Mai nicht aufeinandertreffen. Das Achtelfinale wird am 7. März (Rosenmontag) in Wien ausgelost.

Gruppe  A:

Die „Hammergruppe“ oder die „Todesgruppe“ hieß es schon gleich nach der Auslosung – und die Gruppe hat ihren Ruf verteidigt. Als einzige Gruppe steht dort noch kein Teilnehmer des Achtelfinales fest, alle sechs Mannschaften haben noch mehr oder minder große Chancen aufs Weiterkommen. Die besten haben die beiden Tabellenführer aus Kiel und Mannheim, die punktgleich an der Spitze stehen. Beiden genügt am Wochenende schon jeweils ein Punkt fürs Achtelfinal-Ticket. Im Keller der Gruppe fällt am Wochenende zwischen Celje (Slowenien) und Kielce (Polen) die Entscheidung, wer seine Hoffnungen aufs Weiterkommen begraben muss. Celje dürfte erheblich Probleme haben, überhaupt noch zu einem Sieg zu kommen, da Leistungsträger wie Zorman, Pajovic oder Vugrinec die Slowenen aus finanziellen Gründen verlassen haben. Zorman ist ausgerechnet nach Kielce gewechselt, darf in der Champions League aber wegen der EHF-Regularien nicht auflaufen.

Chambery Savoie (FRA) -  THW Kiel (GER) – Samstag, 18 Uhr

Von der Papierform her ist CL-Titelverteidiger Kiel der Favorit, aber Chambery gilt als äußerst heimstark, hat alle drei bisherigen Partien in Albertville gewonnen, darunter auch gegen Barcelona. Zudem nimmt der französische Vizemeister den WM-Schwung mit, vor allem dank Jungstar Xavier Barachet, der nach seinen Leistungen von Schweden mittlerweile von Ciudad Real umworben wird. Weil Daniel Narcisse immer noch verletzt ist, kommt es nicht zu einem Wiedersehen mit seinem Ex-Club. Chambery liegt mit sechs Punkten vier Zähler hinter Kiel und den Löwen und könnte mit einem vierten Heimsieg einen entscheidenden Schritt Richtung Achtelfinale machen. Für Kiels Welthandballer Filip Jicha dennoch kein Problem: „Unser primäres Ziel ist, Platz eins bis zum Schluss zu verteidigen. Und somit müssen wir auch in Chambery punkten.“

Rhein Neckar Löwen (GER) – FC Barcelona-Borges (ESP) – Sonntag, 15.30  Uhr

Keine 48 Stunden nach seinem Dienstantritt gelang Gudmundur Gudmundsson die große Sensation: Mit dem 31:30-Erfolg im altehrwürdigen Palau Blaugrana schockten seine Löwen Gastgeber FC Barcelona. Und auch nach sieben CL-Spieltagen liegen die Mannheimer noch zwei Punkte vor dem CL-Rekordsieger. Ein Rmis am Sonntag würde schon den Einzug ins Achtelfinale bedeuten. Mit einem Sieg könnten die Löwen sogar noch auf den Gruppensieg hoffen.

Gruppe B:

Diese Gruppe entpuppte sich als diejenige, in der die Achtelfinal-Teilnehmer am ehesten feststanden: Als erstes Team überhaupt kam Veszprem (12 Punkte) weiter, mittlerweile sind auch Montpellier (10) und der HSV (9) nachgezogen – und am Samstag benötigen Lars Christiansen und sein Club KIF Kolding (8) nur noch einen Punkt gegen die Schweden aus Sävehof – dann stünden alle vier Teams fest. Aber erst am allerletzten Spieltag wird sich wohl klären, auf welcher Position die drei Topteams landen. Montpellier hat es am ehesten in der Hand, denn nach dem Auswärtsspiel in Hamburg folgt am letzten Spieltag der Showdown in der neuen Arena gegen Veszprem. Aber auch der HSV kann durch Siege gegen die Franzosen, Kolding und Sävehof noch Erster werden. „Damit befassen wir uns aber nicht, denn das ist eher theoretischer Natur“, wiegelt Weltmeister Bertrand Gille alle Rechenspiele ab.

HSV Hamburg (GER) – HB Montpellier (FRA) – Sonntag, 17 Uhr

Nach 21 Bundesliga-Siegen in Serie geht der HSV mit großem Selbstvertrauen in die Partie gegen Nikola Karabatic & Co. „Wir wollen eine optimale Ausgangsbasis für die K.o.-Runden, daher müssen wir gewinnen”, sagt Gille, dessen Bruder Guillaume das Aufeinandertreffen mit den französischen Weltmeistern verletzungsbedingt verpassen wird.  „Montpellier hat eine tolle Mannschaft, die von Trainer Patrice Canayer gut geformt wurde. Das ist mehr als nur Karabatic“, sagt Gille. Im Hinspiel haben die Hamburger den Franzosen die Einweihung ihrer neuen Arena mit einem 26:30 vermiest, danach aber spielte Montpellier auf internationalem Terrain stärker auf, verlor allerdings – wie Hamburg – in Veszprem. Bei Montpellier fehlt nur Weltmeister Adrien die Panda wegen einer Verletzung.

