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Vorschau auf die Viertelfinal-Hinspiele der Champions League

Die letzten Schritte zur Endstation Köln

Wird das EHF FINAL4 in der Kölner LANXESS-Arena eine rein deutsche Angelegenheit? Theoretisch könnten am Ende vier Bundesligisten um die europäische Krone kämpfen, denn im Viertelfinale kommt es zu keinem HBL-internen Duell. Ab Donnerstag geht es für das deutsche Quartett um die letzten entscheidenden Schritte nach Köln – an diesem Wochenende stehen die Viertelfinal-Hinspiele mit Heimspielen für Hamburg, Flensburg und Löwen an, am kommenden Wochenende ist Titelverteidiger Kiel die einzige deutsche Mannschaft mit Heimrecht.

Die HANDBALLWOCHE beleuchtet die Chancen der deutschen Vertreter. Mal sehen, wie viele deutsche Teams sich am 2. Mai im Lostopf der Halbfinal-Auslosung für das FINAL4 in der Domstadt befinden. Vier der acht Viertelfinalisten kommen aus Deutschland, zwei aus Spanien, je einer aus Frankreich und Russland – alle letztjährigen Teilnehmer der Premiere des FINAL4 in Köln haben noch die Chance, sich wieder zu qualifizieren.

Die beiden deutsch-spanischen Duelle des Viertelfinals sind im Übrigen Neuauflagen von Spielen, die es bereits in der Gruppenphase gab, dagegen trafen Löwen und Montpellier überhaupt noch nie aufeinander.

 

SG Flensburg-Handewitt  - Renovalia Ciudad Real

Donnerstag, 21. April, 20 Uhr (live auf Eurosport)

Gegen keine Mannschaft hat die SG Flensburg-Handewitt bisher häufiger gespielt als gegen Ciudad Real. Die Partie am Donnerstag wird bereits das elfte Aufeinandertreffen beider Teams im Europapokal sein. 1999 gewannen die Nordlichter das Finale des europäischen City-Cups gegen das Team aus Zentralspanien. Es folgte ein weiteres Endspiel, das in die Geschichte einging: 2002 sicherte sich Ciudad Real den Titel im Pokalsiegerwettbewerb – bekannt wurde die Partie durch eine Schlägerei angezettelt vom damaligen Ciudad-Trainer Veselin Vujovic, der unter anderem den Flensburger Lars Christiansen niederschlug. In der Champions League kam es erstmals 2006 zum Duell der beiden: Im Jahr ihres ersten CL-Titels warfen die Spanier (mittlerweile trainiert von Talant Dushebajew) die Flensburger im Halbfinale aus dem Rennen. Ein Jahr später verlor die SG beide Gruppenspiele gegen Ciudad, was die Flensburger aber nicht auf ihrem Weg ins Finale gegen Kiel aufhielt. Und auch in dieser Saison sahen sich beide Mannschaften bereits in der Gruppenphase: Nach dem 19:27 im Hinspiel in Spanien sorgte Flensburg durch das 25:23 in der Campushalle für die bislang einzige CL-Niederlage von Ciudad Real in der laufenden Saison.

Beide Mannschaften sind in der „Königsklasse“ zuhause noch ungeschlagen. Flensburg setzte sich im Achtelfinale ebenso klar gegen Szeged (Ungarn) durch wie Ciudad Real gegen Chambery (Frankreich). Während die Deutschen zweimal im CL-Finale standen, aber noch keinen Titel gewannen, rissen die Spieler aus Zentralspanien bereits dreimal (2006, 2008, 2009) die Trophäe nach oben.

Ciudad Real kann sich – analog zum THW Kiel – die spanische Meisterschaft abschminken, liegt sechs Punkte hinter dem FC Barcelona. Daher fordert Abwehrspezialist Viran Morros auch Erfolge in der Champions League: „Wir wissen, dass es schwer wird in Flensburg, aber wir haben immer das Ziel Titel zu gewinnen – und die Königsklasse ist der Titel, der uns am meisten bedeutet. Zumindest wollen wir wieder diese herrliche Atmosphäre beim VELUX FINAL4 in Köln genießen.“ Auf der anderen Seite war man vom Los Ciudad Real nicht unbedingt begeistert: „Nicht schon wieder, das ist wahrlich nicht unser Wunschgegner“, sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. Geschäftsführer Holger Kaiser zieht seinen Optimismus für das Hinspiel aus dem Sieg in der Gruppenphase: „Wir haben gezeigt, dass wir sie schlagen können. Mannschaft und Trainerstab werden alles für eine Wiederholung geben.“ Für Ciudad Manager Luis Miguel Lopez stehen die Chancen seines Teams bei 60:40, „weil wir das Rückspiel zuhause haben“. Für die Partie in Flensburg wurden vergangenes Wochenende bei Ciudad die leicht angeschlagenen Luc Abalo, Chema Rodiguez und Roberto Parrondo geschont.

