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Die große Spieltag-Analyse in der Champions League

Deutsche Dominanz in der Königsklasse

Welch ein Wochenende für die HBL-Vertreter: Gummersbach, Göppingen, Großwallstadt und Lemgo ziehen einträchtig ins Viertelfinale des Europapokals ein – und alle vier deutschen Vertreter der „Königsklasse“ gewinnen ihre Spiele. Nach ihren Erfolgen in Gruppe A gegen Celje beziehungsweise die Kielce steht fest, dass der THW Kiel und die Rhein Neckar Löwen nicht mehr von den ersten beiden Plätzen ihrer Gruppe vertrieben werden können. Kiel geht mit einem Vorsprung  von einem Punkt auf die Mannheimer in den abschließenden zehnten Spieltag der Gruppenphase. Der HSV Hamburg hat sich durch den Pflichtsieg in Sävehof wieder auf Rang drei in Gruppe B vorgeschoben und hat im direkten Duell gegen Kolding am nächsten Wochenende alle Chancen, diesen zu verteidigen. Und die SG Flensburg-Handewitt liegt nur einen Zähler hinter Spitzenreiter Ciudad Real vor dem letzten Spiel. Einen Sieg gegen Sarajewo vorausgesetzt, kann Flensburg sogar noch Gruppensieger werden, wenn die Spanier in Constanta nicht mehr als einen Punkt holen.

Insgesamt stehen mittlerweile 13 der 16 Achtelfinalisten fest, zuletzt qualifizierten sich Barcelona und Szeged (Ungarn). In drei Gruppen entscheidet sich der vierte Platz erst am letzten Spieltag. Ein weiterer Indiz für die Ausgeglichenheit der Champions League: In Chekhovski Medvedi steht vor dem letzten Spieltag erst ein Gruppensieger fest.

 

Gruppe A:

 

Rhein Neckar Löwen  – Vive Targi Kielce 29:27 (11:13)

 

FC Barcelona-Borges – Chambery Savoie 38:23 (20 :7)

 

THW Kiel  – RK Pivovarna Lasko Celje 43:27 (23:16)

 

Mehr Mühe als erwartet hatten die Löwen, um sich für das Remis in Kielce im Hinspiel zu revanchieren. Die Mannheimer zeigten nur wenig von der Leistung aus der Partie gegen Barcelona. „Wir hatten zwei Probleme: die Abwehr und den Angriff“, sagte Uwe Gensheimer treffend, der mit sieben Treffern wieder bester Löwen-Torschütze war. Die Mannheimer fanden in den ersten 20 Minuten überhaupt nichts ins Spiel, weil sie im Angriff zu ideenlos waren. Zur Überraschung der 2500 Fans in Eppelheim hieß es 11:6 für Kielce. Aber dank einer 8:2-Serie übernahmen die Löwen beim 14:13 erstmals die Führung. Wer aber gedacht hatte, die Gastgeber würden nun mit mehr Sicherheit auftreten, irrte. Kielc blieb dran, glich beim 24:24 wieder aus. Erst drei Treffer in Serie  von Grzgegorz Tkaczyk sorgten für eine Vorentscheidung, aber jubeln durften die Löwen erst fünf Sekunden vor dem Ende, als Gensheimer das 29:27 gelang. „Wir haben schon besser gespielt, aber wir haben den zweiten Platz in dieser Hammergruppe sicher. Nur das zählt“, sagte Trainer Gudmundur Gudmundsson.

 

Da hatte der THW Kiel viel weniger Mühe, um zu einem Kantersieg gegen Celje zu kommen. Die Zebras zeigten sich spielfreudig und ihre Gegenstöße saßen wie Nadelstiche. Immer wieder scheiterten die Slowenen zudem an Torwart Thierry Omeyer. Schon nach 15 Minuten dieses torreichen Spiels hieß es 12:5 für Kiel, aber es dauerte bis zur 43. Minute und dem 31:21, bis der Vorsprung erstmals zehn Treffer betrug. Ab diesem Zeitpunkt gab sich Celje auf, Kiel hielt das Tempo hoch und beim 40:25 betrug der Vorsprung schon 15 Treffer. Mit diesem deutlichen Sieg – bester THW-Schütze war Jerome Fernandez mit acht Treffern bei acht Versuchen – blieb der THW zuhause ungeschlagen und zudem Gruppenerster.

