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CL-Viertelfinale: Exklusiv-Interview mit HSV-Trainer Martin Schwalb

Weltklasse trifft Weltklasse

Ein Topfavorit muss im Viertelfinale der Champions League die Segel streichen – entweder der HSV Hamburg oder Ciudad Real werden das EHF Final4 in Köln verpassen. Vor dem Hinspiel der Tabellenführer der stärksten Ligen der Welt sieht HSV-Trainer Martin Schwalb gute Chancen, den Titelverteidiger zu schlagen. Im Interview mit handballwoche.de-Mitarbeiter Björn Pazen dankt er seinem Kollegen Talant Dushebajew auch für das Kompliment die „zweitbeste Mannschaft der Welt“ zu trainieren.

> Wie groß war Ihre Enttäuschung über die Viertelfinal-Auslosung?

Martin Schwalb: Wir hätten uns zwar schon gewünscht, gegen einen anderen Gegner als in der Gruppenphase antreten zu können, denn die EHF CL macht ja auch gerade ihre Vielfalt aus. Nun ist es aber so gekommen. Und wie Sie sagen: Es ist das Viertelfinale. Wir sind in der Champions League inzwischen so weit, dass nur noch sogenannte „Große“ Mannschaften im Topf waren. Da muss man das Los nehmen, wie man es bekommt.

> Was hat Ihre Mannschaft aus den beiden Niederlagen gegen Ciudad Real in der Gruppenphase gelernt?

Martin Schwalb: Vom Hinspiel in Hamburg bis zur Partie in Ciudad Real haben wir als Mannschaft schon einen Schritt gemacht. Auch aus dem Rückspiel haben wir unsere Schlüsse gezogen, wie wir es immer tun. Die ganze Saison ist für meine Mannschaft ein stetiger Lernprozess.

> Wie groß ist der Abstand zwischen den beiden Mannschaften noch?

Martin Schwalb: Das kann ich momentan nicht sagen, das werden wir in den kommenden beiden Spielen sehen.

> Talant Dushebajew bezeichnet Ihre Mannschaft als bestes Team der Welt nach Ciudad Real – wie stehen Sie dazu?

Martin Schwalb: Sicherlich können sich die Fans auf ein hochklassiges Duell zwischen zwei Mannschaften freuen, die wohl beide in den Kreis der weltbesten Mannschaften zu zählen sind. Sonst stünden sie nicht im Viertelfinale der Königsklasse. Für uns ist es auch schön, solche Komplimente zu bekommen. Es ändert aber nichts an unserer tagtäglichen Arbeit.

> Gibt es einen Favoriten im Viertelfinale oder stehen die Chancen 50:50?

Martin Schwalb: Eher Letzteres. Im Viertelfinale der Champions League ist alles möglich.

> Wo sehen Sie die Stärken von Ciudad Real?

Martin Schwalb: Auf den Punkt gebracht: Die ganze Mannschaft. Sie hat keinen herausragenden Schützen, dafür trifft jeder einzelne Spieler meist drei oder vier Mal in einer Partie. Das Team ist äußerst variantenreich. Und das nicht nur in der Offensive: Die Abwehr von Ciudad Real ist sehr schwer zu knacken.

> Wie groß ist denn die Vorfreude auf ein Duell der Giganten zwischen Igor Vori und Didier Dinart?

Martin Schwalb: Ich sehe da in erster Linie die sportliche Seite und das Aufeinandertreffen zwei der besten Kreisspieler der Welt.

> War die Niederlage gegen Kielce im Achtelfinal-Rückspiel eine Mahnung zur rechten Zeit oder nur ein Ausrutscher?

Martin Schwalb: Wir wollen jede Partie gewinnen. Einige Punkte in unserem Spiel waren jedoch ausschlaggebend, dass das gegen Kielce nicht funktioniert hat. Diese haben wir analysiert und werden versuchen, sie in Zukunft zu vermeiden.

> Ist der Pokalsieg in Deutschland eine zusätzliche Motivation für Ihre Mannschaft – oder heißt es jetzt: Abhaken, nach vorne schauen?

Martin Schwalb: Selbstverständlich ist es eine Motivation, eine Bestätigung für uns als Team. Doch es heißt für uns auch, dass wir uns keinesfalls darauf ausruhen, sondern immer weiter machen und auf unsere nächste Aufgabe nach vorne schauen.

> Sie hatten Ihre Mannschaft vor der Saison mit Vori und Duvnjak gezielt verstärkt – ist das Zusammenspiel Ihres Teams schon perfekt oder sehen Sie noch Schwächen?

Martin Schwalb: Ich sehe unser Spiel immer aus einem besonderen Blickwinkel, meinem eigenen - das ist ja auch meine Aufgabe als Trainer. Der Saisonverlauf und gerade die Ergebnisse der letzten Wochen zeigen, dass wir als Mannschaft sehr gut harmonieren. Das heißt aber keinesfalls, dass ich meine Hände in den Schoß lege. Wir arbeiten immer weiter an uns.

> Sie haben die Wahl: CL-Titel oder deutsche Meisterschaft – was nehmen Sie?

Martin Schwalb: Das ist nett, dass Sie mir die Wahl lassen wollen. Aber so läuft es nicht. Jeder Wettbewerb, jedes Spiel ist eine Aufgabe für sich, die wir immer von neuem angehen und bestehen müssen. Uns fällt nichts von alleine zu.

Oder schafft der HSV in diesem Jahr das Triple?

Martin Schwalb: Ein Triple, wie es jetzt so oft heißt, haben wir nicht als Saisonziel formuliert. Wir wollen in jedem Wettbewerb so lange es geht – oben oder vorn – mitspielen. Was am Ende dabei heraus springt, werden wir auch am Ende sehen.

 

Mehr Informationen zur Champions League unter www.ehfcl.com oder www.ehffinal4.com und in der aktuellen Ausgabe der HANDBALLWOCHE