HSV Hamburg - Chekhovskie Medvedi

Samstag, 23 April, 15.45 Uhr (live auf Eurosport)

Erst Kiel, dann Chechow – und dazu ein recht martialisches Motto: Mit „Die Russen kommen. Kommt ihr auch?“ bewerben die Hanseaten ihr Heimspiel gegen die Maximov-Truppe. Die Frage ist, wie der HSV die Partie in Kiel verkraftet hat – aber angesichts der Euphorie rund um den HSV (auch nach den Vertragsverlängerungen der Gille-Brüder) ist man sich ziemlich sicher, die russische Wand zu überwinden.

„Das wird kein Spaziergang, schließlich treffen wir auf fast die komplette russische Nationalmannschaft“, warnt HSV-Trainer Martin Schwalb davor, Chechov zu unterschätzen. Die Russen hatten bislang einen recht entspannten Weg bis ins CL-Viertelfinale. In der Gruppenphase sicherte man sich recht souverän den Sieg, auch weil der einzige echte Konkurrent Valladolid schwächelte. Im Achtelfinale distanzierte Chechow Bosna Sarajewo mit einer Gesamtdifferenz von 22 Toren. „Wir hätten lieber gegen Barcelona gespielt“, sagte Pressesprecher Benjamin Kuznetsov: „Aber man muss eben nehmen was kommt, wenn man wieder nach Köln will.“

Im Gegensatz zum favorisierten HSV kennen die Russen das Erlebnis VELUX FINAL4 bereits aus dem Vorjahr. In einem Herzschlagfinale setzte man sich im Viertelfinal-Siebenmeterwerfen gegen Montpellier durch, verlor dann allerdings beide Duelle mit Barcelona und Ciudad Real in Köln und wurde Vierter. „Wir haben Blut geleckt, das Turnier in Köln ist das Größte, was du erreichen kannst. Daher wollen wir alles dafür geben, wieder dabei zu sein“, sagt Linksaußen Timur Dibirov. Ohne große Probleme qualifizierte sich Chechov für die Halbfinals um die russische Meisterschaft, ist großer Favorit auf den zwölften Titel in Serie.

In der Champions League trafen HSV und „Bären“ bereits viermal aufeinander – mit klar positiver Bilanz für den Bundesliga-Tabellenführer: 2006/2007 gab es ein Remis in Hamburg (32:32) und einen 29:26-Auswärtserfolg in der „Bärenhöhle“. Ein Jahr später glückten Hamburg zwei knappe Siege in der Gruppenphase (32:30 und 32:31). Schwalb will von der Statistik nichts wissen: „Es ist überhaupt nichts entschieden.“ Das sieht Rückraumspieler Pascal Hens ähnlich: „Das sind zwei richtige schwere Spiele gegen Chechow. Ich hoffe, wir können mit einem deutlichen Vorsprung im Hinspiel den Grundstein fürs Weiterkommen legen.“ Im vierten Jahr spielt der HSV in der Champions League, zum vierten Mal blieb der ganz große Wurf verwehrt – immer stand bislang Ciudad Real einem Erfolg im Weg. 2008 und 2009 im Halbfinale, 2010 im Viertelfinale. Dieser Kelch könnte frühestens in Köln auf den HSV warten.

