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Champions-League-Achtelfinale

Großes Losglück für deutsche Clubs

Strahlende Gesichter, kaum Klagen, viel Vorfreude  und die realistische Chance auf einen gemeinsamen Marsch ins Viertelfinale – so war die Stimmung bei den deutschen Clubs nach der Champions-League-Achtelfinal-Auslosung am Montagabend in Wien. Beim anschließenden Essen im Hotel „Altmannsdorf“ freute man sich vielmehr darüber, dass es kein Bundesliga-internes Duell gibt, das bereits einen HBL-Club auf den Weg zum Final 4 in Köln (28. und 29. Mai) eliminiert hätte.  Vor einer großen Zahl von internationaler Handball-Prominenz hatten EHF-Generalsekretär Michael Wiederer und der Niederländer Jan Tuik machbare Gegner ausgelost.  CL-Titelverteidiger THW Kiel trifft auf die Dänen von  KIF Kolding, der HSV Hamburg auf Cuatro Rayas Valladolid (Spanien), die SG Flensburg-Handewitt spielt gegen die Ungarn von Pick Szeged und die Rhein Neckar Löwen gegen RK Zagreb aus Kroatien.

„Eine bessere Auslosung konnte es für die deutschen Vereine nicht geben. Sie haben dadurch alle gute Chancen auf das Erreichen des Viertelfinales“, sagte Gerd Butzeck, Geschäftsführer der Group Club Handball (Zusammenschluss der europäischen Topvereine).  Der THW Kiel hat dabei in den Süd-Dänen aus Kolding einen „Nachbarn“ erwischt.  „Wir sind zufrieden: Die Reise ist kurz, der Gegner attraktiv, das Viertelfinale machbar“, sagte Trainer Alfred Gislasson und Geschäftsführerin Sabine Holdorf-Schust ergänzte: „Wer ins Final-4 will, muss jeden schlagen, die Dänen sind nicht schlecht.“  Noch größer war die Freude beim Kieler Gegner: „Was Besseres konnte uns nicht passieren. Eine ausverkaufte Halle und zwei tolle Spiele sind uns gewiss“, freute sich Manager Tom Kristensen. Kolding überraschte in der Gruppenphase mit einem Erfolg über Hamburg, in der Vorsaison trotzten die Dänen dem THW bereits ein Remis ab. Großer Vorteil daher für Kiel – genau wie für Flensburg und Löwen: dieses Trio trägt das Rückspiel (zwischen 30. März und 3. April) zuhause aus. Die genauen Spieltermine werden im Laufe der Woche festgelegt.

Einziges deutsches Team, das mit einem Heimspiel (zwischen 23. und 27. März) startet, ist der HSV Hamburg. Die Hanseaten freuten sich vor allem darüber, dass sie nicht auf einen Bundesliga-Konkurrenten treffen: „So haben alle vier deutschen Vereine die Chance auf das Viertelfinale“, sagte Vorstandsmitglied Dierk Schmäschke vor der Partie gegen Valladolid: „Deutsch-spanische Duelle haben immer einen besonderen Reiz, wir haben Respekt vor dem Gegner. Wir werden Valladolid nicht auf die leichte Schulter nehmen, wir sehen uns aber als Favorit.“ In den vergangenen drei Jahren war der HSV jeweils am spanischen Meister Ciudad Real gescheitert, Valladolid ist aber deutlich schwächer einzuschätzen.

Ihr „Traumlos“ erwischte die SG Flensburg-Handewitt mit der Mannschaft aus der ungarischen Salami-Stadt Szeged. „Absolut machbar, auch wenn Szeged in der Gruppenphase einige große Gegner dank seiner Heimstärke bezwungen hat“, sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes, der zudem  meint: „Ich freue mich auf das tolle ungarische Essen.“  Der Jubel war bei den Ungarn ähnlich groß: „Flensburg war unser Wunschgegner, das werden zwei attraktive Spiele“, sagte Manager Arpad Bella. Weniger kulinarisch, als sportlich mussten die Rhein Neckar Löwen den dicksten Brocken aller deutschen Achtelfinal-Teilnehmer verdauen: RK Zagreb mit Weltstars wie Ivano Balic. „Die Chancen stehen 50:50. Zagreb ist eines der stärksten Teams, das noch im Topf war. Das ist eine große Mannschaft“, sagte Löwen-Manager Thorsten Storm: „Aber in dieser Phase gibt es eben auch keine einfachen Gegner mehr.“ Zagrebs Manager Ante Ancic hingegen grinste: „Toll, perfekt, wirklich ein gutes Los. Wir müssen zuhause richtig vorlegen, dann haben wir vielleicht eine Chance.“ Im Vorjahr trafen beide Clubs bereits aufeinander, die Löwen gewannen beide Partien.

Aus internationaler Sicht bleiben die Ungarn von MKB Veszprem der große Auslosungs-Pechvogel: Neun Spieltage waren sie Gruppenerster, wurden erst am letzten Spieltag von Montpellier vertrieben – und erwischten nun das Hammerlos: „Nicht schon wieder“, war die erste Reaktion von Clubpräsident Chaba Hajnal. Wie in der Vorsaison treffen die Ungarn auf den FC Barcelona, der sie 2010 im Viertelfinal rausgeworfen hatte. Somit muss ein Mitfavorit auf das Final4 in Köln schon im Achtelfinale die Segel streichen.  Die übrigen Gruppensieger  erwischten hingegen einfache Gegner, wenn auch Ciudad Real vor seinen Duellen mit den Franzosen aus Chambery gewarnt sind: „Sie haben zuhause gegen Barcelona und die Löwen gewonnen, standen knapp vor einem Erfolg gegen Kiel. Da müssen wir aufpassen“, sagte Ciudad-Manager Luis Miguel Lopez. Nikola Karabatic und Montpellier müssen nach Schaffhausen reisen, der russische Meister Chechov trifft aus Bosna Sarajevo.

Also mal sehen, welche deutschen Vereine sich am 4. April wieder in Wien treffen – bevor der letzte Schritt zum ultimativen Spektakel in Köln angegangen wird.