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Die große Analyse der Champions League

Deutsches Quartett vorzeitig im Achtelfinale

Zwei Siege, ein Remis und eine Heim-Niederlage – das ist die Bilanz der vier deutschen Vertreter in der Männer-Champions-League am achten Spieltag der CL-Gruppenphase. Nachdem der HSV Hamburg bereits frühzeitig als Achtelfinal-Teilnehmer festgestanden hatte, zog an diesem Wochenende das restliche Trio nach. Die Rhein Neckar Löwen erkämpften sich ein Remis gegen Barcelona, Kiel gewann in Chambery und bleibt Tabellenführer in Gruppe A vor den Löwen. Die größte Sensation schaffte allerdings die SG Flensburg-Handewitt: sie brachte dem dreifachen CL-Titelgewinner Ciudad Real die erste internationale Saison-Niederlage bei. Hamburg vergab derweil die Chancen auf den Sieg in Gruppe C durch eine knappe Heim-Niederlage gegen Montpellier.
Insgesamt stehen bereits elf der 16 Achtelfinalisten zwei Spieltage vor Ende der Gruppenphase fest: Neben dem deutschen Quartett sind dies Ciudad Real, Valladolid (beide Spanien), Montpellier (Frankreich), Veszprem (Ungarn), Kolding (Dänemark), Zagreb (Kroatien) und Chechow (Russland).

Gruppe A:
Chambery Savoie   -  THW Kiel  26:28 (16:12)
Dank einer erheblichen Leistungssteigerung nach der Pause hat sich Titelverteidiger THW Kiel fürs Achtelfinale qualifiziert. Aber es war ein hartes Stück Arbeit beim zuvor zu Hause ungeschlagenen französischen Vizemeister. Nach einem guten Start (5:2) schwächelten die Kieler in der Offensive, Chambery drehte das Spiel und baute seine Führung bis zum 11:6 aus, zur Pause lag Kiel immer noch 12:16 hinten. Aber der bärenstarke Filip Jicha sorgte mit seinen Treffern für eine erfolgreiche Aufholjagd, die er selbst zum 27:25 – der Entscheidung – krönte. Durch diesen fünften Sieg im achten Spiel behielten die Kieler trotz 1:3 Punkten vor der Winterpause die Tabellenführung.
Für Chambery war die Niederlage um so bitterer, denn sie gaben auch den vierten Platz, der fürs Achtelfinale ausreicht, überraschend and RK Celje ab. Obwohl die fünf wichtigsten Spieler - Zorman, Kozlina, Gajiÿ, Pajoviÿ und Vugrinec – den Verein wegen finanziellen Problemen in der Winterpause verlassen hatten, zeigten die Slowenen Kampfgeist und setzten sich mit 30:29 (12:14) gegen die favorisierten Polen aus Kielce durch. Das Team von Bogdan Wenta hat somit das Weiterkommen definitiv verpasst, während Chambery und Celje im Fernduell um den vierten Platz kämpfen. „Die jungen Slowenen waren viel hungriger als wir, mit dieser Situation habe ich nicht gerechnet“, gab Wenta zu.

Rhein Neckar Löwen – FC Barcelona-Borges  38:38 (22:17)
Dramatik pur bis zur letzten Sekunde und ein Spiel auf Weltklasse-Niveau erlebten 13.500 Zuschauer in Mannheim. Nachdem die Löwen das Hinspiel gegen den CL-Rekordsieger gewonnen hatten, sicherten sie sich mit dem Remis nicht nur den direkten Vergleich, sondern auch den Einzug ins Achtelfinale. Mit einem Zähler Rückstand auf Kiel aber zwei Punkten Vorsprung auf Barcelona ist zumindest der zweite Platz in Reichweite.
„Das Remis geht in Ordnung, auch wenn wir natürlich hätten gewinnen können. Aber gegen eine Mannschaft wie Barcelona reichen manchmal selbst acht Tore Vorsprung nicht zum Sieg“, sagte Torhüter Henning Fritz. Ein anderer Löwe stahl ihm aber klar die Schau: Nationalspieler Uwe Gensheimer erzielte sensationelle 15 Tore. Die Löwen erwischten einen Traumstart, spielten Barca phasenweise an die Wand und führten 17:9 noch vor der Pause. Aber dann fanden die Spanier ihren Rhythmus, Torwart Danijel Saric wehrte einige entscheidende Würfe ab – und prompt war Barca beim 24:22 wieder im Rennen. Beim 29:29 glichen sie erstmals aus, gingen beim 31:30 sogar in Führung, bevor Gensheimer wichtige Tore gelangen. 80 Sekunden vor Schluss führte Barca 38:37, ehe Gensheimer per Siebenmeter ausglich. Noch 19 Sekunden, Barca ersetzt den Torwart durch einen Feldspieler, doch Roggisch kann einen Pass abfangen, wird auf dem Weg zum leeren Tor aber gefoult. Zeitstrafe für Barca, noch sechs Sekunden. Löwen-Coach Gudmundur Gudmundsson nimmt seinerseits den Torwart vom Feld, bringt einen siebten Feldspieler – und wäre damit fast kapital gescheitert. Victor Tomas angelt sich einen Fehlpass, wirft auf das leere Tor – der Ball überquert die Linie aber erst nach Ertönen der Schluss-Sirene. Glück für die Löwen! 38:38.


