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Talant Duschebajew: "Die Chancen stehen jetzt 51:49 für den HSV"

BM Ciudad Real war mit Attributen wie "königlich", ja gar als "fast unschlagbar" angekündigt worden. Der spanische Top-Klub hatte in dieser Serie bislang alle 26 Spiele in der spanischen Liga und alle zwölf Partien in der Champions League gewonnen. Diesen übermächtigen Gegner zwang der HSV Hamburg tatsächlich mit 26:22 in die Knie. Trotz dieses Husarenstreichs schäumte die Freude nicht über. Logisch, wird man denken. Schließlich wissen alle erst am kommenden Sonntag, nach dem Rückspiel in Spanien, was dieses Ausrufezeichen wert war - ob sich die Hanseaten wirklich für das erstmals ausgetragene Final 4 in Köln qualifizieren können. "Wir erwarten eine ganz heiße Partie in Ciudad Real, aber meine Mannschaft hat das Zeug, dort zu bestehen", sagte HSV-Trainer Martin Schwalb.

Der nicht gerade emotionale Abschluss des Gipfeltreffens der Tabellenführer der beiden stärksten Ligen der Welt resultierte- wie es HSV-Regisseur Guillaume Gille beschrieb - aber auch aus einem "komischen Gefühl". Irgendwie schien mehr möglich als ein Polster von "nur" vier Toren. "Es ist schwer mit so einem Spiel nicht zufrieden zu sein", sagte Rechtsaußen Hans Lindberg. "Doch wenn wir uns in der zweiten Hälfte nicht zehn schlechte Minuten geleistet hätten, wäre ich nun noch zufriedener."

Nach dem Seitenwechsel hatten die Hausherren den dreimaligen Königsklassen-Gewinner teilweise überrannt, ein 16:9 herausgeworfen und eine ohnehin lautstarke Kulisse weiter elektrisiert. Trotzdem wurde es noch einmal eng. Nur zahlreiche Glanztaten von Per Sandström, ein feiner Dreher von Hans Lindberg in doppelter Unterzahl und zwei sehenswerte Einzelleistungen von Guillaume Gille verhinderten Schlimmeres. Martin Schwalb redete das Tief später klein. "Beide Mannschaften sind in der Lage, ihre Gegner eine längere Phase schlecht aussehen zu lassen", sagte er und ergänzte: "Gegen so eine starke Abwehr kann sich der Angriff schon einmal schwer tun." In seinen Ausführungen schwang eine Prise Erleichterung darüber mit, dass sein Team nicht wie im Oktober (26:32) vor eigenem Publikum eine Lehrstunde erteilt bekommen hatte, sondern sich berechtigte Hoffnungen machen darf, im vierten Anlauf erstmals Ciudad Real auszuschalten.

Dabei hatte der Nachmittag im Volkspark gar nicht gut begonnen. Der angeschlagene Krzysztof Lijewski wärmte sich mit auf, beäugte seine linke Schulter, schüttelte mit dem Kopf - es ging nicht, er hatte Schmerzen. Andere Rückraum-Akteure wie Pascal Hens und Marcin Lijewski rannten ihrer Form weitgehend hinterher. Bereits nach 13 Minuten intervenierte Martin Schwalb, nahm seine Auszeit. Er hatte die Dynamik im Vorwärtsdrang vermisst. Überraschend machte Nationaltorwart Johannes Bitter bereits zu diesem frühen Zeitpunkt - er hatte nur vier Gegentreffer kassiert - Platz für Per Sandström. Offensichtlich ein goldrichtiger Trainer-Instinkt. "Seine Leistung war der Schlüssel zum Erfolg", kommentierte Sportdirektor Christian Fitzek.Ohne die 19 Paraden des schwedischen Torwarts hätte der HSV die Halle nicht als Sieger verlassen - und sich die Besetzung der Favoritenrolle nicht verändert.

Gästecoach Talant Duschebajew beziffert die Chancen für die Hamburger nun auf 51:49: "Ein Sieg mit vier Toren ist ein gutes Ergebnis für den HSV." Für viele im Lager der Norddeutschen, darunter Per Sandström, war es wichtig, die Verwundbarkeit der vermeintlich "Unschlagbaren" zu demonstrieren. "Die erste Niederlage für Ciudad Real in der diesjährigen Champions League kann das entscheidende psychologische Moment sein, das für uns spricht."