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THW Kiel vor großer Zukunft

Freude, Jubel, Genugtuung und Stolz

Aron Palmasson hatte die Champions-League-Trophäe geschultert und umarmte jeden, der sich ihm in den Weg stellte: Als die Kieler Handball-Helden angeführt vom Mann der Zukunft weit nach 1.00 Uhr nachts auf der Players Party aufschlugen, gab es nur strahlende Gesichter.

Mit dem 36:34-Final-Triumph gegen den FC Barcelona in Köln hatte der deutsche Meister THW Kiel beim ersten Final Four Geschichte geschrieben und erstaunlich schnell seinen Umbruch gekrönt. Und nicht zuletzt ist der Schatten über dem ersten Champions-League-Gewinn 2007 kleiner geworden, dem der Makel eines unlauteren Sieges anhaftete.

Beim ersten Endrunden-Turnier der «Königsklasse» ist nach Meinung von Trainer Alfred Gislason alles mit rechten Dingen zugegangen. «Wir wollten die bessere Mannschaft sein und ohne Hilfe gewinnen. Das haben wir geschafft. Darauf bin ich stolz», sagte der Isländer. Er hatte seine Mannschaft in den Spielen gegen Ciudad Real und Barcelona sogar von den Referees benachteiligt gesehen. «Bevorzugt wurden wir nicht. Das waren auf keinen Fall Heim-Schiedsrichter», erklärte er.

In der Stunde des Erfolges war aller Ärger verraucht. Vielmehr bestimmten Freude, Jubel, Genugtuung, Stolz auf das Vollbrachte und der Ausblick auf eine rosige Zukunft die Szenerie. Denn zwischen den beiden Champions-League-Siegen hat sich der THW Kiel auch wegen der noch immer nicht ausgeräumten Manipulationsaffäre runderneuert: Uli Derad kam als Manager für Uwe Schwenker, der das Erfolgsteam 2010 zu einem großen Teil noch zusammengestellt hat, Gislason folgte Zvonimir «Noka» Serdarusic nach, für die tragenden Spieler Stefan Lövgren, Nikola Karabatic und Vid Kavticnik mussten die Neuen Palmarsson, Momir Ilic, Daniel Narcisse und Christian Sprenger integriert werden.

«Wir haben alle Möglichkeiten, noch besser zu werden als in diesem Jahr», befand Alfred Gislason, «für uns sollte das eine Übergangssaison sein und wir sind schon weiter mit dem Umbruch als viele gedacht haben. Das ist für uns Bestätigung.» Schon mit dem 33:31-Erfolg in der Bundesliga beim HSV Hamburg, mit dem sich die Kieler wohl den Weg zum 16. Meister-Titel geebnet haben, sei Beweis dafür gewesen. «Wir hören die ganze Saison über, dass wir taktisch und technisch den schlechteren Handball spielen als der HSV. Und dann zeigen wir, dass es umgekehrt ist», frohlockte Gislason.

Perspektivisch setzt er auf seinen gerade 19 Jahre alten Landsmann Palmarsson, der künftig als Nachfolger des Schweden Lövgren das Spiel beim Rekordmeister lenken soll. «Er kann ein Großer werden», urteilte der Trainer über das Ausnahmetalent. Und auf der Position des abgewanderten ehemaligen Welthandballers Karabatic hat sich inzwischen Filip Jicha zum Rückraum-Star gemausert und unentbehrlich gemacht. Der Tscheche holte mit 119 Treffern zum zweiten Mal hintereinander die Torjäger-Krone der Champions League. «Jicha hat die Lücke von Karabatic komplett geschlossen - wenn auch auf andere Weise», lobte Gislason, dessen Team 495 000 Euro an Champions League Prämien eingespielt hat.

Als die müden Handballer nach langer Nacht via Hamburg die Heimreise antraten, waren alle Feierlichkeiten vorerst beendet. Denn am 2. Juni vor heimischer Kulisse gegen HBW Balingen-Weilstetten und am 5. Juni beim TV Großwallstadt stehen die beiden entscheidenden Partien um die deutsche Meisterschaft an. Nur mit zwei Siegen kann Kiel seinen Titel verteidigen. Nach den beiden Final-Four-Kraftakten im Halbfinale gegen Ciudad Real und im Endspiel gegen Barcelona alles andere als ein leichtes Unterfangen. «Das schwerste Spiel wird das in Großwallstadt» warnte Gislason, «wir sind noch lange nicht Meister.»