Rhein Neckar Löwen - Montpellier MAHB

Ostersonntag, 24. April, 17.45 Uhr (live auf Eurosport)

Manchmal gibt es sogar in der Champions League noch Premieren: Denn Löwen und Montpellier trafen bislang nur bei einem Turnier in Straßburg, nicht aber in offiziellen Partien aufeinander. „Das ist das Gute an diesem Spiel – es gibt einmal einen neuen Gegner auf höchstem Niveau, das ist auch für unsere Fans besser als stets die gleichen Konkurrenten zu treffen“, sagte Montpelliers Präsident Robert Molines nach der Auslosung. Seine Mannschaft geht personell geschwächt in die Viertelfinals: Der tunesische Kreisläufer Wissem Hmam fällt wegen einer Oberschenkelverletzung aus, zuletzt musste auch der Ex-Kieler Vid Kavticnik pausieren, der aber am Sonntag auflaufen kann. Die Mannheimer gehen selbstbewusst in die Partie, haben nach dem souveränen Sieg in Großwallstadt ihre Serie auf neun Siege und ein Remis in der Liga ausgebaut – und sind in der Champions zuhause noch ungeschlagen (drei Siege, drei Remis gegen Kiel, Barcelona und Zagreb). Die Diskussionen um die Zukunft der Mannschaft und der Abschied von Jesper Nielsen als Clubchef scheinen die Löwen noch zu beflügeln – seitdem spielen sie auf konstant höchstem Niveau. Dennoch meint Manager Thorsten Storm: „Die Chancen aufs Weiterkommen liegen bei 50:50. Beide Mannschaften sind auf Augenhöhe.“ Das sieht Montpelliers Weltstar Nikola Karabatic ähnlich: „Die Löwen sind individuell stärker als wir, haben mehr Wechselmöglichkeiten, aber unser Vorteil ist, dass wir das Rückspiel zuhause haben.“ Im Vorjahr hatten beide Mannschaften das VELUX EHF FINAL4 verpasst: Montpellier war im Viertelfinale (im Siebenmeterwerfen) an Chechow gescheitert, die Löwen waren in der Runde der letzten Acht  (wie schon im Halbfinale 2009) vom THW Kiel ausgeschaltet worden.

FC Barcelona-Borges - THW Kiel

Ostersonntag, 24. April, 19.30 Uhr (live auf Eurosport)

Zusammen haben die beiden Clubs acht Mal die Champions League gewonnen, national und international bringen es Kiel und Barcelona auf über 120 Titel – und schon seit Jahren liefern sich beide Mannschaften internationale Duelle auf höchstem Niveau. Daher bedauert man auf beiden Seiten, dass man sich schon jetzt gegenübersteht: „Schade, beide Mannschaften gehören zum FINAL4“, sagt Xavier O’Callaghan, Barcelonas Manager. „Wir wollten uns eigentlich erst in Köln treffen“, ergänzt THW-Geschäftsführer Uli Derad.

In Köln boten beide Teams den fast 20.000 Fans im Vorjahr ein atemberaubendes CL-Finale: Trotz eines Sechs-Tore-Rückstands in der zweiten Hälfte sicherte sich der THW mit dem 36:34 zum zweiten Mal den Champions-League-Titel. Die Liste der Duelle beider Teams ist lang, schon 17 Mal trafen Zebras und Katalanen aufeinander. Im Jahr 2000 verdarb Barcelona den Kieler den ersten CL-Titel in einem packenden Final-Rückspiel und gewann am Ende mit einem Tor Differenz. 2008 deklassierte Kiel die Gäste mit zehn Toren im CL-Halbfinale, 2009 und 2010 stand man sich jeweils in der Gruppenphase gegenüber – mit zwei Kieler Erfolgen im sagenumwobenen „Palau Blaugrana“.

Und auch in der laufenden Saison sah man sich bereits auf dem Feld: In der Gruppenphase schaffte Kiel zuhause ein Remis, unterlag dann aber 29:32 in Barcelona. Insgesamt führt der THW mit 9:7 Erfolgen bei einem Untentschieden. In den jeweiligen Ligen sieht es völlig unterschiedlich aus: Während Kiel seinen 17. Titel wohl abschminken kann, ist Barcelona in der Liga Asobal noch ohne Verlustpunkt, gewann alle 26 Partien und liegt sechs Punkte vor dem noch amtierenden Champion Ciudad Real. Allerdings – und im Gegensatz zu Kiel – sind die Katalanen bereits im Pokal nach einer Heimniederlage gegen Valladolid ausgeschieden. Barcelona muss weiterhin auf Torwart Danijel Saric verzichten, daher liegt die Verantwortung zwischen den Pfosten auf dem Ex-Flensburger Johan Sjöstrand. Während die Kieler ihren „nationalen Clasico“ mit der Partie gegen Hamburg an diesem Mittwoch spielen, folgt dieses Duell für Barcelona erst nach dem Hinspiel der Champions League – am kommenden Dienstag in Ciudad Real.