THW Kiel - HSV Hamburg - SG Flensburg-Handewitt - MT Melsungen - Interview mit Stefan Kretzschmar vor dem Lufthansa Final4 - "Das Ding wird heiß" - Handball - Handball-M DHB-Pokal - Artikel - Handballwoche
Interview mit Stefan Kretzschmar vor dem Lufthansa Final4

"Das Ding wird heiß"

Stefan Kretzschmar, gerade 40 Jahre alt geworden, ist als Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt und gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2001 Meister wurde und 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert Kretzsche wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

Am Wochenende steht das Lufthansa Final Four auf dem Programm. Werden Sie vor Ort sein?
Stefan Kretzschmar:
Ist doch wohl klar! Die Pokalendrunde in Hamburg ist für mich ein absolutes Muss. Zudem bin ich ja auch beruflich dort eingespannt.

Sie werden wieder als Co-Kommentator bei Sport 1 fungieren…
Stefan Kretzschmar:
Auch das ist richtig. Das Lufthansa Final Four 2013 wird von SPORT1 an beiden Tagen live und exklusiv übertragen. Und diesmal sind wir in richtig großer Besetzung vor Ort. Neben den Kommentatoren Markus Götz und Uwe Semrau wird natürlich auch unsere charmante Moderatorin Anett Sattler dabei sein. Zudem unterstütze ich gemeinsam mit Bob Hanning und Daniel Stephan als sogenannter Experte (lacht) das Sport1-Team. Ich freue mich schon seit langem auf dieses Wochenende.

Welchen Stellenwert genießt denn das Lufthansa Fina Four in der Szene?
Stefan Kretzschmar:
Für mich ist das Final Four DAS Handball-Event in Deutschland und manchmal fast emotionaler als eine Welt- oder Europameisterschaft. Der Modus ist klasse, es ist genial gelöst mit den vier Fangruppierungen in der Halle und es herrscht über zwei Tage hinweg eine sensationelle Stimmung.

Das Lufthansa Final Four hat seit einigen Jahren mit dem Final Four der Champions League in Köln gewichtige Konkurrenz bekommen. Schadet das der Hamburger Veranstaltung?
Stefan Kretzschmar:
Überhaupt nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Da belebt die Konkurrenz das Geschäft, weil beide Veranstaltungen dem Handball in Deutschland insgesamt gut tun. Zudem ist es doch wohl das größte Kompliment für die Veranstalter, wenn ihre Veranstaltung so gnadenlos kopiert wird.

Welche Veranstaltung finden Sie besser?
Stefan Kretzschmar:
Die Frage ist unfair. Ich versuche mal, diplomatisch zu antworten. In Köln tummelt sich an einem Wochenende die europäische Spitzenklasse des Handballs. Da geht nicht viel drüber. Aber atmosphärisch ist das Ding in Hamburg natürlich viel dichter. Das Turnier ist von der Dramaturgie sensationell und von der Atmosphäre großartig. Gerade für die Zuschauer ist es super: Man lernt die Fans der anderen Teams kennen, verbrüdert sich und unterstützt sich – trotz aller Konkurrenz – sogar gegenseitig. Es wird einfach gemeinsam ein großes Fest gefeiert. Und darum geht es im Handball ja auch. Man hat über die gesamten zwei Tage Gänsehaut, weil das Final Four so einzigartig ist. Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre in der Halle. Und das trotz aller sportlichen Brisanz.

Wer ist denn Ihr Favorit?
Stefan Kretzschmar:
Natürlich Melsungen (lacht!). Im Ernst: Um sicher zu gehen, sollte man wie immer auf den THW Kiel tippen. Aber das ist bei einer solchen Veranstaltung, die auch ihre Eigendynamik entwickelt, zu einfach. Auch die Flensburger spielen bislang eine gute Saison. Und der HSV Hamburg genießt Heimvorteil.

Aber dass die Kieler ins Finale kommen, ist hochwahrscheinlich, oder?
Stefan Kretzschmar:
Weiß ich gar nicht. Der THW tut sich in dieser Saison ein bisschen schwerer als sonst und ist nicht mehr unschlagbar. Trotzdem ist Melsungen der krasse Außenseiter. Denn wenn es drauf ankommt, ist der THW zur Stelle. Alles andere wäre eine große Überraschung. Und ich glaube nicht, dass Melsungen zwei Mal in einer Saison die Sensation schafft – denn in der Liga haben sie ja in Kiel gewonnen. Respekt, Melsungen, aber Ihr habt lediglich eine Außenseiterchance. Nutzt sie!

Und das zweite Halbfinale?
Stefan Kretzschmar:
Das ist an sich schon ein Kuriosum. Da begegnen sich mit dem HSV Hamburg und der SG Flensburg-Handewitt zwei Mannschaften, die innerhalb von 19 Tagen gleich vier Mal gegeneinander antreten müssen – in der Liga, in der Champions League und nun hier in Hamburg beim Final Four. In der Champions League ist das Los eher unglücklich, hier beim Final Four ist das ein sensationelles Halbfinale, dessen Ausgang für mich – auch unter Berücksichtigung des Heimvorteils für den HSV – völlig offen ist. Am Dienstagabend standen sich beide Teams in Flensburg beim Bundesligaduell gegenüber. Und als wollten Flensburger und Hamburger nichts vorwegnehmen, spielten sie dann auch mal schön 23:23-Unentschieden. Meine Prognose: Das Ding wird richtig heiß.