Gruppe B:

HSV Hamburg– HB Montpellier 27:28 (11:13)
Im Gegensatz zur Bundesliga kommt Hamburg international mit den Beinen nicht auf den Boden. Nach dem Hinspiel-Erfolg in Montpellier unterlagen die Hanseasten nun vor heimischem Publikum in einem ebenfalls hochspannenden Match. „Nach einem schwachen Start hätten wir die Partie drehen können, aber wir haben zu viele klare Chancen vergeben und Montpellier kam zu vielen glücklichen Toren. So ist die Niederlage ein logisches Ergebnis“, sagte HSV-Trainer Martin Schwalb. Seine Mannschaft liegt nun mit neun Zählern nur noch auf Rang vier hinter Veszprem (14 Punkte), Montpellier (12) und Kolding (10), kann den Gruppensieg schon nicht mehr erreichen.
Montpellier startete wie die Feuerwehr, führte 6:1, ehe sich der HSV langsam aufraffte und zur Pause – auch dank der Paraden von Johannes Bitter – auf 11:13 verkürzte. Gleich nach Wiederanpfiff gelang beim 14:13 sogar die erste Führung – ab diesem Zeitpunkt war die Partie absolut offen. 19:19, 24:24, 27:27 hießen die Zwischenstände, ehe Weltmeister Michael Guigou per Strafwurf 60 Sekunden vor Schluss das 28:27 glückte. Danach gelang dem HSV kein weiterer Treffer mehr – die erste Heimniederlage in dieser Saison war trotz sechs Treffern von Marcin Lijewski perfekt.

Am Samstag hatte sich KIF Kolding dank neun Treffern des Ex-Flensburgers Lars Christiansen locker den Einzug ins Achtelfinale gesichert. Die Partie der Dänen gegen IK Sävehof war bereits beim Pausenstand von 21:11 entscheiden, auch wenn die Schweden beim 32:26 die zweite Hälfte gewannen. „Ich glaube, das waren die besten 30 Minuten dieser Saison“, meinte Christiansen. Durch diesen Erfolg stehen in Gruppe B alle vier Achtelfinal-Teilnehmer fest – nur die Reihenfolge kann sich noch ändern.
Ohne große Probleme wahrte MKB Veszprem die Tabellenführung. Das 33:22 (21:10) gegen die weiter sieglosen Slowaken von Tatran Presov war bereits der siebte Sieg im achten Spiel für die Mannschaft des früheren Bundesliga-Coaches Lajos Mocsai. Bester Spieler bei Veszprem war erneut der künftige Kieler Marko Vujin, der mit sechs Treffern erfolgreichster Torschütze war und die CL-Torschützenliste nun mit 71 Treffern anführt. Die Vorentscheidung war zur Pause gefallen, nachdem sich die Ungarn von 8:6 auf 21:10 abgesetzt hatten.

