EHF-Sanktionen - Drakonische Strafe für Lemme und Ullrich - Handball - Handball-M CL - Artikel - Handballwoche
EHF-Sanktionen

Drakonische Strafe für Lemme und Ullrich

Grund für diese harte Strafe ist das Nicht-Melden eines Manipulationsversuchs und des Funds von 50.000 US-Dollar in der Sporttasche von Ullrich am Flughafen Moskau nach dem Europapokalfinale 2006 zwischen Chechovski Medvedi und Valladolid. "Wir sind nicht überrascht, dass wir bestraft wurden, da schon vor einer Woche der ukrainische Schiedsrichter Wakula für vier Jahre gesperrt worden war. Aber die Höhe der Strafe trifft uns hart, damit haben wir nicht gerechnet", sagte Bernd Ullrich der HANDBALLWOCHE. Vor allem die Tatsache, dass die EHF nach eingehender unabhängiger Analyse des Spiels festgestellt hat, dass es keinerlei Manipulationen gab und dass Lemme/Ullrich regelkonform und nicht einseitig gepfiffen hätten, stünde in krassem Gegensatz zu der fünfjährigen Sperre. "Wir haben ein reines Gewissen, mit dem Spiel war alles in Ordnung, das haben wir ja nun schriftlich", sagte Ullrich, "und fünf Jahre Sperre nur dafür zu verhängen, dass wir den Vorfall nicht gemeldet haben, ist schon hart."

Das Karriere-Ende

Die Strafe ist gleichbedeutend mit dem Karriere-Ende der beiden Top-Schiedsrichter, die in den vergangenen Jahren zahlreiche entscheidende Partien wie das Olympia-Finale von Peking gepfiffen hatten. Nach HW-Informationen hätten Lemme/Ullrich ihre internationale Karriere nach der Männer-EM 2010 in Österreich ehedem beenden wollen, nun macht ihnen die EHF einen Strich durch die Rechnung.

Noch steht aber nicht fest, ob sie gegen die Entscheidung Einspruch einlegen werden. Am Samstag gab es ein längeres Gespräch mit dem DHB-Schiedsrichter-Chef Peter Rauchfuß. Auch das Geschäftsführende DHB-Präsidium wird sich kurzfristig mit dem Fall befassen. "Wir entscheiden, welche Auswirkungen das Urteil auf uns hat", erklärte DHB-Präsident Ulrich Strombach.

Schockiert reagierte auch dessen Stellvertreter Horst Bredemeier: "Das heißt ja lebenslänglich. Das ist ein Urteil, das mich komplett überrascht. Wenn man 46 und 47 Jahre alt ist, ist das das Ende der nationalen und internationalen Karriere", sagte der DHB-Vizepräsident. Entsetzt reagierte Reiner Witte auf das harte Urteil. "Das überrascht mich. Das halte ich für überzogen. Ich wüsste nicht, was passieren sollte, wenn tatsächlich jemand bestochen wurde", sagte der Präsident des deutschen Ligaverbandes (HBL). Für das Duo Lemme/Ullrich wird laut Rauchfuß weiterhin noch ein Platz im HBL-Kader freigehalten.

Strafe für Chechov

Auch der Verein aus Chechov wurde bestraft, unter anderem mit einer Geldbuße von 25.000 Euro wegen Nicht-Erfüllung der Betreuung der Schiedsrichter. Sollten zudem in Chechov in den kommenden vier Jahren Manipulationsversuche entdeckt werden, wird der russische Meister für zwei Jahre vom Europapokal ausgeschlossen.

Bestechungsversuch

Im März 2009, als die Vorwürfe bekannt wurden, hatte Ullrich gegenüber der HW den Sachverhalt wie folgt dargestellt: "Wir gingen durch die Sicherheitskontrolle. Dort durchsuchte ein Zöllner meine Sporttasche und entnahm eine Tüte mit dem Geld. Die Tüte sah ich da zum ersten Mal, die muss uns irgendwann zugesteckt worden sein, höchstwahrscheinlich in unserer Kabine. Wir mussten alles am russischen Zoll abgeben, inklusive unseres privaten Gelds. Wir mussten einen Bericht in russischer Sprache unterschreiben und haben von diesem allerdings keine Kopie erhalten. Wir dachten nur: Hauptsache raus dort! Zudem wurde Frank Lemme vor dem Spiel von einem ihm bekannten Russen angesprochen, dass wir das Spiel in die richtige Richtung leiten sollten. Aber er sagte nur: Keine Chance, das machen wir nicht. Er sagte mir vor dem Spiel aber nichts davon." Die EHF wertet das Nicht-Melden dieser Vorfälle als grob unsportlich und gegen alle Regeln der EHF, speziell des Schiedsrichter-Kodexes - und strafte die Deutschen nun hart ab. "Im Nachhinein hätten wir die Sache auf jeden Fall melden sollen, aber wir hatten keine Beweise. Zudem hatten wir natürlich Angst, was wird aus unserer internationalen Karriere - und die ganze Geschichte hört sich zugegebenermaßen ziemlich utopisch an", sagte Ullrich im März.

Bei der EHF werden derzeit noch weitere Fälle von angeblicher Schiedsrichter-Manipulation intensiv untersucht. Was den Fall des Champions-League-Finale von 2007 zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt betrifft, wartet man am EHF-Sitz in Wien die Entscheidung der Kieler Staatsanwaltschaft ab. "Wir stehen in engem Kontakt mit der Behörde. Wir können schließlich kein Urteil fällen, bevor wir nicht die endgültige Entscheidung aus Kiel haben", sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer.

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