3. Liga vor der Entscheidung

Aufstiegsaspiranten prüfen die Finanzen

In den vier 3. Ligen steht mit der SG Leutershausen bisher nur ein Meister fest. Am kommenden Wochenende
fallen möglicherweise weitere Entscheidungen. Die HSG Tarp-Wanderup in der Nordstaffel, der SC DHfK Leipzig in der Ost-Liga und TuS Ferndorf im Westen führen zur Zeit die Ligen an. Fest steht: Bis zum 30. April sind die in Frage kommenden Drittligisten aufgefordert, die Lizensierungsunterlagen einzureichen. Wobei derzeit gerade die Aufstiegs-Aspiranten aus der 3. Liga mit der Erkenntnis leben müssen, dass im Ringen um eine solide Finanzierung das Geld nicht auf der Straße liegt. Zur Erinnerung: Der Zweitligist Wilhelmshavener HV, zwischenzeitlicht Zehnter in der 2. Liga Nord, hat trotz eines Etats von 600.000 Euro bereits auf einen Lizenzantrag verzichtet, da mit diesem Betrag keine Mannschaft zu finanzieren sei.

3. Liga Nord
„Wir haben eine hervorragende Ausgangsbasis, da wir beide Spiele und damit den direkten Vergleich gegen die punktgleiche HF Springe (beide 41:9 Punkte) gewonnen haben“, sagt Stephan Thonak, der Manager des Nord-Drittliga-Spitzenreiters HSG Tarp-Wanderup: „Wenn wir unsere verbleibenden drei Spiele gewinnen, sind wir in jedem Fall Meister. Wir haben es also selbst in der Hand.“ Im Falle des Titelgewinns nimmt die HSG jedenfalls an den Aufstiegsspielen teil: „Die Mannschaft hat eine hervorragende Saison gespielt, die Teilnahme an den Qualifikationsspielen zur 2. Liga wäre der verdiente Lohn dafür“, betont Thonak. Über Geld wird bei der HSG nicht öffentlich diskutiert. Nur so viel: „Unabhängig von der Liga werden wir auch kommende Saison weiter auf unser Konzept setzen, nicht mit Vollprofis zu spielen. Bei uns haben sich schon einige Spieler aus der eigenen Jugend und aus der Region für höherklassige Teams empfohlen, diesen Weg wollen wir nicht verlassen. Wirtschaftlich sind wir deshalb in jedem Fall gerüstet, unser Etat für die kommende Saison ist bereits zum größten Teil gedeckt“, so Thonak.
Und was passiert unweit von Hannover bei den punktgleichen Handballfreunden Springe: „Wir werden im Falle eines Falles zur Stelle sein und auch an den Qualifikationsspielen zur 2.Liga teilnehmen“, gibt Pressesprecher Jens Buchmeier die Marschrichtung vor. Jedenfalls sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die 2. Liga in Springe vorhanden. Der derzeitige Etat von geschätzten rund 300.000 Euro „würde im Aufstiegsfalle solide aufgestockt werden“, untermauert Buchmeier. Deutliche personelle Veränderungen soll es im Aufstiegsfalle nicht geben. Der Kern der Mannschaft bleibt bestehen. Mit Andreas Stange, Fabian Hinz, Kapitän
Daniel Deutsch und Claus Karpstein haben vier Leistungsträger bereits verlängert oder besitzen noch Verträge für die nächste Saison. Ex-Nationalspieler Sven Lakenmacher wird nur noch Trainer sein.

