THW Kiel - THW Kiel verliert den Klassiker - Der historische Erfolg von Bacelona sorgt bei Trainer Gislason für Ärger - Handball - Champions League - Artikel - Handballwoche
THW Kiel verliert den Klassiker

Der historische Erfolg von Bacelona sorgt bei Trainer Gislason für Ärger

Der Blick ging ins Leere. Mit müden Augen ließ Filip Jicha, der tschechische Rückraumstar des THW Kiel, die obligatorischen Interviews nach der Spitzenpartie in der Champions League gegen den FC Barcelona über sich ergehen. Der 27-Jährige war erneut der beste Schütze seines Teams, zehn Tore (davon vier Siebenmeter) hatte er erzielt, aber am Ende stand doch diese deprimierende 30:32 (15:17)-Niederlage gegen die Katalanen, die von den 10250 Fans in der ausverkauften Halle mit fassungsloser Stille aufgenommen wurde. "Es war nicht so schön", sagte Jicha. "Die vielen technischen Fehler und Fehlwürfe haben eine gewisse Unsicherheit gebracht." THW-Coach Alfred Gislason, sichtlich angefressen, bemängelte "Anfängerfehler" in der ersten Halbzeit. "Wir hatten zu viele Spieler, die von ihrer Normalform entfernt waren", erklärte der 49-jährige Isländer.

Barcelonas Coach Xavier Pascual freute sich sichtlich über den historischen Erfolg in Kiel - der siebenmalige Champions League-Sieger hatte in den fünf Spielen zuvor stets verloren. "Dieser Sieg bedeutet uns sehr viel, denn Kiel ist für uns die Kathedrale des Handballs." Barcelona (12:2-Punkte) strebt nun dem Gruppensieg entgegen, der für die kommenden K.o.-Runden das so wichtige Heimrecht im Rückspiel sichert.


Der Gegenentwurf

Mit 30:27-Toren hatte der THW das Hinspiel in Barcelona gewonnen, nach einem atemberaubenden Tempospiel, mit einem THW, der viele direkte Angriffe nach einem Gegentor ("Schnelle Mitte") startete und so die gegnerische Abwehr düpierte. Das Rückspiel nun bildete eine Art Gegenentwurf. Da dem Kieler Spiel die "Schnelle Mitte" derzeit völlig abgeht, waren sie gezwungen, über das Positionsspiel zum Erfolg zu kommen. Das ging nur in den ersten Minuten gut, als Jicha und Kim Andersson, der stark enttäuschte, das 2:0 erzielten. Aber dann stellte sich Barcelonas 6:0-Abwehr, die Pascual sehr offensiv interpretieren ließ, immer besser auf die Kieler Rückraumwucht ein. "Wir haben hier oft ein Desaster erlebt, deshalb wollten wir etwas anderes probieren", erklärte der Coach. Gislason ärgerte sich derweil, "dass wir die Räume, die so entstanden sind, nicht genutzt haben".

Nach der Pause hatte Kiel seine beste Phase, als Aron Palmarsson, der erst 19-jährige Isländer, die Regie des Rückraumspiels übernahm: Nach einem 4:0-Lauf glichen die Kieler beim 20:20 (38.) wieder aus und führten beim 24:23 (45.) und 25:24 (46.) zweimal. Doch Barcelona konterte im Stile einer Spitzenmannschaft, die Partie schien bereits beim 26:30 (55.) entschieden. Kiel bäumte sich zwar noch einmal auf, unterstützt von Torwart Gentzel, der Omeyer in den letzten fünf Minuten ersetzte. Aber dann vergab Momir Ilic beim 29:30 den vielleicht entscheidenden Ball, als er überhastet den Abschluss suchte.