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Vorschau auf die Achtelfinal-Rückspiele der Champions League

Nord-Clubs wollen Löwen folgen

Nachdem Medvedi Chechow und die Rhein Neckar Löwen als erste Viertelfinalisten der Champions League feststehen, wollen die drei übrigen deutschen Clubs das Image der besten Liga der Welt manifestieren und ebenfalls in die Runde der letzten Acht einziehen. Auf dem Weg zum Final4 in Köln (28./29. Mai) wäre dann ein Bundesliga-internes Duell wahrscheinlich. Die einfachste Aufgabe hat am Wochenende der THW Kiel, während HSV und Flensburg aufgrund der Hinspielergebnisse gewarnt sind.

 

THW Kiel– KIF Kolding - Samstag, 17 Uhr (live bei Eurosport)

Wie haben die Kieler die Heim-Niederlage gegen Großwallstadt, die wohl eine Vorentscheidung im Liga-Titelrennen bedeutete, verkraftet? Diese Frage wollen die Zebras mit einem eindeutigen Resultat gegen die Nachbarn aus Kolding beantworten. Nach dem klaren 36:29-Erfolg im Hinspiel ist der Titelverteidiger klarer Favorit. „Wir wollen wieder zum Final4 nach Köln– und haben in Kolding die Grundlagen geschaffen. Jetzt wollen wir uns den Viertelfinal-Einzug nicht mehr aus den Händen nehmen lassen“, sagt Trainer Alfred Gislason. Das sieht Torwart Thierry Omeyer ähnlich: „Ein Sieben-Tore-Vorsprung ist eine gute Sache, aber es sind immer noch 60 Minuten zu spielen – und wir müssen dort anknüpfen, wo wir in Kolding in der zweiten Hälfte aufgehört haben.“

 

Cuatro Rayas Valladolid – HSV Hamburg  - Sonntag, 18 Uhr (live auf Eurosport)

“Angesichts der Atmosphäre in der Hale von Valladolid bedeutet ein Sechs-Tore-Vorsprung noch überhaupt nichts”, warnt HSV-Trainer Martin Schwalb seine Mannen inständig davor, die Spanier auf die leichte Schulter zu nehmen. Erst durch eine erhebliche Steigerung in der zweiten Hälfte setzte sich der HSV vergangene Woche mit 28:22 durch. „Wenn wir so spielen wie vor der Pause, haben wir in Spanien keine Chance“, malt Präsident Andreas Rudolph ein düsteres Bild. Möglicherweise muss der HSV im Hexenkessel von Valladolid auf Kapitän Guillaume Gille verzichten, dafür meldeten sich Lackovic und Lijewski aber wieder fit. „Wir haben größten Respekt vor den Spaniern - aber ich hoffe, wir können in dieser Drucksituation bestehen“, sagt Schwalb. Für den HSV wäre es der vierte CL-Viertelfinaleinzug in Folge. Valladolid hofft derweil auf die Rückkehr des zuletzt verletzten französischen Weltmeisters Guillaume Joli sowie auf seine Fans: „Mit ihnen im Rücken können wir diese Mission vielleicht erfolgreich zu Ende bringen“, sagt Präsident Miguel Dionisio.

 

SG Flensburg-Handewitt– Pick Szeged  - Sonntag, 19.30 Uhr (live auf Eurosport)

Das „letzte Häuflein der Aufrechten“ will ein weiteres Zeichen setzen. Trotz der absolut angespannten Personalsituation wollen die Flensburger mit dem Einzug ins Viertelfinale eines ihrer Saisonziele perfekt machen. Die SG muss weiterhin auf Carlen und Djordjic verzichten, möglicherweise kann Thomas Mogensen sein Comeback feiern – und trotz seiner noch nicht auskurierten Verletzung muss Michael Knudsen seinem Club erneut helfen. „Ich bin absolut stolz darauf, wie sich meine Mannschaft derzeit präsentiert“, meint daher SG-Trainer Ljubomir Vranjes, „aber entschieden ist trotz unseres Hinspielsiegs noch gar nichts. Szeged hat in Chechow gewonnen, was einiges über die Auswärtsstärke dieser Mannschaft aussagt.“ Vergangenen Samstag setzte sich die SG hauchdünn mit 27:26 in Ungarn durch. Und auch daher macht sich das Team aus der Salami-Stadt noch berechtigte Hoffnungen: „Es geht fast wieder bei Null los. Wir wollen in Flensburg gewinnen – am besten mit zwei Toren Unterschied“, sagte Rückraumspieler David Katzirz.

