TBV Lemgo - Lemgo feiert EHF-Pokalsieg - Abschiedsgeschenk von Kraus - Handball - Handball-M EHF-Cup - Artikel - Handballwoche
Lemgo feiert EHF-Pokalsieg

Abschiedsgeschenk von Kraus

Ein Dutzend Volltreffer und zum krönenden Abschluss der ersehnte Europacup-Sieg: Vor seinem Abschied beim TBV Lemgo hat ausgerechnet Nationalspieler Michael Kraus den Bundesligisten zum Triumph im EHF-Pokal geführt.

«Das war abgefahren gut, einfach geil. Wir haben alles in dieses Spiel gelegt und werden jetzt richtig feiern», sagte Kraus nach dem Krimi in der Schweiz. Im Final-Rückspiel bei den Kadetten Schaffhausen unterlag Lemgo zwar trotz der zwölf Tore von Kraus mit 28:30 (10:14), doch nach dem 24:18-Hinspielerfolg wanderte der EHF-Pokal nach Ostwestfalen.

Für Kraus war es eine besondere Genugtuung. Erst vier Tage vor dem Triumph hatte der 26-Jährige erklärt, dass er den TBV zum Saisonende verlassen wird, obwohl sein Vertrag bis 2012 läuft. «Der TBV hat mir gesagt, dass er nicht mehr mit mir plant.» Ein neuer Verein ist noch nicht bekannt, doch spätestens nach seiner Galavorstellung im EHF-Pokalfinale dürfte es an Interessenten nicht mangeln. «Ich will nächste Saison in der Champions League spielen», betonte Kraus.

Als Lemgo in einem teilweise dramatischen Spiel vor 1500 Fans in Schaffhausen trotz des Sechs-Tore-Vorsprungs aus dem Hinspiel zu scheitern drohte, war auf Kraus Verlass. Mit fünf Toren Vorsprung führten die Schweizer unmittelbar vor der Pause, doch mit zehn Toren nach dem Wechsel brachte «Mimi» seinen Club in die Erfolgsspur. «Kraus war überragend, aber ich bin stolz auf die gesamte Mannschaft. Alle haben sich nach einer Schwächephase aufgebäumt», lobte TBV- Manager Volker Zerbe. Und Florian Kehrmann fügte schmunzelnd an: «Da müssen wir froh sein, dass der Trainer 'Mimi' nicht zur Halbzeit rausgenommen hat.»

Mit dem dritten Europacup-Sieg nach 1996 und 2006 konnten die Ostwestfalen eine ebenso durchwachsene wie turbulente Spielzeit schon vor dem Bundesliga-Ende zu einem versöhnlichen Abschluss führen. «Ein Titelgewinn ist ein besonderer Moment, der die Saison vergoldet», sagte Trainer Volker Mudrow. Er hatte die Mannschaft nach der Beurlaubung von Vorgänger Markus Baur und des Sportlichen Leiters Daniel Stephan erst im September 2009 übernommen. International konnte Lemgo zwar überzeugen, in der Bundesliga blieb allerdings vieles Durchschnitt und unharmonisch. Kraus war im Februar sogar aus disziplinarischen Gründen für ein Match suspendiert worden.

Das war in Schaffhausen aber kein Thema mehr. Im direkt neben der Schweizersbildhalle gelegenen Teamhotel «Hohberg» setzte die Mannschaft die nach der Schlusssirene begonnene Party fort und zog anschließend sogar mit den gegnerischen Kadetten durch die Altstadt. Nach dem Rückkehr wird der TBV auf dem Marktplatz in Lemgo empfangen. Dort hat die Feuerwehr bereits ein Transparent mit der Aufschrift «Die Alte Hansestadt Lemgo gratuliert dem EHF-Cup-Sieger» aufgehängt. «Wir sind richtig glücklich, die Saison mit so einem tollen Erlebnis beenden zu können. Es war eng, aber verdient», meinte Zerbe.

Als Titelverteidiger ist der TBV nun automatisch für die nächste Teilnahme am EHF-Pokal qualifiziert. Zudem setzte Lemgo eine «Tradition» fort: Bei der 29. Auflage dieses Wettbewerbs ging der Pokal zum 16. Mal an eine deutsche Mannschaft.