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Bußgeld wegen Bandenwerbung

Kiel schockt den Handball in Europa

250.000 Euro Bußgeld soll der Europäische Handballbund EHF an die Stadt Kiel zahlen - wegen Werbung für ein Online-Wettbüro.

Ausgerechnet die Handballstadt Kiel schickt einen Blauen Brief an die Marketing-Abteilung der europäischen Handball-Föderation EHF. Eine viertel Million Euro Bußgeld, plus 12.500 Euro für den Gebührenbescheid und 3,50 Euro fürs Porto soll die EHF-Marketing GmbH bezahlen, weil sie bei zwei Champions-League-Spielen in der Ostseehalle für ein Online-Wettbüro geworben hat.

Der Hintergrund: Laut Glücksspiel-Staatsvertrag sind Wetten im Internet verboten und dürfen deshalb auch nicht auf Trikots oder auf Banden beworben werden. Um sicherzustellen, dass dagegen nicht verstoßen wird, stehen mitunter sogar Staatsanwälte am Spielfeldrand. Auch am 4. April 2010 beobachteten aufmerksame Ordnungswächter das Spiel des THW Kiel gegen den FC Kopenhagen und entdeckten Werbung des Sportwetten-Anbieters "bet-at-home.com". Das Kieler Innenministerium verwarnte den Veranstalter. Trotzdem wurde am 2. Mai im Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen das Werbebanner erneut gezeigt. "Die Banden- und Spielfeldwerbung wurde im Fernsehen übertragen", heißt es in dem Bußgeldbescheid. Eine Ordnungswidrigkeit! Seitdem läuft der Rechtsstreit.

Tatsache ist, dass es seit Inkrafttreten der Gesetze immer wieder Regelverstöße gegeben hat. Mal liefen die Spieler von Bayern München mit Werbe-Trikots von Wettbüros auf, mal die von Werder Bremen. Rechtswidrig meint die EU und entschied zu Gunsten des staatlichen Monopols. Im September kam dann die Kehrtwende der Richter. Gegen das suchtgefährdende Spiel in Automatenhallen gehe Deutschland zu lasch vor, gegen die vergleichsweise harmlosen Sportwetten im Internet jedoch mit der Brechstange, hieß es. Damit werde dem Grundsatz des Gesetzes, das auf Suchtprävention baut, nicht genüge getan. Der Glücksspiel-Staatsvertrag aber ist dadurch nicht unwirksam, sondern muss nachgebessert werden, argumentiert die Stadt und bleibt bei ihrem Bußgeldbescheid.

Auch lässt die Stadt den Vergleich mit der Werbung staatlicher Wettanbieter nicht zu. Dort werde eine "Werbestrategie verfolgt, bei der ausschließlich die Marke 'Lotto' und 'Oddset' im Vordergrund stehe. Einzelne Produkte werden nicht beworben", so die Stadt.

Das Angebot des staatlichen Anbieters gilt ohnehin wegen der geringen Gewinnsummen als unattraktiv. Deshalb wird auf illegalen Plattformen gespielt. Zwischen drei und acht Milliarden Euro verspielen Bundesbürger inzwischen in Tausenden Wettbuden oder im Internet bei internationalen Anbietern wie Bwin oder Betfair - völlig am Fiskus vorbei. Zum Ärger der Sportverbände: Ihnen entgehen Werbeeinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe.

Für Rechtssicherheit kann nur die Politik sorgen. Doch die Ministerpräsidenten konnten sich bislang nicht auf einen neuen Glückspiel-Staatsvertrag einigen. Der alte läuft Ende des Jahres aus. Bis dahin wollen einige Vereine allerdings nicht warten: Die SG Flensburg-Handewitt unterzeichnete bereits einen Vertrag mit einem privaten Wettanbieter. Die TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen zogen nach. Die Aufsichtsbehörden sind verunsichert, weil sich die Rechtslage durch neue Urteile ständig ändert.

Ob die Europäische Handball-Föderation das Bußgeld überweist, ist noch offen. Die Einspruchsfrist endet in dieser Woche. Fest steht: In der klammen Kieler Kommune würde man sich über den Geldsegen freuen.

Stellungnahmen der Europäischen Handball-Föderation zu diesem Thema finden Sie in der aktuellen Ausgabe der HANDBALLWOCHE.