Die spanische Presse über den neuen Champions League Sieger

 

Marca: Das Schicksal war ungerecht mit Barrufet und Barcelona

Barcelona verlor das Finale gegen Kiel in den letzten zehn Minuten. Barrufet konnte sich nicht mit einem neuen europäischen Pokal verabschieden. Die Kölner Lanxess Arena bebte beim Sieg der Deutschen. Wie ungerecht ist doch der Sport! Barcelona, angesichts seines Spiels und seiner Ausbeute zweifellos die beste Mannschaft des Final Four, verlor das Finale gegen Kiel weniger als 15 Minuten vor dem Ende mit dem Sieg vor Augen. Die Schützlinge von Xavi Pascual hatten sich sechs Tore Vorsprung erspielt, aber eine desaströse Schlussphase der Blauroten mit wenig klaren Ideen im Angriff und verringerter Intensität in der Defensive begünstigte, dass die deutsche Mannschaft die Arme nicht sinken ließ und mit einem außergewöhnlichen Omeyer als hauptsächlichem Bollwerk im Tor an die Aufholjagd glaubte. Auf diese Weise rächt sich Kiel für das Finale 2000.

 

AS: Barcelona stürzt im Finale gegen den Ausrichter Kiel

Die Blauroten dominieren, unterliegen aber einem zum Schluss neu belebten Kiel. Barcelona konnte den europäischen Thron nicht zurückerobern, denn sie verloren in einem dramatischen Finale mit 34:36 gegen einen kämpferischen THW Kiel. Dieser erwachte in den letzten Minuten des Final Four der Champions League in der Lanxess Arena von Köln zu neuem Leben.

 

La Voz de Galicia: Kiel hindert Barcelona daran, in Barrufets letztem Spiel den europäischen Pokal in die Höhe zu heben

Die Spanier erfreuten sich elf Minuten vor dem Ende einer Sechs-Tore-Führung.Barcelona fehlte ein Schritt, um das erste Final Four der Handballgeschichte zu erobern. Denn am Tage des Abschieds ihres Kapitäns Barrufet verloren sie gegen Kiel mit 34:36. Die blaurote Mannschaft, die nach fünf Jahren wieder ein Finale erreicht hatte, beherrschte die Partie 40 Minuten lang (24:19, 39.). Aber eine vom isländischen Trainer Alfred Gislason verordnete Manndeckung gegen Rückraumspieler Rutenka schlug Barcelona zu Boden, das im Angriff ohne Ideen und ohne Antwort von der Bank weiterspielte.

 

El Punt: Das letzte Finale - die letzte Enttäuschung

Barca konnte ein Spiel, das man bis zehn Minuten vor dem Ende kontrolliert hatte, nicht unter Dach und Fach bringen. Im letzten Spiel seiner Karriere hielt Barrufet sein Team in der ersten Halbzeit hoch. In der zweiten verstärkte ein anderer Torhüter, Omeyer, die Bestrebungen Kiels.  

Terra: Die Schiedsrichterleistung darf nicht als Entschuldigung dienen

Xavi Pascual: „Die Schiedsrichterleistung darf nicht als Entschuldigung dienen. Kiel hat das Finale auf dem Parkett gewonnen, und ich muss ihnen gratulieren, weil ihr Sieg verdient ist. Natürlich gefällt es uns allen, vor einer solchen Kulisse zu spielen, nicht nur heute, sondern bei allen Partien.“

 

El País: Barrufet geht traurig und stolz

Barrufet: „Wir gratulieren Kiel, weil sie besser waren. Ich bin traurig über die Niederlage, weil wir den Pokal berührt haben. Gleichzeitig bin ich stolz und zufrieden über unsere Leistung. Ich möchte keinen traurigen Abschied.“ Nach 22 Jahren auf dem Gipfel zog sich Barrufet mit einer schmerzhaften 34:36 Niederlage im Finale der Champions League gegen Kiel in Köln vom Handball zurück. Der Faktor „Halle“, die Leistung von Omeyer wie auch der Erfolg von Jicha waren für den Erfolg der deutschen Mannschaft entscheidend.