 

Im dritten Spiel der Gruppe qualifizierte sich Barcelona durch einen Kantersieg für das Achtelfinale, kann aber nicht mehr höher als Rang drei klettern. Durch die Niederlagen von Chambery und Celje bleiben beide Teams punktgleich – am letzten Spieltag fällt also erst die Entscheidung über den vierten Achtelfinalisten dieser Gruppe. Sollten beide gleichauf bleiben, ist Celje aufgrund des gewonnen Direktvergleichs weiter.

 

Gruppe B:

IK Sävehof– HSV Hamburg 31:34 (18:18)

KIF Kolding – MKB Veszprém 29:34 (11:16)

Montpellier Agglomeration HB – Tatran Presov 40:25 (19:11)

 

Mehr Mühe als erwartet hatte der stark ersatzgeschwächte HSV in Schweden. Bis zur Schlussphase war die Partie hart umkämpft, dann hatten die Hamburger die größeren Reserven. „Sävehof hat uns in der ersten Halbzeit vor große Probleme gestellt. Wir hatten viel zu viele Ballverluste und in der Abwehr große Probleme. Man hat auch gemerkt, dass viele wichtige Kräfte im Aufbau und im Angriff gefehlt haben. Ich bin aber sehr froh, dass sich die Mannschaft durchgebissen hat und wir am Ende auch verdient gewonnen haben“, sagte Trainer Martin Schwalb nach dem knappen Erfolg in einem torreichen Spiel.

Durch diesen Erfolg und die gleichzeitige 29:34-Heimniederlage von KIF Kolding gegen Spitzenreiter MKB Veszprem haben sich die Hamburger wieder auf den dritten Platz verbessert, liegen einen Punkt vor den Dänen, die am kommenden Wochenende zum letzten Gruppenspiel in der Hansestadt gastieren.

Bester Hamburger war Michael Kraus, der zehnmal traf – der Nationalspieler hatte Ende der ersten Hälfte auch das Startsignal zur Aufholjagd gegeben, als der HSV überraschend 12:17 hinten lag, dann aber sechs Mal in Folge traf. Bis zur 52. Minute blieb die Partie allerdings auf Augenhöhe, für die endgültige Entscheidung sorgte Igor Vori mit dem 33:30.

 

Der klare Sieg gegen Presov – der sechste CL-Erfolg in Serie – bedeutet für Nikola Karabatic & Montpellier, dass der HSV sie nicht mehr vom zweiten Platz vertreiben kann.  Der künftige Kieler Marko Vujin war indes der Sieggarant von Veszprem in Kolding: Der Serbe erhöhte mit zwölf Treffer sein Torkonto auf 83 CL-Tore in neun Spielen. Die Ungarn lagen permanent in Führung, in der 54. Minute kam Kolding dank der insgesamt  sechs Tore von Lars Christiansen auf 26:28 heran, konnte die Partie aber nicht mehr drehen. „Wir haben die Partie von der ersten bis zur letzten Minute kontrolliert. Das war schon eine Demonstration der Stärke“, sagte MKB-Trainer Lajos Mocsai. Am letzten Spieltag fällt nun in Montpellier die Entscheidung über den Gruppensieg. Während Veszprem schon ein Remis für Platz eins genügt, müssen die Franzosen mit zwei Toren Unterschied gewinnen.