Gruppe C:
Die Gruppe ohne deutschen Teilnehmer bleibt eine Wundertüte: Nach der blamablen Heim-Niederlage gegen Minsk erholten sich die Kadetten aus Schaffhausen schnell wieder. Nach dem 12:15-Pausenrückstand gegen Pick Szeged sorgte Torwart Björgvin Gustavsson, der kommende Saison in Magdeburg spielt, mit seinen Paraden für die Wende. In der 48. Minuten glichen die Schweizer erstmals aus, beim 29:26 (55.) war die Partie entschieden. Bester Werfer war der künftige Lemgoer Mait Patrail mit acht Toren. Schaffhausen hat als Vierter vor den Hammerspielen gegen Valladolid und Chechow nun sieben Punkte und liegt einen Zähler hinter Szeged.
Aber Abstand nach unten wurde nicht größer – dafür sorgte die Überraschungsmannschaft von Dinamo Minsk. Der CL-Debütant entführte nach dem Erfolg in Schaffhausen einen weiteren nicht unbedingt eingeplanten Zähler in Valladolid. Minsk führte zur Pause klar mit 14:10, die Spanier mussten sich am Ende beim Weltmeister und siebenfachen Torschützen Guillaume Joli bedanken, dass es beim 27:27 überhaupt noch zu einem Punkt reichte. Und am Sonntag ging der Dank aus Valladolid dann zu Medvedi Chekvov: Durch den ungefährdeten 38:30-Sieg der Russen in Aalborg lösten die Spanier das Achtelfinal-Ticket. Die Dänen haben als Schlusslicht nun drei Punkte Rückstand auf den vierten Platz.


Gruppe D
SG Flensburg-Handewitt– Renovalia Ciudad Real  25:23 (11:10)
Die Campushalle stand Kopf, die Spieler tanzten auf dem Feld, der SG Flensburg-Handewitt glückte eine Riesensensation: „Unglaublich, unglaublich, alles unglaublich – das Spiel, die Fans, unsere Mannschaft“, stammelte der Matchwinner Dan Beutler nach dem Abpfiff. Der Flensburger Torwart hatte die Angreifer von Ciudad Real mit seinen Paraden – darunter zahlreiche parierte Siebenmeter – schier zur Verzweiflung gebracht und das Duell mit den Weltklasse-Schlussmänner Sterbik und Hombrados klar für sich entschieden. Daneben überragte Linksaußen Anders Eggert mit neun Toren.
Flensburg führte 9:5, ehe Ciudad Real beim 10:10 erstmals ausglich. Wer geglaubt hatte, dass die SG aufgrund des arg dezimierten Kaders unter die Räder kommen würde, sah sich getäuscht. Angepeitscht von den Fans in der Campushalle erhöhten die Nordlichter zunächst auf 18:14 und schließlich auf 22:17. Doch dann riss der Faden, Ciudad Real gewann Oberwasser und verkürzte auf 22:23. Acht Minuten erzielte Flensburg kein Tor, und 30 Sekunden vor dem Ende stand es immer noch 24:23. Nach einer SG-Auszeit jagte Lasse Svan Hansen den Ball zum entscheidenden 25:23 im zweiten deutsch-spanischen Thriller des Tages in die Maschen. Flensburg liegt (punktgleich mit Zagreb) nur noch einen Zähler hinter den Spaniern.

Bereits am Samstagabend hatte sich RK Zagreb um den neuen Kapitän Ivano Balic erwartungsgemäß fürs Achtelfinale mit jetzt zwölf Punkten qualifiziert. Trotz einiger verletzungsbedingten Ausfälle hatten die Kroaten kein Problem, den rumänischen Meister HCM Constanta 34:30 (19:16) zu schlagen. Bester Werfer war Außen Manuel Strlek mit zehn Toren – der internationale Einstand des neuen Zagreb-Trainers Ivica Obrvan (Nachfolger des früheren Großwallstädters Nenad Kljaic) ist also geglückt.
Der zweite Balkan-Erfolg in dieser Gruppe geht auf das Konto von Bosna Sarajewo: Acht Spielen hatten die Bosnier warten müssen, nun gelang ihnen der erste CL-Saisonsieg. Aber das 25:24 gegen die vom früheren Hamburger Dimitri Torgowanow trainierte Mannschaft von HC St. Petersburg stand erst in der Schluss-Sekunde fest. In Überzahl traf Rakovic zum Siegtreffer. Zwar bleibt Sarajewo Gruppenletzter, aber der Abstand zu Constanta und St. Petersburg beträgt nur noch einen Punkt.

KOMMENTARE

Tucky, 23.02.11, 18:09 Uhr
Nagut,ich nehme diese Aussage zurück,ich habe sie zwei Stunden nach dem Spiel im Jubel geschrieben. Aber es regt mich mehr »
Chrissy, 23.02.11, 09:17 Uhr
Ja, dann geh´mal mit gutem Beispiel voran und bleib´ bei sachlichen Kommentaren... Ich finde die Aussage "wenn sie mehr »
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