Sollten alle vier deutschen Mannschaften den Einzug ins Viertelfinale perfekt machen, liegt die Wahrscheinlichkeit auf ein deutsch-deutsches Duell in der nächsten Runde bei 3:1. Kiel wäre in Topf 1, Löwen, Hamburg und Flensburg in Topf 2 – zusammen mit dem Sieger des Duells Barcelona – Veszprem. Das Viertelfinale wird schon am Montagabend (18.30 Uhr) in Wien ausgelost.

In den übrigen drei Achtelfinal-Rückspielen ohne deutsche Beteiligung stehen vor allem MAHB Montpellier und MKB Veszprem unter Druck, die beide ihre Hinspiele deutlich verloren hatten. „So schlecht wie in Schaffhausen haben wir noch nie gespielt, seit ich in Montpellier bin“, sagte der Ex-Kieler Vid Kavticnik der HANDBALLWOCHE nach dem 26:31 bei den Schweizern: „Aber immerhin konnten wir den Rückstand noch von zehn auf fünf Tore verringern.“ Da unter anderem Weltmeister und Super-Talent William Accambray wieder ins Team zurückkehrt, hofft der Slowene Kavticnik auf ein Happy-End: „Wir müssen im Vergleich zum Hinspiel so ziemlich alles verbessern, niemand hatte Normalform. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir mit mindestens sechs Toren gewinnen, das sind wir unseren Fans schuldig – schließlich wollen wir uns in diesem Jahr fürs Final4 in Köln qualifizieren.“

Auf der anderen Seite hofft Schaffhausens Trainer Petr Hrachovec (früher Spieler in Kronau) auf den größten Erfolg der Vereinsgeschichte: „Auch wenn Montpellier weiterhin der große Favorit ist, können wir es schaffen. Wir müssen und werden auch in Montpellier auf Sieg spielen.“ Wie im Hinspiel setzt Hrachovec dabei auf die Künste seines Torhüters Bjöggi Gustavsson, der nach der Saison nach Magdeburg wechselt.

Im Topduell müssen die Ungarn aus Veszprem zu Hause einen 21:28-Rückstand gegen Barcelona aufholen. Grundsätzlich spricht die Heimbilanz für Veszprem – in den vergangenen 24 Monaten verlor das Team von Lajos Mocsai nur ein CL-Spiel in der heimischen Arena, aber: diese Partie war ausgerechnet das letztjährige Viertelfinale gegen Barcelona (33:34). „Noch haben wir nichts gewonnen, wir müssen 60 Minuten voll konzentriert auf höchstem Niveau spielen, um weiterzukommen“, sagte Barcelonas Manager Xavier o’Callaghan. „Wir brauchen ein Wunder, ein großes Wunder“, meint Veszprems Nationalspieler Gabor Czaszar – und Mocsai ergänzt: „In Barcelona haben wir 50 Minuten mitgehalten, dann sind wir abgestürzt. Passiert das nochmal, haben wir keine Chance.“ Während bei Veszprem der frühere Gummersbacher Nandor Fazekas nach seiner Verletzung wieder ins Tor zurückkehrt, müssen die Katalanen mehrere Wochen auf ihren verletzten Schlussmann Danijel Saric verzichten – aber schon im Hinspiel war der Ex-Flensburger Johan Sjöstrand zwischen den Pfosten der Matchwinner für Barca.

Im achten Achtelfinale ist der dreifache CL-Sieger Ciudad Real nach dem 27:24-Auswärtssieg in Chambery großer Favorit aufs Weiterkommen – schließlich hat das Team in den vergangenen drei Jahren nur zwei Spiele in heimischer Halle verloren – beide gegen Kiel.