 

Gruppe C:

Kadetten Schaffhausen – Chekhovski Medvedi 32:29 (15:16)

Pick Szeged – Cuatro Rayas Valladolid 30:25 (17:12)

HC Dinamo Minsk  – Aab Handbold 33:31 (16:17)

 

Mit dem Überraschungssieg gegen Tabellenführer Chekhov hatten die Kadetten aus Schafhausen vorgelegt – und vor dem letzten Spieltag haben die Schweizer weiterhin gute Karten, sich fürs Achtelfinale zu qualifizieren. Dass dies nicht schon dieses Wochenende gelang, lag am Minsker Sieg gegen Aalborg. Die Weißrussen sammelten somit 5:1 Punkte in Folge, müssen zum Weiterkommen allerdings in Chechow gewinnen und darauf hoffen, dass Schaffhausen in Valladolid verliert. Durch den Sieg gegen Valladolid sicherte sich Szeged nicht nur den Platz im Achtelfinale, sondern machte Chechov auch vorzeitig zum Gruppensieger. Denn Verfolger Valladolid kann Medvedi mit zwei Punkten Rückstand und dem verlorenen Direktvergleich nicht mehr einholen. Umso größer war der Jubel in Szeged, denn durch diesen Erfolg qualifizierte sich der ungarische Vizemeister erstmals seit 2007 wieder für die Runde der letzten 16. Szeged, das vor dem  Saisonstart fast die komplette Mannschaft ausgewechselt hatte, lag phasenweise mit acht Toren in Führung. „Ich weiß auch nicht, was mit uns los ist. Wir wollten mindestens einen Punkt, aber dieser Schuss ging gründlich nach hinten los“, sagte Valladolids Trainer Juan Carlos Pastor ratlos. Seine Mannschaft verlor die Partie durch eklatante Offensivschwächen.

 

Gruppe D:

SG Flensburg-Handewitt – HC St. Petersburg 31:25 (17:9)

Bosna Sarajevo– HCM Constanta 24:23 (11:13)

Renovalia Ciudad Real– RK Ossiguranje Zagreb 30:20 (16:12)

 

Nachdem letztlich ungefährdeten 31:25-Erfolg in St. Petersburg hatte Flensburg (weiter ohne Carlen, Mogensen und Knudsen) bereits am Donnerstag erstmals in dieser Saison die Tabellenführung gesichert – und konnte sich am Sonntagabend genüsslich zurücklehnen, als die beiden Hauptkonkurrenten Ciudad Real und Zagreb sich im direkten Duell gegenseitig die Punkte wegnahmen. Und am Ende wurde Zagreb förmlich überfahren. Die Kroaten scheiterten nach dem Zwischenstand von 17:16 (37.) für Ciudad Real immer wieder am Weltklasse-Torwart Arpad Sterbik und erzielten 14 Minuten lang kein Tore mehr. Beim 25:16 hatten die Spanier die Partie entschieden. Gewinnt Flensburg am Mittwoch gegen Sarajewo, muss Ciudad Real in Constanta siegen, um Gruppensieger zu werden. Im Falle einer Flensburger Niederlage und eines Zagreb-Siegs gegen St. Petersburg wäre die SG hingegen nur Dritter in der Endabrechnung.

In St. Petersburg war Anders Eggert erneut der überragende Flensburger mit neun Toren. Nach der deutlichen Halbzeitführung hatte die SG nur gleich nach der Pause beim 18:14 eine Schwächperiode, doch mit einer Auszeit rüttelte Trainer Ljubomir Vranjes seine Spieler wieder wach – und am Ende hatten die Norddeutschen keine Probleme, den siebten Sieg im neunten Spiel einzufahren. Zum Abschluss der Gruppenphase empfängt die SG die aufstrebende Mannschaft von Bosna Sarajevo, die zuletzt mit Siegen gegen St. Petersburg und Constanta überraschte und vor dem letzten Spieltag den vierten Rang inne hat.

Die Bosnier mussten am Samstagabend in einer wahren Handballschlacht bis zur letzten Sekunde zittern, bis das 24:23 über Constanta in trockenen Tüchern war. Erst eine spektakuläre Parade von Torwart Dragan Marjanac sicherte die beiden Punkte, an denen zudem der überragende elffache Torschütze Igor Karacic großen Anteil hatte. Bosna liegt nun  einen Zähler vor Constanta und St. Petersburg – im Fernduell dieses Trios fällt die Entscheidung über den vierten Achtelfinalisten dieser Gruppe.