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Liga-Rekord im Blick

Kiel verliert weiße Weste

Eine Heimniederlage tut dem THW Kiel immer weh. Doch dieses Mal, in der Königsklasse gegen Montpellier und den vielleicht besten früheren Kieler Handballer Nikola Karabatic blieben die Verantwortlichen recht gelassen. Nun soll der hauseigene Liga-Startrekord geknackt werden.

Der Jubel des Superstars fiel verhalten aus. Während die meisten Handballprofis aus Montpellier die Arme in die Höhe rissen, umarmte Nikola Karabatic kurz Filip Jicha. Danach schritt er ruhig und stolzen Blickes in die Kabine der Kieler Sparkassen-Arena. «Es hat mich froh gemacht, wieder einmal hier zu spielen», sagte der 27 Jahre alte Franzose, der zwischen 2005 und 2009 beim THW zum Star gereift war und dem Ex-Club nun die erste Saisonpleite zufügte - über die man sich an der Förde aber nicht lange ärgern will.

Die Kieler Gastgeber waren enttäuscht, aber sie nahmen die 23:24 (14:10)-Niederlage gegen den französischen Meister vor 10 287 Fans gelassen auf. Eine Niederlage in der Gruppenphase der Champions League tut zwar weh, ist aber zu kompensieren, so der allgemeine Tenor.

Bei nun 2:2-Punkten hat der Titelträger von 2010 immer noch die Chance, sich den ersten Platz in der Gruppe und die damit verbundenen Vorteile in den Finalspielen zu sichern. «Der Gruppensieg ist immer noch unser Ziel», meinte Daniel Narcisse, der betonte, dass Montpellier ein starkes Team sei. «Sie wollen auch die Champions League gewinnen, genauso wie wir», sagte der Rückraumspieler.

«Das war ein echtes Spitzenspiel, viel Kampf, so wie wir es mögen», sagte THW-Kapitän Marcus Ahlm. «Wir haben ja nicht schlecht gespielt, sondern einfach unsere Chancen nicht genutzt.»

Am dritten Spieltag am 22. Oktober muss der THW nun beim spanischen Vertreter Ademar Leon aber eine schwere Auswärtshürde bewältigen. Und die Niederlage gegen Montpellier traf die «Zebras» sehr wohl: Schließlich verloren sie nach 14 Pflichtspielsiegen den Nimbus der Unbesiegbarkeit, der den Club zuletzt umwehte.

Die Franzosen lieferten die taktische Blaupause dafür, wie man dem starken THW-Rückraum widerstehen kann: Mit aggressiver, körperbetonter 3:2:1-Deckung. «Wir sind an einer sehr guten Abwehr und einem sehr guten Torhüter gescheitert, man darf nicht vergessen, dass uns heute eine starke Mannschaft gegenüberstand», sagte THW-Coach Alfred Gislason. «Wir haben vor allem im Angriff nicht unsere Leistung gebracht, und Montpellier hat gut gespielt.»

Der Kreis der nationalen Gegner, die den THW derzeit gefährden können, scheint indes übersichtlich. Und so reist der Bundesliga-Tabellenführer am Mittwoch als Favorit zum TV Großwallstadt. Mit einem Sieg in Aschaffenburg würde der THW mit 14:0-Punkten den clubeigenen Startrekord knacken.