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Keine Ruhe im Europacup - Aufregung um slowenische Referees

Neuer Schiri-Skandal droht

Die Eurpäische Handball-Federation kommt nicht zur Ruhe: Ein neuer Skandal um Schiedsrichter droht und belastet den Dachverband EHF noch vor der vollständigen Aufklärung der alten Affären.

Die Europäische Handball-Föderation (EHF) prüft erneut generell die Ansetzung ihrer Referees und untersucht eine Beschwerde gegen Unparteiische aus Slowenien. Zudem will die EHF nach der Aussage von Uwe Schwenker vor der Kieler Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit alten Manipulationsvorwürfen Einsicht in die Ermittlungsakten nehmen. "Wir wollen dann Akteneinsicht nehmen, wenn die Staatsanwaltschaft sagt, dass der nächste Untersuchungsabschnitt abgeschlossen ist", sagte EHF-Wettbewerbsmanager Markus Glaser.

Keine schnelle Entscheidung

Nach seiner Meinung fällt auch im Fall der deutschen Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich keine schnelle Entscheidung. Ein Urteil des Court of Arbitration in der Berufung gegen die Fünf-Jahres-Sperre der Magdeburger wird "nicht in den nächsten zwei, drei Wochen" gesprochen, ein Zeitpunkt sei "ganz schwer abzusehen". Lemme/Ullrich waren wegen Verstoßes gegen den Verhaltenskodex bestraft worden. Sie hatten weder einen Bestechungsversuch noch den Fund von 50.000 Dollar in ihrem Gepäck nach einem Europacup-Spiel gemeldet.

Im Fall des THW Kiel, dem die Manipulation von mindestens zehn Champions-League-Spielen mit dem gewonnenen Finale 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt vorgeworfen wird, will die EHF vor einem eigenen Schiedsspruch die Kieler Dokumente sichten. "Unser Antrag auf Akteneinsicht ist immer noch gültig", sagte Glaser. Schwenker hatte am 6. November erstmals in der Affäre um den THW Kiel ausgesagt. Bislang hatte sich Schwenker geweigert, über den Verbleib von insgesamt 152.000 Euro aus der Vereinskasse Auskunft zu geben. Gemeinsam mit dem ehemaligen Trainer Zvonimir Serdarusic wird Schwenker als Drahtzieher von Bestechungsversuchen vermutet. Beide haben bislang alle Schuldzuweisungen bestritten.

Niederösterreich bietet "Anlass-Fall"

Unterdessen überdenkt die EHF ein weiteres Mal ihre Politik bei den Schiedsrichteransetzungen. Anlass ein dubioser Vorfall beim Frauen-Club Hypo Niederösterreich. Eine Woche vor dem 36:30-Sieg im Champions-League-Spiel bei Aalborg DH in Dänemark hatte Hypo zwei Freundschaftsspiele gegen Ungarns Erstligisten Vaci NKSE bestritten. Pikant: Dazu hatten die Österreicher die rumänischen Unparteiischen Alin-Sergiu Cirligeanu und Gheorghe Bejinariu eingeladen, die auch später das Spiel in Aalborg leiteten. "Die Ansetzung stand fest", gab Glaser zu.

Allerdings wollte er nicht von Ermittlungen gegen die Schiedsrichter sprechen. "Dieser Fall ist ein Anlass-Fall. Wir interessieren uns für diese Geschichte unabhängig von der Leistung der Schiedsrichter auf dem Spielfeld", sagte er. Der Verband wolle prüfen, wie die Ansetzungen von EHF- und Privat-Spielen wie bei Testpartien oder Turnieren besser koordiniert werden können. Bei Privat-Spielen würden die Referees von den Clubs oder den nationalen Verbänden eingeladen und nur an die EHF gemeldet. Auf dem Prüfstand steht, wie lange vor Spielen die EHF die Schiedsrichter ansetzt oder ob sie dies gar auch für die Freundschaftsspiele übernimmt.

Dreimal Rot und acht Siebenmeter

Analysiert wird nach einer Beschwerde von Fram Reykjavik zudem das Spiel im EHF-Cup der Männer zwischen Tatran Presov und den Isländern. Nach dem 27:23 im Hinspiel hatten die Slowaken, die Fram das Heimrecht abgekauft hatten, das Rückspiel mit 38:17 gewonnen. Die slowenischen Schiedsrichter Darko Repensek und Janko Pozeznik zeigten drei Isländern Rot und verhängten acht Siebenmeter für Presov, während Fram keinen zugesprochen bekam. "Es wird eine Analyse geben. Aber das Bildmaterial ist sehr schlecht", sagte Glaser.