3. Liga Ost
„Wir gehen mit drei Punkten Vorsprung am 30. April in das Duell gegen die TG Münden und wollen vor heimischem Publikum die Meisterschaft perfekt machen. Wir wollen die 2. Handball-Bundesliga der Männer nach Leipzig holen und geben alles dafür, an der möglichen Relegation teilnehmen zu können,“ sagt Manager Karsten Günther vom Spitzenreiter SC DHfK Leipzig. Ein klares Credo der Sachsen: „Unsere Partner vor Ort wollen mit uns in die Bundesliga und engagieren sich stark für dieses Ziel. Außerdem wächst unser „Bundesliga Club 500“ stetig weiter und wir können auf eine breit aufgestellte Sponsorenschaft bauen. Für die 2. Bundesliga planen wir mit rund 700.000 Euro, um den Klassenerhalt zu schaffen“, unterstreicht Manager Günther. Mit dem ehemaligen Weltklasse-Handballer Stefan Kretzschmar im Aufsichtsrat sowie Andreas Rudolph, Mäzen und Präsident des Erstligisten HSV Hamburg, sind prominente Partner im Boot. „Wir planen für die 2. und 3. Liga mit etwa dem selben Kader“, betont Manager Günther.
Nur noch eine Minimalchance auf den Titel hat die drei Punkte hinter Leipzig zurückliegende TG Münden aus
Südniedersachsen: „Es macht daher für uns keinen Sinn, vorher einen Riesenaufwand zu betreiben“, sagt Handball-Fachwart Hans Münchberg in Bezug auf die Lizensierungsunterlagen, die bis zum 30. April
eingereicht werden müssen: „Wir werden eine Fristverlängerung beantragen“, so Münchberg, „der erst die Unterlagen einreichen würde, „wenn wir uns sportlich qualifizieren.“ Über Geld spricht man in Münden
nicht. Nur so viel: Wir haben fünf, sechs Sponsoren im fünfstelligen Bereich und noch einen großen Sponsor. Der möchte nicht genannt werden.“

3. Liga West
500.000 Euro mindestens müssen wohl im Falle für eines möglichen Aufstiegs investiert werden. Das weiß auch der TuS Ferndorf, der am morgigen Donnerstag (28. April) darüber entscheiden will, ob er einen Lizenzantrag für die 2. Liga stellt. „Drei Spieltage vor Ende der Saison beträgt der Vorsprung vor Wermelskichen drei und TuS Altenhagen-Heepen vier Punkte. Somit können wir die Meisterschaft alleine entscheiden“, skizziert Ferndorfs Manager Harald Münker die sportliche Ausgangslage. Klar hat sich das Management des TuS Altenhagen-Heepen bereits vor dem Pflichtspiel am kommenden Samstag beim Tabellenführer TuS Ferndorf positioniert:„Wir sind 3. der Liga und denken nicht mehr an den Aufstieg.“ Auch der TuS Wermelskirchen wird für das Lizensierungsverfahren zur 2. Bundesliga keine Meldung abgeben und damit auf einen eventuell noch möglichen Aufstieg verzichten. „Die zu erwartenden Kosten sind so hoch, dass eine Meldung unseren finanziellen Rahmen deutlich übersteigen würde. Alleine die Fahrtkosten quer durch die ganze Bundesrepublik würden den Etat sprengen, ebenso sind die Schiedsrichterkosten. Dazu kommen noch sehr hohe Verbandsabgaben“, begründet Geschäftsführer Henning Faber die Entscheidung und ergänzt:„Gerne hätten wir die Herausforderung angenommen, doch dazu würde es noch größerer Unterstützung der heimischen Industrie bedürfen. Wir haben einen riesigen Unterstützerkreis aus Privatleuten, Handel, Dienstleistung und mittelständischer Industrie sowie der Stadt Wermelskirchen, doch die richtig Großen in Wermelskirchen sind leider nicht dabei."
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3. Liga Süd
„Ich bin wahnsinnig stolz auf die Jungs. Wir haben nicht nur den erfolgreichsten, sondern auch den schönsten Handball gespielt. In der Relegation zur einteiligen 2. Liga haben wir nichts zu verlieren“, jubelte Stefan Gunst, Teamkoordinator der SG Leutershausen, die bereits vier Spieltage vor Saisonende als Meister feststand. Der zweifache Deutsche Meister – 1968 in der Halle und 1969 auf dem Feld – ist auf dem Weg zurück in die 2. Bundesliga, in der der Verein von 1995 bis 2006 spielte, dann aber nach der Insolvenz 2006 den Neuanfang in der Baden-Württemberg-Oberliga startete. Manager Uli Roth, Trainer Holger Löhr und Geschäftsführer Jörg Büßecker- das sind gestandene Handballer - teils interational erprobt – die an der Fortsetzung einer ruhmreichen Tradition der „Roten Teufeln von der Bergstraße“. Und
das mit einem angestrebten Etat von rund 600.000 Euros – im Falle eines Aufstiegs.

KOMMENTARE

Wilfried Knur, 28.04.11, 21:31 Uhr
Ich glaube nicht das die HBL sich hier einen Gefallen getann hat. Die Vereine werden unter Erfolgsdruck nicht auf junge mehr »
Jens Abels, 28.04.11, 16:34 Uhr
das sehe ich genauso. Hier wird eher zu Lasten der jungen Spieler gehandelt, und die eingleisige zweite Liga wird zu mehr »
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