In den weiteren Partien kann Veszprem seine Vormachtstellung ausbauen – die Ungarn sind klarer Favorit gegen das noch sieglose Team aus Presov (Slowakei). Da sich die Verfolger gegenseitig die Punkte abnehmen, kann Veszprem der große Gewinner des Spieltags werden. Kolding (Gastgeber von Sävehof) kann nur noch theoretisch das Achtelfinale verpassen, müsste dafür aber alle Spiele verlieren, während Sävehof alles gewinnen muss.

Gruppe C:

In der Gruppe ohne deutschen Teilnehmer  - und der vermeintlich leichtesten - hat der letztjährige FINAL4-Teilnehmer aus Chekhov das Achtelfinale bereits erreicht, liegt aber nur einen Punkt vor den Spaniern aus Valladolid. Mit einem Punkt gegen Minsk am Wochenende stehen auch die Iberer in der nächsten Runde, gleiches gilt für die Ungarn von Pick Szeged im Falle eines Sieges in Schaffhausen. Die Eidgenossen hatte vergangene Woche im Nachholspiel gegen Minsk zu Hause die große Chance vergeben, sich näher an Szeged heranzutasten. Durch diese Niederlage ist der Kampf um den vierten Platz zwischen Schaffhausen, Minsk und Aalborg wieder offen, wobei die Schweizer angesichts der folgenden Partien gegen Chekhov und Valladolid die härteren Brocken vor sich haben. Am achten Spieltag gastieren die Russen in Aalborg.

Gruppe  D:

Ciudad Real (13 Punkte) ist die einzige noch ungeschlagene Mannschaft unter den 24 CL-Startern. Sechs Siegen steht ein Remis in Zagreb gegenüber. Die Kroaten und die SG Flensburg-Handewitt (beide 10 Zähler) haben an diesem Spieltag die Chance den Spaniern in die nächste Runde zu folgen. Allerdings hat Zagreb mit dem Heimspiel gegen die Rumänen aus Constanta die deutlich leichtere Aufgabe im Vergleich zu den Norddeutschen, die Ciudad Real empfangen. „Wir wollen am Ende Rang zwei, wo wir unsere Punkte holen, ist erst einmal egal“, sagt der dänische Linksaußen und Vize-Weltmeister Anders Eggert. Hinter diesem Führungstrio, das die ersten drei Plätze in der Endabrechnung unter sich ausmachen wird, haben alle drei übrigen Konkurrenten noch (theoretische) Chancen aufs Weiterkommen. Die schlechteste Ausgangslage hat Bosna Sarajewo mit nur einem Punkt, realistischer scheint ein Duell zwischen Constanta und dem russischen Vizemeister St. Petersburg (beide derzeit vier Punkte). Die vom Ex-Bundesliga-Profi Dimitri Torgowanow trainierten Russen halten in ihrer ersten CL-Saison gut mit – sind sie auch am Ende punktgleich mit den Rumänen wären sie aufgrund der besseren Tordifferenz im direkten Vergleich weiter.

SG Flensburg-Handewitt (GER) – Renovalia Ciudad Real (ESP) – Sonntag, 18.45 Uhr

Es ist so etwas wie die Neuauflage des WM-Halbfinals Spanien – Dänemark. Auf der einen Seite neun Iberer, auf der anderen fünf Dänen. Und Spanien will Revanche für die Niederlage. In der Winterpause hat sich Ciudad Real mit dem Russen Alexander Shevelev verstärkt, der gleich im Alleingang das Nachholspiel gegen St. Petersburg entschied. Mit einem Erfolg in Flensburg würde Ciudad Real dem Gruppensieg ein großes Stück näher kommen, auf der anderen Seite will sich die SG - ohne ihre Leistungsträger Carlen und Knudsen – für die Hinspiel-Niederlage zum CL-Auftakt revanchieren. Angesichts der kommenden Aufgaben würde zumindest ein Remis schon einen großen Schritt zu Rang zwei in der Endabrechnung bedeuten.

In den weiteren Spielen will St. Petersburg seinen Hinspielsieg gegen Sarajewo auch in Bosnien wiederholen, Zagreb steht gegen Constanta vor keiner großen Hürde.